Lesermeinung

Zum Leserbrief „Wolf ist ein großes Raubtier“ vom 8. Februar:

Lieber Herr Klingenstein, wie Sie zu Ihren Annahmen kommen, ist nicht nachvollziehbar. Märchen wie „Rotkäppchen und der böse Wolf“ von den Gebrüdern Grimm (ursprünglich von Charles Perrault aus dem Jahr 1695) gehören in das Reich der Phantasie und haben, neben anderen erfundenen Geschichten, auch mit dazu beigetragen, heimische Wildtiere bzw. Beutegreifer wie Wildkatze, Luchs und Wolf vollständig auszurotten.

Fakt ist: Der Wolf ist ein Raubtier, das sich überwiegend von Fleisch ernährt. Dennoch ist er keine Gefahr für den Menschen, so wie man auch Wildschweine im Wald oder Hunde nicht als generelle Gefahr für den Menschen betrachtet.

Wölfe sind scheu. Nur selten treffen Menschen und frei lebende Wölfe aufeinander. Zwischen 1950 und 2000 wurden in Europa neun Menschen von frei lebenden Wölfen getötet, bei derzeit rund 18 000 Wölfen und 750 Millionen Menschen in Europa. Bei über der Hälfte dieser Fälle waren die Wölfe an Tollwut erkrankt, einer Krankheit, die in Deutschland seit 2008 nicht mehr aufgetreten ist. Solange Hunde angeleint sind oder dicht beim Menschen, ist auch für sie die Gefahr einer Auseinandersetzung mit einem Wolf gering.

EU- und nationales Recht stellt den Wolf, wie auch andere gefährdete Tierarten, unter strengen Artenschutz. Der Wolf ist zudem für ein funktionierendes Ökosystem wichtig: Nur mit Beutegreifern wie dem Wolf können menschliche Eingriffe in Wildnisgebiete, wie die Regulation von Rehen, Rothirschen und Wildschweinen, halbwilden Pferden und Rindern, dauerhaft minimiert werden. Lebensraum und Nahrung (Rehe und Wildschweine) gibt es für den Wolf in unserem Bundesland genug (Auszug aus Stellungnahme BUND-Landesverband).

Gerade in Zeiten der drohenden afrikanischen Schweinepest und einem deutlich überhöhten Rehwildbestand (Gefahr für die Naturverjüngung und nachhaltige Forstwirtschaft durch hohen Verbiss) kann der Wolf, wie auch der Luchs, dazu beitragen, Schäden zu minimieren. Es wäre begrüßenswert, die Diskussion um die Rückkehr der Beutegreifer zu versachlichen.

© Schwäbische Post 11.02.2018 19:11
285 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.