Großmutters Küchenkräutlein

Aromapflanzen Robuste Gewächse wie Schnittlauch und Petersilie gehören in jeden Küchengarten. Sie brauchen wenig Pflege und liefern viel Geschmack.
  • Drei Klassiker in Omas Kräutergarten: Optisch reizvoll blühender Schnittlauch (links) und Dill (oben) sowie das Bohnenkraut. Fotos: Helga Schneller

Wenn Oma Pfannkuchensuppe kochte, war einer stets mit von der Partie: frischer Schnittlauch. Mit dem Küchenmesser in feinste Röllchen geschnitten, verliehen die grünen Halme der Suppe erst die richtige Würze. Schnittlauch zählt zu den Küchenkräutern, die einfach immer und überall passen. Zu Zeiten der Großeltern war das Kräuterbeet übersichtlich: Schnittlauch, Petersilie und Liebstöckel wuchsen nahe der Küche, vielleicht noch Dill und Bohnenkraut. Eine Handvoll Kräuterpflanzen reichte aus, um alle Speisen zu würzen.

Auch heute noch sind die Klassiker von anno dazumal in der Küche unverzichtbar, allen voran Schnittlauch und Petersilie als typische Frühjahrskräuter. Aus seinem unterirdischen Horst treibt der mehrjährige und winterharte Schnittlauch (Allium schoenoprasum) schon früh im Jahr neu aus. Da der Lauchverwandte gerne Tochterzwiebeln bildet, können Schnittlauchstöcke von Jahr zu Jahr mächtiger werden. Schnittlauch gedeiht sowohl im Kräuterbeet als auch im Topf oder Balkonkasten. Die Erde soll nahrhaft und feucht, der Platz sonnig bis halbschattig sein.

Ernten lässt sich Schnittlauch die ganze Saison hindurch. Die Halme werden bodennah geschnitten, so dass die Pflanze neu nachtreibt. Schnittlauch lässt sich gut einfrieren, beim Trocknen verflüchtigt sich ein Großteil des Aromas. Auch die schönen lila Sternchenblüten, die in Büscheln zusammensitzen, sind essbar und schmecken lecker zwiebelartig. Ausgezupft aufs Butterbrot oder über Salate gestreut, sorgen sie fürs optische I-Tüpfelchen. Den Bienen und Hummeln zuliebe sollten aber immer ein paar Schnittlauchblüten stehen bleiben.

Gut für die Gesundheit

Auch die Petersilie (Petroselinum crispum) macht sich beim Würzen unentbehrlich, denn ihre dunkelgrünen Blättchen passen zu beinahe allen Gerichten. Ob krause oder glatte Petersilie das größere Aroma besitzt, darüber lässt sich streiten. Fest steht, dass Petersilie mit hohem Vitamin C-Gehalt, reichlich ätherischen Ölen und einer leicht harntreibenden Wirkung Gutes für die Gesundheit tut. In der Volksheilkunde war der Doldenblütler lange Zeit als Heilpflanze gebräuchlich. Das zweijährige Kraut treibt aus seiner rübenförmigen Wurzel einen bis zu 40 Zentimeter hohen Stiel.

Im Sommer des zweiten Jahres blüht die Petersilie mit cremeweißen Blüten und sät sich danach selbst wieder aus. Am besten gedeiht Petersilie im Halbschatten mit nährstoffreicher, feuchter Gartenerde unter den Füßen. Staunässe quittiert die Pflanze mit gelben Blättern. Im Frühjahr sorgt eine Handvoll Kompost für ein kräftiges Wachstum.

Wer den „Peterling“ selbst aussät, braucht Geduld. Es können mehrere Wochen bis zum Keimen vergehen. Verwendet wird Petersilie frisch, meistens als aromatischer Schlusspunkt über Salate, Kartoffel- und Gemüsegerichte. Auch Einfrieren und Trocknen sind möglich.

Für alle Würzfälle gewappnet

Mit den bäuerlich handfesten Kräutern Petersilie, Schnittlauch und Liebstöckel war Omas Kräuterbeet für alle Würzfälle gewappnet. Die etwas feineren Aromen steuert Dill (Anethum graveolens) bei. Schon sein Äußeres mit zarten Fiederblättern und einer hübschen, gelben Schirmblüte im Sommer, kann es mit jeder Zierpflanze aufnehmen. Als geborener Südländer braucht Dill einen windgeschützten, sonnigen bis halbschattigen Standort. Der Boden sollte gut durchlässig und eher karg sein. Im typischen Bauerngarten wird Dill gerne zu Gurken, Salat und Kohl gepflanzt, deren Wachstum und Aroma er fördern soll. Mit anderen Doldenblütlern wie beispielsweise Fenchel verträgt sich Dill dagegen eher schlecht. Die einjährige Würzpflanze sät man am besten im März oder April an Ort und Stelle ins Beet. Ein Verpflanzen nimmt das Kraut meist übel. Geerntet werden die feinen Triebspitzen, die wunderbar in Gurkensalat, sowie zu Fisch- und Eiergerichten passen.

Das einjährige Bohnenkraut (Satureja hortensis) komplettiert das volkstümliche Küchenkräuterbeet. Es gedeiht problemlos an jedem sonnigen Platz mit nährstoffreichem und lockerem Boden und wandert gerne durch den ganzen Garten. Als Spezialist für Deftiges macht das „Wurstkraut“ Eintöpfe, Bohnengerichte und fettes Fleisch leichter bekömmlich. Ein jährlicher Rückschnitt im Frühjahr sorgt dafür, dass die Pflanzen nicht zu sparrig wachsen. Von Juli bis September erscheinen zierliche Lippenblüten in Rosa, Hellviolett oder Weiß, die eine begehrte Bienenweide sind.

Maggikraut stammt aus Persien

Als Platzhirsch im Küchenkräuterbeet kann Liebstöckel oder Maggikraut (Levisticum officinale) gelten. Bis zu zwei Meter hoch und weit ausladend wächst das mehrjährige, durch und durch stark aromatische Kraut. Seine großen, gefiederten Blätter sitzen vor allem im unteren Bereich der Pflanze an langen Stängeln. Traditionell wird Liebstöckel als Suppengewürz verwendet, aber auch zu Eier- und Pilzgerichten steuert er das passende Aroma bei.

In der bekannten braunen Flüssigwürze steckt übrigens kein Maggikraut, und so urdeutsch, wie der Liebstöckel anmuten mag, ist er ebenfalls nicht: Die Pflanze stammt aus Persien. Anspruchslos und winterhart kann Liebstöckel ohne weitere Pflege viele Jahre im Kräuterbeet verbleiben, vorausgesetzt, der Boden ist feucht und nährstoffreich. Die würzigen Blätter werden stets sparsam dosiert.

© Schwäbische Post 08.06.2018 17:01
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