Zwischen zwei Welten zuhause

Faten Mukarker
Dass die 62-Jährige perfekt Deutsch spricht, liegt daran, dass sie die ersten 20 Jahre ihres Lebens in zwei Welten verbrachte: „Morgens war ich ein deutsches Schulmädchen, am Nachmittag tauchte ich in die arabische Welt meiner Eltern ein.“
Beide Welten waren strikt voneinander getrennt, ihre Eltern haben nie Deutsch gelernt. Von Integration war in den 1950er Jahren, als die Familie von Bethlehem ins Rheinland auswanderte, noch keine Rede.
Auf einem Heimaturlaub wurde die 20-Jährige dann innerhalb einer Woche mit einem jungen Mann verheiratet – eine arrangierte Ehe, wie sie bis heute noch oft in der arabischen Gesellschaft üblich ist. Mukarker blieb bei der Familie ihres Mannes in Bethlehem, die wie ihre Eltern Christen waren. Einst lag deren Anteil in Bethlehem bei rund 80 Prozent, inzwischen sind sie in der Geburtsstadt Jesu eine kleine Minderheit.
Mukarker durchlebte mit ihrer Familie (vier Kinder) die Intifada und den Schrecken des Golfkrieges. Ihre Lebensgeschichte und den schwierigen Alltag in einem besetzten Land beschreibt sie eindrücklich in ihrem Buch („Leben zwischen Grenzen“). Als Reiseleiterin führt sie Touristen durch Bethlehem und zu anderen Orten in Palästina. Für Gruppen kocht sie in ihrem Haus auch ein arabisches Essen und erzählt aus ihrem Alltag.
In Deutschland hält sie regelmäßig Vorträge in Kirchen und Schulen. Sie plädiert für Frieden und Versöhnung. Ihre persönliche Überzeugung: „Nur wenn wir Hand in Hand der Zukunft entgegengehen, wird es für beide Völker ein Überleben geben.“ GK

© Schwäbische Post 20.04.2018 15:41
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