Aufs richtige Brummen kommt es an

Natur Rund um die Imkerpavillons auf dem ehemaligen Gartenschaugelände in Schwäbisch Gmünd stehen die Bienen im Mittelpunkt. Großes Interesse an Kursen.
  • Fotos: kust
  • Frank Stühle (links) und Wolfgang Dahlke geben einen Einblick ins Bienenleben.
  • Der neue Lehrraum in den
    Imkerpavillons.
  • Die Schaukästen in den
    Imkerpavillons.

Zu groß geratene Bienenkästen? Die Imkerpavillons im Himmelsgarten, einem Teil des Landesgartenschau-Geländes in Schwäbisch Gmünd, sehen wirklich aus wie Bienenkästen. In Wirklichkeit ist dort ein Bienen-Informationszentrum. Die echten Bienenkästen stehen auf der Südseite der Gebäude.

An diesem Tag kümmern sich Wolfgang Dahlke, Vorsitzender des Bezirksbienenzüchtervereins und Frank Stühle, Kursleiter im Verein, um die Völker. Es sind wohl friedliche Völker. Die Imker tragen keine Schleier, keine Handschuhe, auch wenn sich im offenen Stock und in der Umgebung tausende Bienen tummeln. Die Bienenvölker am Imkerpavillon sind ihnen vertraut.

Die Erfahrung sagt ihnen, wann es ratsam ist, Schutzkleidung anzulegen: „Wir hören das am Brummen“, sagt Dahlke. „Friedliches“ Brummen unterscheide sich deutlich von „aufgeregtem“ Brummen. Sind die Bienen erst mal aufgeregt, hilft der Smoker – damit blasen die Imker etwas Rauch in den Bienenstock und lenken so die Tiere ab. Kein Problem an diesem Frühsommertag, an dem eine Kindergartengruppe im Imkerpavillon vorbeischaut. Frank Stühle ist Lehrer und weiß, wie man das Interesse der Kinder weckt. Dabei kommen ihm die Schaukästen zugute, die zur Landesgartenschau im Imkerpavillon installiert wurden.

Farbliche Honigunterschiede

In Schaugläsern sind ganz verschiedenen Honigsorten, die sich farblich deutlich unterscheiden. Abhängig ist das vom Standort der Bienenvölker und dem Blütenangebot. Waldhonig ist deshalb deutlich dunkler als etwa Rapshonig. Die Kinder können nun frischen Honig mit dem in den Glasröhrchen vergleichen und die Sorte herausfinden. Stühle zeigt ihnen auch eine echte Königin. Sie ist mit einem kleinen Volk im Schau-Bienenkasten zuhause. Öffnet man die Holzklappe, ist der Blick frei auf Volk und Königin. Weil sie trotz ihrer Größe nicht leicht zu finden wäre, trägt sie einen winzigen Farbpunkt auf dem Rücken. Besucher dürfen auch einen Blick auf die echten Bienenvölker werfen. Vielleicht mit einem Respektabstand.

Ein ausgewachsenes Bienenvolk lebt gewöhnlich in drei Stockwerken. Zwei Kisten sind der Brut vorbehalten, eine Kiste ist für den Honig. 30 000 bis 40 000 Tiere zählen zu einem Volk. Die Zahl schwankt. Im Winter, sagt Wolfgang Dahlke, leben vielleicht 10 000 Bienen im Stock, im Frühjahr wächst die Zahl und erreicht im Mai und Juni ihren Höhepunkt. Deshalb sei auch der starke Temperaturanstieg im April nicht ganz unproblematisch gewesen, so Stühle.

Zuwenig Bienen im April

Im zu kalten März hätten die Königinnen die Eiablage verlangsamt. Im April, als plötzlich die ganze Blütenpracht da war, gab es noch nicht so viele Bienen wie nötig. Die Apfelblüte etwa zieht sich sonst bis weit in den Mai. Nahrung finden die Bienen dennoch auch jetzt genügend. Zwar gebe es heute weniger Blühflächen, weil die Wiesen früher und öfter gemäht werden, so Dahlke. „Dafür finden Bienen heute in Städten und Gemeinden mehr Blüten.“ Es gebe deutlich mehr öffentliche Parks mit vielen Blumen und in den privaten Gärten legten die Menschen Wert darauf, dass den ganzen Sommer etwas blüht. Zum Vorteil für die Bienen.

Das Thema Bienensterben sieht Frank Stühle nicht ganz so dramatisch, wie es in der Öffentlichkeit häufig diskutiert werde. „Die meisten Bienen gehen ein, weil sie nicht richtig behandelt werden“, sagt er. Da ist vor allem die Varroamilbe, die regelmäßig bekämpft werden muss.

Wir hören das am Brummen.

