Lesermeinung

Zur Regierungsbildung:

Auf der Fahrt nach Jamaika ist Frau Merkel vom Floß gefallen und kämpft jetzt ums Überleben.

Dabei haben ausgerechnet die Wirtschaftspartei FDP und ihr Vorsitzender Lindner mit einer fadenscheinigen Begründung, lieber gar nicht regieren, als falsch regieren, den Bruch der Jamaika-Verhandlungen zu verantworten. Nun sendet die Kanzlerin an die SPD Friedenszeichen, um ihren Machtplan in einer großen Koalition für weitere vier Jahre zu festigen. Und als geschäftsführende Kanzlerin mahnte sie bereits im Vorfeld möglicher Sondierungsgespräche an, man wolle einen vertrauen- und respektvollen Umgangston einbringen. Das müssen einige Christdemokraten wohl nicht gehört haben.

Denn Horst Seehofer pöbelte jüngst gegen Martin Schulz wegen dessen Gedanken zur Stärkung Europas und nannte ihn einen Europaradikalen. Und Merkels CDU-Vize Julia Klöckner nannte die SPD-Forderung nach einer Bürgerversicherung Klassenkommunismus.

Da kann man nur sagen, mit solchen Kneipenschlägersprüchen und Fanfarenstößen schafft man jedenfalls kein begeistertes Vertrauen auf der SPD-Seite. Dabei gibt es in der Tat viel zu tun.

Als Bürger hat man immer mehr den Eindruck, dass die handelnden Politiker den notwendigen Zukunftsentwicklungen eher hinterhertrottent, als sie voranzutreiben. Dabei sollte Deutschland doch Pionier in der Digitalisierung sein und eine Bildungsrepublik anstreben, damit Kinder bestmöglichst ausgebildet werden. Und auf der Skala der Lebenszufriedenheit sollte ganz oben die Sicherung der Renten, die Beseitigung der sozialen Schieflage im Pflegebereich, und die Politik muss und sollte sich stärker als bisher um bezahlbaren Wohnraum kümmern. Vielleicht sollte man noch den Winterschlussverkauf abwarten und danach in erste Verhandlungen eintreten.

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© Schwäbische Post 19.12.2017 18:41
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