Quo vadis Zins?

Wohin geht er, wohin entwickelt er sich? Schon seit geraumer Zeit befinden sich die Zinsen im Keller. Das Sparkonto wirft nichts mehr ab und auch beim beliebten Tagesgeld kann man nur noch von Zinsen in Höhe von 4% träumen. Zu Jahresbeginn sind Orakel und Voraussagen noch erlaubt, also warum nicht einmal in die Kristallkugel schauen und eine Prognose wagen?

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    Foto: © TK-photography/ clipdealer.de
Einflüsse von außen

Durch den gemeinsamen Wirtschaftsraum innerhalb der EU und die Globalisierung kann man Deutschland nicht separat betrachten. Der Brexit, Donald Trump als neuer Präsident der USA und eine neue Regierung in Italien werden Einfluss auf die deutsche Wirtschaft und damit auch die Zinsentwicklung haben.

Auch wenn der Euro im Verhältnis zum Dollar schwächelt und so den Export ankurbelt, kann sich die positive Lage nach dem Amtsantritt Trumps ändern, will er doch die US-Wirtschaft wieder stärken und die einheimischen Konzerne fördern. Bereits jetzt hat er Strafzölle für deutsche PKWs angekündigt. Das hätte für den Welthandel negative Auswirkungen und besonders für Deutschland als Exportnation. Auch der Brexit stellt ein Risiko dar, denn gerade Großbritannien ist ein nicht zu unterschätzender Markt für deutsche Waren.

Die EZB macht zudem auch keine Anzeichen, die Zinsen zu erhöhen. Durch die Verlängerung des Kaufprogramms für Staatsanleihen und Wertpapiere bis mindestens Ende 2017 wird der Zins weiterhin auf einem niedrigen Niveau bleiben.

Dass die EZB ihre Politik in absehbarer Zeit ändern wird, ist unwahrscheinlich. Es hängen zu viele überschuldete Euro-Staaten an den niedrigen Zinsen. Würden sie erhöht werden, hätte das einige Staatspleiten zur Folge, man erinnere sich nur an die Diskussionen und Schreckensszenarien rund um den Grexit in 2014. Ein Zerfall der Eurozone wäre dann fast unausweichlich, aber das ist aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen nicht gewollt.

Im wesentlichen Konsens

Daher geht kaum einer der Experten und Analysten geht im Moment ernsthaft davon aus, dass die Zinsen in näherer Zukunft stark steigen werden. Ein leichter Anstieg liegt durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen, aber auf relativ hohe Zinsen wie in der Vergangenheit wird man noch eine geraume Zeit warten müssen. Dennoch sollte man sein Geld auch trotz der niedrigen Zinsen nicht zu Hause unter dem Bett deponieren.
Also doch ein Tagesgeld-Konto?

Um Neukunden anzulocken werben einige Geldinstitute mit Gutschriften oder Sonderzinsen, wenn man ein Tagesgeld-Konto neu eröffnet. Im Gegensatz zum Festgeld hat man beim Tagesgeld immer den Vorteil, dass das Geld sofort verfügbar ist. Mit einer geschickten Auswahl nach einem Vergleich der Konditionen kann man also selbst heute noch bei den niedrigen Zinsen vom Tagesgeld profitieren. Hat man erst einmal das Konto und die Zinsen steigen wieder, profitiert man sofort vom aktuellen Zinssatz.

Steigen die Zinsen bei Festgeld, ist man mit dem Tagesgeld immer noch flexibel und kann sein Geld dann so anlegen, dass es längerfristig gesehen mehr Ertrag bringt.
Übrigens macht auch psychologisch gesehen ein Tagesgeld-Konto Sinn. Richtet man auf dem normalen Gehaltskonto einen Dauerauftrag ein, geht das Geld automatisch weg und der nächste Urlaub ist wie von Zauberhand schon bezahlt, ohne dass man sich viele Gedanken machen muss, wenn der Sommer vor der Tür steht.

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© Schwäbische Post 19.01.2017 08:30
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