Wolfgang Dahlke
Vorsitzender

Wenn die Samen in der Erde sind

Aufregung gab es in den vergangenen Jahren um die Mais-Samenkörner, die mit Pflanzenschutzmittel überzogen sind. Ein Wirkstoff aus der Gruppe der Neonicotinoide soll die Pflanzen vor Schädlingen schützen. Sind die Samen aber erst einmal unter der Erde, lauert nach Einschätzung der Imker keine wirkliche Gefahr mehr. „Wir wollen der Landwirtschaft deshalb auch keine Vorwürfe machen“, sagen Stühle und Dahlke. Es habe Vorfälle gegeben, bei denen die Samen nicht tief genug in die Erde eingebracht wurden oder bei denen das Pflanzenschutzmittel nicht genug auf dem Samen haftete und in die Natur gelangte.

Wichtig fürs Überleben der Bienenvölker ist auch die richtige Ernährung im Winter. „Der Honig in den Brutkästen, es können schon 10 bis 15 Kilogramm sein, wird nicht angetastet“, sagt Dahlke. Zusätzlich kommt ein süßer Sirup in die Kästen.

Mehr als 1000 Bienenvölker

Unterm Strich ist die Zahl der Bienenvölker in den vergangenen Jahren hier sogar gewachsen. Die rund 230 Mitglieder im Bezirksbienenzüchterverein haben weit über 1000 Bienenvölker. Das war nicht immer so. „Das Interesse an Bienen ist gewachsen“, sagt Frank Stühle, der seit Jahren einen wahren Ansturm auf seine Bienenzüchterkurse erlebt. In der Regel strebten die privaten Imker nach einem oder zwei Bienenvölkern. Bei Frank Stühles Einstieg vor 15 Jahren war das anders. „Ich war plötzlich mit zehn Völkern konfrontiert“, sagt er.

Die ganze Geschichte: Der Vater eines Nachbarn hatte mit 92 Jahren die Imkerei an den Nagel gehängt und die Familie Stühle gebeten, die Bienenvölker zu übernehmen. „Wir haben das gewagt, mit wenig Vorkenntnissen.“ Kurse gab es zu der Zeit in Schwäbisch Gmünd nicht. „Aber ich habe rasch erkannt, dass es ohne professionelle Anleitung nicht geht.“

Bei Wolfgang Dahlke war es vor sieben Jahren die Ehefrau. Sie ist Kräuterpädagogin. „Nachdem wir eine Streuobstwiese gepachtet hatten, bot es sich an, dort Bienen zu halten. Also ließ er sich zum Imker ausbilden. Zunächst hatte er sechs Bienenvölker, heute sind es zwölf an zwei Standorten.

Die nächsten Infotage

Die engagierten Imker sind nicht nur mit ihren eigenen Völkern beschäftigt. Das Imkerpavillon im Himmelsgarten ist für sie eine weitere wichtige Aufgabe.

Dort wird auch mal selbst Hand angelegt. Nach der Landesgartenschau durfte der Verein die drei noch getrennten Pavillons mit Glasflächen verbinden. Frank Stühle: „So konnten wir im Erdgeschoss einen großen Schulungsraum einrichten.“ Der wird seither intensiv genutzt.

Das Obergeschoss könnte noch besser angebunden werden. „Bis jetzt haben wir noch keine Treppe, müssen mit der Leiter nach oben“, betont Wolfgang Dahlke. Das sei auch eine finanzielle Frage. Auf längere Sicht soll die Treppe aber noch kommen.

Unabhängig davon öffnet der Bezirksbienenzüchterverein die Pavillons regelmäßig für die Öffentlichkeit. Viele Interessierte warten schon auf die monatlichen Infotage.

Der nächste ist am 27. Mai von 11 bis 17 Uhr und am 3. Juni von 11 bis 17 Uhr.

Die Besucher können sich informieren, regionalen Honig kaufen und auch einen Blick in die Räume und auf die Bienenstöcke werfen. kust

Lernen im Grünen Klassenzimmer

Der Bezirksbienenzüchterverein unterstützt auch die Initiative „Das Grüne Klassenzimmer“. Gemeinsam mit der Wissenswerkstatt Eule in Schwäbisch Gmünd ist direkter Kontakt mit der Natur das Thema. Der Unterricht findet zu einem großen Teil im Freien statt. Hier können Themen rund um die Natur bearbeitet werden, die im Klassenzimmer in dieser Form so nicht zu realisieren sind.

Thema hier ist: „Fleißig wie die Bienen - Wie kommt der Honig ins Glas?“ Es ist ein Angebot für die Klassen 1 bis 6. Den leckeren Honig auf dem Brötchen kennt jedes Kind, aber wie kommt der goldgelbe Honig eigentlich in das Glas? Wie oft muss eine Biene ausfliegen, um ein Glas Honig zu sammeln? Wie viele Bienen leben in einem Bienenstaat? Und wie muss ich mich verhalten, um nicht gestochen zu werden? Diese und andere Fragen beantworten erfahrene „Bienenspezialisten“ des Bezirksimkervereins.

Referenten sind Spezialisten des Bezirksbienenzüchtervereins Schwäbisch Gmünd e.V. Termine: Bis zum 14. Oktober immer dienstags von 9.30 bis 11 Uhr.
Anmeldungen unter gruenes-klassenzimmer@gmuendereule.de kust

© Schwäbische Post 11.05.2018 13:45
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