Leserbeiträge

Gmünd = Einkaufsstadt

Es ist sicher nicht von Nachteil, den Namen „Schwäbisch Gmünd“ durch Veranstaltungen und Events bekannt zu machen, aber ob das zielführend ist, damit kaufkräftige Kundschaft zu den vielen Franchise- und Kettenläden zu ziehen, die es andernorts genau so, mit genau dem gleichen Angebot und den gleichen Preisen gibt, wage ich dann doch zu bezweifeln.
Die eigentümergeführten Geschäfte mit ihrer individuellen Beratung heben sich wohltuend von „steht nicht auf der Liste“ oder „wurde ausgelistet“ in den Ketten ab, wenn man mal einen besonderen Wunsch äußert, auch selbst dann, wenn der Eigentümer beklagen muss, dass der Großhandel wegen geringen Umsatzes nicht liefern will. Dazu hört man im Gespräch auch von den Schwierigkeiten für diese eigentümergeführten Geschäfte, wie hohe Mietforderungen in Anbetracht der vorhandenen Kaufkraft bzw. der Kaufwilligkeit und Bürokratie.
Dazu gehört aber auch das Wissen, was es überhaupt in Gmünd zu kaufen gibt – und vor allem, wo. Bei den Ketten- und Franchiseläden ist das kein Problem, die sitzen fast alle irgendwie in der Mitte und haben das, was sie haben – oder eben nichts.
Wie wäre es mit einem Einkaufsführer vom HGV für Gmünd mit besonderer Hervorhebung der Spezialitäten der eigentümergeführten Geschäfte, wo man sie findet und wie weit weg ( Meter Fußweg ) die von der nächsten Parkmöglichkeit entfernt sind?
Aber Parkplätze, ÖPNV, Fahrradwege, Außenbewirtschaftungen, Events, Kinderrutschen, Veranstaltungen sind aber nur Bausteine einer ‚Einkaufsstadt‘, die zentrale Frage aus meiner Sicht ist:
Welchen Grund haben die Kunden, speziell nach Gmünd zum Einkaufen zu kommen? Es ist doch nicht das, was er auch anderorts kriegen kann, es ist einmal die Annehmlichkeit des Einkaufs, zweitens eine verlockende Angebotspalette, drittens ein bisschen Verwöhnen und Verweilen ( wer aber nur im Cafe sitzt, verzehrt, kauft aber nix ), deshalb die Frage: Was kann Gmünd, was kann der HGV dazu beitragen?
Die Ursache für den Mangel liegt vermutlich in der relativ geringen Größe von Gmünd ( Kern ), dem Einzugsgebiet und der gleichgroßen Konkurrenz in der weiteren Umgebung ( GP, AA ), es fehlt einfach an genügender kritischer Masse an Kunden, die auch mal bereit sind, für bessere Qualität mehr zu zahlen und der allgemeinen Tendenz zu „das geht in Gmünd nicht, das ist nicht billig genug“. Aus geografischen Gründen haben sich hier in der Region eine Reihe von beschaulichen Landstädten mit fleißigen Bürgern entwickelt, je nach lokalen Gegebenheiten mit unterschiedlicher Ausrichtung in Industrie, Handel oder Verwaltung, umgeben von ertragreichen Dörfern, ein Zentrum mit genügend Kaufwilligen auch für Besonderheiten mit vielleicht ( heute ) 100.000 - 120.000 Einwohnern konnte nicht entstehen.
Vor Jahren habe ich mal einen alten Bauernspruch gehört, ich hätte damals vor Lachen beinahe unterm Tisch gelegen:
„Wer nichts erheiratet oder ererbt, der bleibt ein arm’s Luder, bis dass er sterbt.“
Heute denke ich, dass das womöglich nicht nur für Bauern gilt.

© In my humble opinion 07.02.2018 19:18
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