Strahlend schönes Blumengesicht

Sonnenblume Die gelben Pflanzen zieren im Sommer nicht nur den Garten, sondern sind auch eine ergiebige Nahrungsquelle für Mensch und Tier.
  • Unter der Last ihrer prall gefüllten Blütenköpfe neigen die meisten Sonnenblumen früher oder
    später ihr Haupt.
    Fotos: Helga Schneller (1);
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    Paul-Georg Meister/pixelio.de (1)

Sie ist eine, die als Mitbringsel immer passt. Die in jedes Gesicht ein Lächeln zaubert und eine, die zu Superlativen im Pflanzenreich fähig ist – die Sonnenblume, Blütenstar im Sommergarten.

Wer liebt sie nicht, die „Blumengesichter“ mit ihrem dichtem Kranz aus leuchtenden Blütenblättern? Bereits 2500 v. Chr. zierten Sonnenblumen indianische Gärten in Nord- und Mittelamerika. Im 16. Jahrhundert brachten spanische Seefahrer Sonnenblumensamen mit nach Europa, wo sich die imposante Pflanze rasch verbreitete. Kein Wunder, denn Sonnenblumen sind nicht nur wunderhübsch anzusehen, sondern auch ausgesprochen nützlich für die Ernährung von Mensch und Tier.

Zwei Arten spielen in der Landwirtschaft eine Rolle: Die Einjährige Sonnenblume (Helianthus annuus) wird zur Gewinnung des wertvollen Sonnenblumenöls angebaut. Ihre mehrjährige Schwester Topinambur (Helianthus tuberosus) liefert nahrhafte Knollen. Reinen Zierwert haben dagegen die verschiedenen Staudensonnenblumen (H. decapetalus, H. artrorubens).

Im Garten am häufigsten anzutreffen sind die einjährigen Sonnenblumen mit ihrer typisch scheibenförmigen Blütenmitte. Die Korbblütler vollbringen ein wahres Kunststück, wenn dem ovalen Samenkern eine mannshohe Sommerblume entwächst. Manche Giganten bringen es auf drei Meter Wuchshöhe und Blütenköpfe mit rund 30 Zentimetern Durchmesser. Logisch, dass Sonnenblumen zu den beliebtesten Pflanzen für Kinder zählen, um das Wunder vom Wachsen und Blühen zu bestaunen. Je nach Art öffnen Sonnenblumen ihre Blüten von Juli bis Oktober. Das Farbspektrum reicht von Goldgelb über Zitronengelb bis zu Orange, Creme, Kupfer und zweifarbig geflammten Varianten. Auch gefüllte Sorten sind im Angebot.

Netze für die Blütenköpfe

Ganz Sonnenkind, wandern die Blütenköpfe der Sonnenblumen mit dem Licht im Tagesverlauf von Ost nach West. Die eigentlichen, nektargefüllten Röhrenblüten der Einjährigen sitzen im Zentrum des Blütenkopfes. Der leuchtende Kranz aus Zungenblüten drumherum dient der Effekthascherei, um Bienen und Hummeln als Bestäuber anzulocken. Rieseln Blütenblätter und Röhrenblüten schließlich verwelkt zu Boden, offenbart sich der fruchtbesetzte Blütenboden. Während die Sonnenblumenkerne reifen, bilden sie ein faszinierend symmetrisches Muster im halbkugeligen Fruchtstand. Unter der Last ihrer prall gefüllten Blütenköpfe neigen die meisten Sonnenblumen ihr Haupt. Oft bekommen sie im Garten zu dieser Zeit schon Besuch von Meisen und Sperlingen, die es kaum erwarten können, die nahrhaften Kerne auszupicken.

Kerne als Winterfutter

Wer Sonnenblumenkerne als Winterfutter oder als Saatgut ernten möchte, sollte die reifenden Blütenköpfe mit engmaschigen Netzen umhüllen. Zwischen Ende August und Ende September sind Sonnenblumenkerne in der Regel ausgereift. Bei den zur Ölgewinnung angebauten Sonnenblumen handelt es sich um speziell gezüchtete Sorten mit besonders viel Ölsäure.

Das Öl dieser so genannten „High Oleic“-Sonnenblumen ist ausreichend hitzestabil und in der Küche auch zum Braten und Frittieren geeignet. Im Garten verbreiten die hochwachsenden einjährigen Sonnenblumen eine heitere Bauerngartenstimmung.

Besonders schön wirken sie an einem Holzzaun oder am Eingang des Hauses, wo sie Besucher strahlend willkommen heißen. Auch wenn die zähen, geriffelten Stängel in der Regel standfest sind, sollten einzelne Sonnenblumen beispielsweise mit Bambusstäben gestützt werden. Auch verzweigt wachsende Sorten können bei Wind und Wetter leicht in Schieflage geraten. Für Balkongärtner sind niedrige Sonnenblumen-Minis die richtige Wahl, um Töpfe farbenfroh zu bepflanzen.

Horstartiges Wachstum

Als ausdauerndes Gewächs passt die Stauden-Sonnenblume (Helianthus artrorubens, H. decapetalus) gut ins sonnige Staudenbeet. Von August bis September bildet die verzweigte, bis zu 1,80 Meter hohe Pflanze mit goldgelben Blüten einen hübschen Blickfang. Mit ihrem horstartigen Wachstum zeigt sie sich mitunter recht ausbreitungsfreudig.

Von Diabetikern geschätzt

Diese Eigenschaft ist auch beim Topinambur (Helianthus tuberosus) hervorstechend, weswegen er in Gärtnerkreisen geliebt und gefürchtet wird. Optisch der Staudensonnenblume ähnelnd, birgt Topinambur seine nahrhafte Seite im Boden.

Die in ihrer Form an Ingwer oder kleine Kartoffeln erinnernden Topinamburknollen gelten als schmackhaftes Wintergemüse und können roh, gedünstet oder als Püree zubereitet werden. Wegen ihres niedrigen Stärkegehalts werden sie besonders von Diabetikern geschätzt.

Topinambur wandert gerne durchs ganze Beet und ist nur schwer im Zaum zu halten. Wo es zuviel wird, reißt man im Frühjahr die kniehohen neuen Triebe des winterharten Gewächses heraus.

Alle Sonnenblumen schätzen einen vollsonnigen Platz mit humosem, durchlässigem Boden. Einjährige Arten lassen sich kinderleicht auf der Fensterbank vorziehen oder ab Mai an Ort und Stelle im Beet oder Topf aussäen.

Blumen am besten morgens schneiden

An vielen Straßenrändern verlocken eigens dafür angelegte Sonnenblumenfelder zum Schneiden der strahlenden Blüten.
Beste Zeit dafür ist morgens, ein scharfes Messer sollte zur Hand sein. Sonnenblumenblüten lassen reichlich Blütenstaub auf den Tisch rieseln. Pollenfreie Züchtungen sollen hier Abhilfe schaffen und die Allergiker entlasten.
Umstritten ist, wie sich der fehlende Pollen auf die Insektenwelt auswirkt.

© Schwäbische Post 13.07.2018 16:50
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