Ein ganz besonderer Platz für den Adel

Tannhausen In der Gemeinde lebt seit dem 12. Jahrhundert das Adelsgeschlecht der von und zu Thannhausens. Die Familienhistorie lässt sich heute noch an manchen Gebäuden nachvollziehen.
  • Foto: Christian Frumolt
  • Am Ortseingang von Tannhausen versteckt sich der Adelssitz, das „Schlössle“, zwischen viel gepflegtem Grün. Foto: Christian Frumolt

Im Jahr 1145 wurde das Adelsgeschlecht der von und zu Thannhausens erstmals mit Sigiboto de Tanehusen in Zusammenhang mit dem ehemaligen Straßburger Bischof Bruno urkundlich erwähnt. Seitdem lebt die Familie ununterbrochen in ihrem Stammsitz aus dem 18. Jahrhundert am Rande des Ries.

Das Geschlecht der von und zu Thannhausens prägte die Gemeinde Tannhausen stark. Bis 1806 hatte man die Herrschaft über den kleinen Ort, stellte die niedere Gerichtsbarkeit und setzte den Schultheis (Bürgermeister) ein. Erst im Jahr 1903 wandelte sich der Ortsname von „Thannhausen“ zu „Tannhausen“ im Rahmen der Rechtschreibreform. In der Pfarrkirche St. Lukas findet sich noch das Familienwappen. Allerdings wurde der Zugang zum eigenen Chorraum in den 1970er Jahren verschlossen.

Es herrschte stets eine sehr gute Verbindung zwischen Adel und Gemeinde. Der aktuelle Schlossherr Michael Freiherr von und zu Thannhausen – geboren 1944 – war jahrelang stellvertretender Bürgermeister und Kreistagsmitglied. Dazu kommen zahlreiche Ehrenämter in diversen Vereinen, die ihm sehr wichtig sind. 1991 zog der Oberstleutnant a. D. mit seiner Frau Christa in das „Schlössle“.

Große Renovierung

Sie bauten das circa 200 Quadratmeter große Erdgeschoss, die ehemalige Sommerwohnung der Großmutter, für ihre Zwecke um, erneuerten Heizung und Bäder. Einige Jahre später folgte das Dach. Im oberen Stockwerk liegt zudem die „Belle Etage“. Wunderschöne alte Möbel und Gemälde der Vorfahren zieren die Räume. Sie werden nur noch für Familientreffen oder besondere Anlässe genutzt. Den Treppenaufstieg säumen unzählige Geweihe von Hirschen und Böcken. „Alle selbst geschossen. Die vom Vater habe ich schon heruntergenommen, nur ganz besondere Stücke hängen noch“, erzählt der Schlossherr.

Allerhand Vielfältigkeit

Als Mitglieder der Ritterschaft des Schwäbischen Reichskreises gehörten die Freiherren zum Kanton Kocher.

Michael Freiherr von und zu Thannhausen

Wie jedes alte Gebäude verschlingt das „Schlössle“ viel Geld für die Erhaltung. Die Geweihe an den Wänden weisen auf eine Einnahmequelle der von und zu Thannhausens hin: die Forstwirtschaft. Aber auch Landwirtschaft und Fischerei sowie früher der Militärdienst unter den Grafen von Oettingen-Wallerstein und dem König zu Württemberg gehören dazu. Der Großvater war noch Kammerherr des Königs, allerdings als Ehrentätigkeit.

Bewegte Zeiten

Die Freiherren besaßen sehr umfangreichen Besitz in den umliegenden Dörfern. Doch geschichtliche und politische Umstände sowie Erbauseinandersetzungen minimierten den Bestand auf ungefähr ein Zehntel. Bis in das 19. Jahrhundert befand man sich in der Lehensabhängigkeit der Grafen von Oettingen. Ein Lehensbrief von 1802 vermerkt neun Höfe in Tannhausen und einen im heute bayerischen Rühlingstetten.

Allerdings hatte man als Besonderheit eine reichsunmittelbare Stellung – die Familie war nur dem Kaiser untertan. Ururgroßvater Ignaz passte diese Umstrukturierung überhaupt nicht und er wollte beim Alten bleiben. „Es kamen ein Unteroffizier und zwei Soldaten aus Ellwangen, quartierten sich im hiesigen Gasthaus ein und drohten mit Gefängnis. Dann gab Ignaz doch nach“, lächelt der Freiherr über den Revoluzzer in seiner Familie.

Der Besitz wird weiterhin in der Familie bleiben. Die Erbfolge ist seit einigen Jahren klar geregelt, dadurch gibt es keine weitere Zerteilung. Zwar haben Adelige heute nicht mehr die Aufgaben und Verpflichtungen wie früher. Dennoch sind sich die Erben ihrer Stellung bewusst und tragen die Tradition weiter.

© Schwäbische Post 01.06.2018 12:00
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