Lesermeinung

Zum Artikel „Wenn der Rolli nicht in den Bus passt“ vom 28. Februar:

Seit vielen Jahren befasse ich mich mit der Barrierefreiheit und dem öffentlichen Nahverkehr. Warum überrascht mich dieser Artikel nicht? Ist es nicht beschämend, dass in der heutigen Zeit so etwas geschieht? (...)

Seit 2005 müssen neu zum öffentlichen Straßenverkehr zugelassene Stadtlinienbusse mit einem barrierefreien Zugang und einem Rollstuhlstellplatz ausgestattet sein. (...) Im Ostalbkreis ist es leider so, dass nahezu alle Linienbusse ohne Rückhaltesystem ausgestattet sind. Dazu gehört aber auch, dass ein neuer Bus mit bis zu 70 000 Euro vom Land bezuschusst wird. Und zwar jeder neue Bus. Bei einer Haltedauer von 8 - 10 Jahren sollten also in der Zwischenzeit alle Linienbusse mit Rampe ausgerüstet sein. Leider werden nach wie vor noch Reisebusse im Linienverkehr eingesetzt, da diese dadurch ja auch von der Kfz-Steuer befreit werden. (...)
Die Verkehrsbetriebe nehmen zwischen 80 und 90% des Umsatzes durch den Schülerverkehr ein. Und das über Jahre hinweg zugesichert. Dadurch entsteht ein Monopolismus, der sich auch in anderen Dingen widerspiegelt. Im Jahr 2014 wurde der Nahverkehrsplan verabschiedet und in Kraft gesetzt. Bis heute ist er nicht voll umgesetzt. Ich denke dabei an die Linienbündel, an bestimmte Strecken, welche nur noch mit Bussen mit Rampe bedient werden sollten oder die Kennzeichnung von Fahrplänen auf den Stecken, die mit Bussen mit Rampe bedient werden. Die Landkreisverwaltung ist zwar Auftraggeber, aber tritt nicht als solcher auf. Die Verkehrsbetriebe lehnen diese Festschreibung einfach ab. Nur möglich, wenn man ein Monopol hat.

Dann kann man sich die Frage stellen warum nicht kundenfreundlicher umgegangen wird?

In anderen Bereichen der Bundesrepublik ist man schon viel weiter. Dort hat man in der Zwischenzeit darüber nachgedacht, wie man zum Beispiel einen sogenannten Scooter im Bus transportieren kann. Es gibt sogar schon eine Lösung. Bei uns soll ich zwei Tage vorher anrufen ob vielleicht ein entsprechender Bus zur Verfügung steht. Bei der Deutschen Bahn sind es immerhin 5 Tage. Bei uns wird ein Rollstuhlfahrer bei Nacht vom ÖPNV ausgeschlossen.

© Schwäbische Post 02.03.2018 19:39
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