Lesermeinung

Zum Artikel „Streifzug durch Religionen und Kultur“ in der GT am 5. Dezember:

„Schwer erträglich sind die Präsentation des Interkulturellen Jahresplaners 2018 und das damit verbundene Lob. Welches Konzept von ‘Vielfalt’, welches von ‘Kultur’ und von ‘Inter-Kulturalität’ liegt den Machern dieses Kalenders zugrunde? Weder die Bilder bezeugen Vielfalt, noch werden etwa die äußerst gut besuchten Veranstaltungen zu Gmünds Partnerstädten wie der jährliche Aperitif im Antiber Garten am 14. Juli erwähnt. Oder ein Foto der roten Phone-Box wiedergegeben, welche in turbulenten politischen Zeiten unsere tiefe Verbundenheit mit den Briten versinnbildlicht, zur Zeit restauriert wird und, gefüllt mit Literatur in verschiedenen Sprachen, im Remspark zu interkulturellem Verweilen und kultureller Erfahrung im Kopf laden wird. Überhaupt, warum erliegen die Macher wieder der Falle, „Kultur“ in solchem Maß über Religionszugehörigkeit zu definieren? Hatten wir solch unselige Entwicklungen, die zunehmend die Heimatländer vieler Gmünder mit Migrationshintergrund plagen, hier nicht als überwunden geglaubt? Schließlich: Wo bleibt in der „Gmünder Vielfalt“, welche zu erfahren dieser Kalender laden sollte, Europa? Europa, welches den Rahmen bildet, der die gelobte Vielfalt erst möglich macht. Stünden dem Kalender, der auch in den Schulen aushängen sollte (und damit als normativ betrachtet werden darf), dann nicht auch wenigstens die beiden Europatage am 5. Mai (Gründung des Europarates) und 9. Mai (Schuman-Erklärung) sowie der Europäische Tag der Sprachen am 26. September gut? Und da das europäische und das Gmünder Erbe neben christlichen auch auf jüdischen Wurzeln fußen, hätte ich die jüdischen Feiertage nicht als drittletzte gereiht.“

© Schwäbische Post 06.12.2017 21:45
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