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Grasen bald Ziegen und Schafe über Heubach? ( P-GT vom 26. Februar 2018, Seite 17 )

>Die Wachholderheide oberhalb Heubachs soll erhalten bleiben.<

Bisher war mein Verständnis von Biologie derart, dass die Natur sich sehr wohl auch ohne Eingriffe des Menschen selber zu helfen weiß - man nennt das Evolution - und es wächst je nach Klima das, was sich in den Jahrhunderttausenden an das lokale Klima angepasst hat.

Erst durch die Eingriffe des Menschen nach dem Zeitalter der Jäger und Sammler, durch Wanderhirten und Ackerbauern, entstand das, was wir heute 'Kulturlandschaft' nennen. Und weil die Kultur der Ackerbauern und Hirten nun auch schon hierzulande länger als 5.000 Jahre die Landschaft und und die Flora und Fauna an ihre Bedürfnisse 'anpasst', haben wir Heutigen kaum noch ein Gefühl dafür, was 'Natur', was 'Kultur' ist. Wie dem auch sei, wenn eine Wachholderheide verbuscht, zeigt das nur, dass sie im hiesigen Klima nicht ursprünglich ist, sondern eine Folge der Kultur durch Hirten und deren Herden.

Wenn wir diese Kulturlandschaft erhalten wollen, ist es nur logisch, die mittlerweile aus der Mode gekommene Tradition wieder aufzunehmen und Schafe und Ziegen das Werk tun zu lassen.

Wenn wir der Meinung sind, der Natur freien Lauf lassen zu müssen, sollten wir einfach nichts tun und 100 Jahre warten, dann wächst dort, was hier 'natürlich' wächst.

Was aber auffällt und in heutiger Zeit immer mehr um sich greift ist, kaum dass jemand einen Vorschlag macht, sich ein Gruppe, eine Gruppierung, ein Grüppchen mit den eigenen Partikularinteressen zu Wort meldet und 'ernste Bedenken' vorträgt, warum gerade dieser Vorschlag in gewisser Weise direkt in den Abgrund führen werde.

Die Argumente 'mehr Wildunfälle', 'Behinderung der waidgerechten Bejagung' und 'Erschrecken der Rehlein' zielen auf den Bauch und nicht auf den Verstand.

Ich habe meinen Respekt vor solchen Argumenten verloren. als mir vor vielen Jahren ein Jägersmann sagte, dass er absolut gegen den Bau einer Ortsumfahrung plädiere, weil diese die Rehe im Revier ... nun, irgendwas 'Schädliches' war der Tenor.

Ich habe ihn dann gefragt, wie er es mit dem Menschenschutz halte, wer eine längere Lebensdauer habe, Mensch oder Reh, wer also unter der je nach Entscheidung zukünftigen Situation mehr zu leiden habe ...

Dabei - um es klar zu stellen - betrachte ich diese Heubacher Diskussion nur als Beispiel einer zunehmend um sich greifenden 'Kultur der Eigeninteressen'.

 

© In my humble opinion 27.02.2018 02:15
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