Lesermeinung

Zur aktuellen Diskussion über die Qualität im Rettungsdienst:

„In der derzeitigen Diskussion über die Qualität im Rettungsdienst werden die Ursachen des Personalmangels leider nicht angemessen eingebracht. Neben den strukturellen Mängeln wie fehlende Rettungswachen, die Organisation von Rettungsleitstellen und die Selbstkontrolle durch die Bereichsausschüsse werden die Defizite bei den Hilfsfristen derzeit aber vor allem durch nicht besetzte Rettungsschichten verursacht.

Hier fehlt es in der gesamten Republik einfach am Personal. Dies, nur auf die derzeit durch die neue Notfallsanitäterausbildung fehlenden Berufsanfänger zu schieben, ist zu kurzsichtig. Den Mangel gab es schon vor der neuen Ausbildung, und der wird auch durch diese nicht behoben werden. Der Grund sind einfach die miserablen Arbeitsbedingungen wegen denen so viele Kollegen und Kolleginnen ihren, im Grunde tollen Job, hinschmeißen. Bei einer Wochenarbeitszeit von 45 Stunden, davon 6,5, als Arbeitsbereitschaft unbezahlt, und ein, im Vergleich zur Industrie, unterdurchschnittlicher Grundlohn oder den Erschwerniszulagen wie sagenhafte 1,50 Euro pro Stunde Nachtschichtzulage, fragen sich natürlich viele Rettungsdienstbeschäftigte, wie lange kann ich mir das finanziell und gesundheitlich leisten.

Im März stehen beim DRK wieder Tarifverhandlungen an. Es wird sich zeigen, ob die Arbeitgeber oder die refinanzierenden Krankenkassen bereit sind, endlich entscheidende Verbesserungen einzuläuten. Die Minimalschritte der Tarifrunde 2016 waren jedenfalls, was die Mitarbeitererhaltung- und Gewinnung angeht, wirkungslos. Das DRK und der gleichzeitig verhandelnde öffentliche Dienst könnten sich mit einem überdurchschnittlichen Tarifabschluss aber auch bei der Personalnot in der Pflege etwas Luft verschaffen. Die Politik hat den Bedarf im Wahlkampf und den Koalitionsverhandlungen reichlich bestätigt. Jetzt gilt es umzusetzen und den Weg für die Finanzierung frei zu machen.“

© Schwäbische Post 07.02.2018 16:59
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