Magische Momente am Ipf in Bopfingen

Wanderung Teil 2 Der Zeugenberg steht für Kelten, Mythen und Modellsegelflieger. An einem Wochenende entdecken drei Redakteure den Tafelberg als attraktives Wanderziel.
  • Aufstieg vom Wanderparkplatz am Keltenpavillon zum Ipf..
  • Titel der aktuellen Ausgabe.

Nach der Rast geht es für unsere Ipferkunder zurück auf dem ursprünglichen Weg steil bergan, zum Fuße des Ipf. Die Blicke haften sich an einen Greifvogel, der über den Köpfen kreist. Wind pfeift um die Ohren, als die drei die Keltische Freilichtanlage am Ipf erreichen. Die imposante Rekonstruktion eines keltischen Fürstenhofes zeigt anschaulich wie es zur Keltenzeit auf dem Ipf ausgesehen haben könnte. Herrenhaus und Pfostenschlitzmauer demonstrieren auf beeindruckende Art und Weise, welche Leistungen die Kelten auf dem Ipf, einst eines der bedeutendsten keltischen Machtzentren Süddeutschlands, vollbrachten.

Heute spähen die Wanderer von hier weit hinaus in die Landschaft gen Rieskrater, lassen den Anblick auf sich wirken. Als Überrest eines etwa 15 Millionen Jahre alten Meteoriteneinschlags zählt das Nördlinger Ries zu den am besten erhaltenen großen Impaktkratern der Erde. Wahrlich ein ganz besonder Ort zum Genießen.

Ergriffen von derart heftiger Naturgewalt folgt die kleine Gruppe still dem Pfad hinauf zum Ipf-Plateau. Gesäumt von knorrigen Linden, die Anfang des 19. Jahrhunderts entlang des Wegs gepflanzt wurden, um König Friedrich I. von Württemberg bei seinem Aufstieg am 10. Juli 1811 Schatten zu spenden, läuft es sich hier auch im Sommer angenehm. Abseits des Weges sprießen auf Trockenrasen und Wachholderheiden Kuhschellen, Silberdisteln, seltene Kräuter und Pflanzen. Die außergewöhnliche Flora macht den Ipf zu einem der wertvollsten Naturschutzgebiete Süddeutschlands.

Blick bis zu den Alpen

Die entspannte Mühe, nur die letzten Meter werden wieder steiler, lohnt sich: An schönen Tagen reicht der sagenhafte Ausblick das Sechtatal entlang über den gesamten Rieskrater bis zum Hesselberg. Der Nördlinger Daniel grüßt als Höhenmarke. Im Nordwesten winkt Schloss Balderns markante Silhouette herüber, weit dahinter erblickt das Auge die Doppeltürme der Ellwanger Schönenbergkirche. Nur Kirchheim am Ries bleibt im Nordosten hinter dem Blasienberg verschwunden. Gen Süden spannt sich das Panorama hinüber zum Sandberg, hinunter auf Bopfingen, dem Tal der Eger folgend nach Aufhausen, Oberdorf liegt zu Füßen, in der Ferne gen Westen fängt der Blick die Kapfenburg hoch über Lauchheim. Man sagt, vom Ipf aus kann man 99 Städte und Dörfer entdecken. Bei klarem Wetter sieht man bis zu den Alpen.

Zwischen Modellfliegern rasten

Ein lauer Wind drückt von Westen her gegen den Ipf. Modellsegelflieger flitzen durch die Luft. Aufgrund seines Windes, seiner Lage und seiner Form steht der Ipf bei Modellsegelflugfans hoch im Kurs. In den 80er-Jahren flogen hier sogar noch Hängegleiter. Das Ipf-Plateau ist ein wunderbarer Platz zum Verweilen und die Sorgen unten zu lassen. Schließt man einen Moment die Augen, spürt man die besondere Energie des Berges. Kein Wunder, dass sich Sagen und Mythen um den Ipf ranken. Anhänger der Esoterik schätzen ihn für seine Kräfte, rückten ihm schon mit Wünschelruten und Pendeln zu Leibe, um die speziellen Strahlen und die ihnen heilige Ley-Linie zu finden.

Der Ort ist mystisch, verwunschen...

Kerstin Schmidt
Chefredakteurin und Wanderin

Von Hexen und Sagen

Hexen sollen hier wie auf dem Blocksberg getanzt haben, kein Wunder dass Filmproduzenten Bibi Blocksberg auf dem Weg zum Hexentreffen vorbei schickten. Und Nacktwanderer nutzten seine Einsamkeit. Einige bezeichnen den Ipf gar als südlichen Kyffhäuser. Hier soll ein Keltenfürst begraben liegen, der einst, ähnlich wie Barbarossa, wieder auferstehen wird. Sein Grab liegt angeblich hinter dem westlichen Felsband unterhalb des Gipfels. Eine andere Sage erzählt, dass unsere Vorfahren auf dem Ipf Opfer dargebracht und Götter angebetet haben. Nachgewiesen ist allein, dass andere, unbekannte Rituale auf dem Ipf stattgefunden haben. Da die Kelten den Ipf bevölkerten, ist der Berg zu einem mystischen Ort geworden, gelten die Kelten selbst als ein Volk mit vielen Rätseln. Sie verehrten Naturgottheiten wie Bäume oder Quellen. Ihre Druiden standen in großen Ehren, sie waren die religiösen und geistigen Führer. Schwer fällt es sich loszureißen angesichts von so viel Geschichte und Magie. Erholt und voller Sinneseindrücke macht sich die kleine Runde an den Abstieg.

Alternativer Einstieg

Zurück an der keltischen Freilichtanlage sieht man den Parkplatz mit dem Infopavillon und damit eine weitere Möglichkeit (neben dem Sechtaplatz) in den Rundwanderweg um den Ipf zu starten. Von nun an geht es abwärts. Entlang der alten Kirchheimer Straße führt der Weg durch die „Ipfsiedlung“ gemütlich zurück bis zum Sechtaplatz. Nach kurzer Einkehr in einer der netten Kneipen in der stolzen historischen Bopfinger Innenstadt, schließlich war man zwischen 1241 und 1801 freie Reichsstadt, lockt die sich dem Horizont entgegensenkende Sonne unsere Drei zu einem „Sundowner“ auf den Bopfinger Beiberg. Nicht ohne zu beschließen, Bopfingen und seinen Sehenswürdigkeiten wie dem Alten Rathaus im Renaissancestil, der Stadtkirche St. Blasius, der Burgruine Flochberg oder dem Museum im Seelhaus alsbald einen längeren Aufenthalt zu widmen.

Krönender Abschluss

Mit dem Auto, die Beine sind schon etwas müde, sind es nur wenige Minuten zum Parkplatz am Sportplatz Schloßberg. Von dort aus geht es, ein letztes Mal für heute, zu Fuß hinauf zum Bopfinger Beiberg, ebenfalls entstanden aus dem Meteoriteneinschlag im Ries. Im Gras sitzend schauen die Wanderer verträumt gen Westen, bis die nautische Dämmerung einsetzt, der Sonnenuntergang die Landschaft und die Schloss- und Kirchenumrisse in rotgoldenes Licht taucht. Dann geht es auf den Heimweg. Glücklich und sehr, sehr zufrieden nach einem prächtigen Tag am Ipf.

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Wenn Sie den Einstieg in die beschriebene Wanderung verpasst haben, schauen Sie einfach hier vorbei: http://www.schwaebische-post.de/infos-und-tipps/magische-momente-am-ipf-in-bopfingen/1682991/ af

© Schwäbische Post 06.07.2018 10:34
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