CarSharing: Kooperation zwischen Daimler & BMW?

Der Fahrdienst Uber ist vielen Unternehmen ein Dorn im Auge. Jetzt wollen BMW und Daimler das amerikanische Imperium bekämpfen.

Konkurrenten arbeiten neuerdings zusammen, wie die beiden Unternehmen BMW und Daimler zeigen. Sie wollen im Rahmen einer Kooperation einen Dienst planen, der Uber aus dem Rennen schießt.

Sowohl der Münchener Autobauer BMW als auch der Konkurrent aus Stuttgart Daimler besitzen beide sehr gut laufende Mobilitätsdienste, DriveNow sowie Car2Go. Damit die CarSharing-Angebote konkurrenzfähig sind, laufen aktuell Verhandlungen, um die Geschäfte zusammenzulegen, berichtet die Zeitschrift Manager Magazin (Ausgabe 6/2017).


Uber: Ein Dorn im Auge vieler Autobauer

Der Fahrdienst Uber hat in vielen Ländern für Furore gesorgt. Während Taxifahrer in Kroatien beispielsweise gegen das Unternehmen aus dem Silicon Valley protestieren, bieten die Amerikaner im selben Zeitraum Touren mit Schnellboten über die Adria an. Diese Dienstleistung zeigt, wie flexibel das Angebot des Fahrdienstes ist und warum sie von vielen Unternehmen so sehr gefürchtet wird.

BMW und Daimler scheinen erkannt zu haben, dass sie alleine nicht gegen Uber ankommen können. BMW kooperiert bereits mit Sixt für seinen Dienst DriveNow; Daimler steht mit Car2Go aktuell noch auf eigenen Beinen. Wie aber Manager Magazin berichtet, laufen hinter verschlossenen Türen Verhandlungen für eine geplante Fusion.

Es ist durchaus kurios, warum zwei Wettbewerber gemeinsame Sachen machen, schließlich steckt in diesem Markt ein enormes Potenzial. Doch die Münchner und Stuttgarter haben längst erkannt, dass die beiden Firmen mehr Gemeinsamkeiten haben als mit Uber oder Google. Unternehmen aus dem Silicon Valley arbeiten seit geraumer Zeit an selbstfahrenden Automobilen; auch Apple scheint Gerüchten zufolge Interesse an solchen Fahrzeugen zu haben und werkelt an eigenen Projekten.

Wenn BMW und Daimler den Zug verpassen, werden sie zu Hardwarelieferanten für die Konzerne aus den Staaten.


CarSharing auf dem Land noch durchwachsen

Trotz der interessanten Entwicklung bleibt ein zentrales Problem für Autofahrer: Die Landflucht gepaart mit den spärlichen CarSharing-Angeboten. Der Verzicht aufs eigene Auto lohnt sich einer Studie von PwC[1] zufolge insbesondere in Großstädten, allen voran in München, Stuttgart und Hamburg. Dort ist das Angebot bereits gut ausgebaut.

In Münster, Duisburg und Gelsenkirchen hingegen besteht Nachholbedarf seitens der CarSharing-Unternehmen. Die Verbraucher kennen dieses Problem und kaufen deshalb weiterhin fleißig Fahrzeuge, wie der Neuzulassungsbarometer im Mai 2017 des Kraftfahrt-Bundesamtes bestätigt. Gegenüber dem Vorjahr wurden 12,9 mehr Fahrzeuge zugelassen, insbesondere Modelle aus Rumänien, Italien und den USA. Diese Daten können Zulassungsservices wie die Christoph Kroschke GmbH bestätigen. Viele Kunden wollen einen Zulassungsservice nutzen und sich die nervenzerreibende Arbeit rund um die Pkw-Zulassung ersparen.

Auch ein Blick auf die Verfügbarkeitskarte des Bundesverbands CarSharing zeigt das ernüchternde Angebot auf dem Land. Besonders gering ist das Angebot in den neuen Bundesländern. Diese Entwicklung ist nicht ungewöhnlich und erinnert ein wenig an den Ausbau des Internets. Auch hier profitieren Stadtmenschen von schnelleren Leitungen, weil die Nachfrage schlichtweg größer und die Kosten für Internet-Service-Provider geringer sind.

Apropos Internet: Eine weitere Herausforderung beim Ausbau von CarSharing-Angeboten auf dem Land ist auch die Internetabdeckung, wie dieses Beispiel zeigt. In der Gemeinde Breitnau im Schwarzwald wurde ein CarSharing-Projekt entwickelt, welches aufgrund von Funklöchern nicht richtig funktioniert. Selbst wenn alle Konditionen erfüllt sind, bleibt ein Problem übrig: Rentabel ist ein E-Auto erst, wenn es 20 bis 30 potenzielle Nutzer erreicht.

Dennoch versuchen immer mehr Gemeinden, CarSharing-Angebote zu offerieren. Laut dem Bundesverband CarSharing haben 384 von 512 deutschen Städten weniger als 50.000 Einwohner. Wichtig sind dort sogenannte Freefloating-Angebote. Die Autos müssen dann nicht an vorgesehenen Orten abgestellt werden.


Besserer Datenschutz bei CarSharing

Das Potenzial von CarSharing kommt Unternehmen wie BMW und Daimler zugute. Sie müssen sich aber auch Gedanken um bis dato nicht da gewesene Probleme machen. Der ADAC hat aufgedeckt, dass beide Firmen Schwachstellen beim Datenschutz haben.

Die Fahrzeuge sammeln mehr Daten als je zuvor, die die Hersteller speichern. Über einen mehrmonatigen Zeitraum untersuchte der ADAC verschiedene Fahrzeugtypen, unter anderem BMW i3 und 320d sowie eine Mercedes-B-Klasse. Das Ergebnis: Mithilfe der gesammelten Daten können Fahrzeugbauer nicht nur den technischen Stand des Automobils bewerten, sondern haben auch ein Nutzungsprofil des Fahrers zur Hand:

  • beim Abschließen des Fahrzeugs werden über das Navi Standortdaten übertragen
  • beim Anschluss des Smartphones können persönliche Daten übertragen werden (Name, Telefonnummer, etc.)
  • der Fehlerspeicher kann das Fahrverhalten des Autofahrers dokumentieren

Daimler hat auf die Untersuchung reagiert und das Projekt Privacy by Design gestartet. Ingenieure sollen fortan mit ihren Kollegen aus der Abteilung Recht und Datenschutz zusammenarbeiten. Bei BMW wird derweilen an dem Dienst CarData gewerkelt. Dieser soll erhobene Daten verschlüsseln und über eine SIM-Karte an die Server des Konzerns sicher übertragen.

Es bleibt abzuwarten, wie sich das CarSharing in Deutschland entwickelt und ob mehr Autobauer zusammenarbeiten, um gegen Konkurrenten aus anderen Ländern anzukommen.

1. Digital mobil in deutschen Städten: Hamburg, Stuttgart und Berlin liegen vorn

 

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© Schwäbische Post 30.06.2017 08:32
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