Ein total unterschätzter Ort an der See

Schleswig-Holstein Wer Flensburg hört, der denkt an Beate Uhse, Punkte und Bier.

Flensburg hat einiges dafür getan, das biedere Image abzulegen. Mit Erfolg, denn die Stadt ganz oben im Norden beeindruckt durch ihre maritime Lebensart. „Hyggelig“, das dänische Wort für behaglich, ist in aller Munde. Doch wenn es einen Ort gibt, auf den das zutrifft, dann ist das im schönen Flensburg.

Historische Architektur

Die historischen Kaufmannshöfe sind eine der Hauptattraktionen der Stadt an der Förde. Im 15. und 16. Jahrhundert bauten reiche Kaufleute repräsentative Häuser mit reizvollen Innenhöfen in der Nähe des Hafens, um dort ihre Ware zu lagern und zu verarbeiten.

Im Vorderhaus befanden sich Wohnung und Kontor, im Hinterhaus wohnte das Gesinde. Heute kann man einige der Höfe besichtigen, am besten im Rahmen einer Führung mit einem kundigen Flensburger. Im Sommer finden dort die stimmungsvollen „Flensburger Hofkonzerte“ statt,

Das Gold aus der Karibik

Im 18. Jahrhundert war Flensburg einer der bedeutendsten Handelshäfen. Von hier aus brach die Westindienflotte in die Karibik auf und brachte Rohrzucker und Rum nach Hause. Auch heute gibt es noch (wenige) Rumhäuser in der Stadt, eines davon ist das Rumhaus Braasch in der Roten Straße.

Walter Braasch (Foto) hat als einer der Letzten das Handwerk des Destillateurs erlernt und sammelt alte, streng geheime Rumrezepte. Zudem gilt Braasch als Erfinder des Flensburger Weihnachtsmarktes. „Im kalten Winter 1977 hab ich damit begonnen, ein paar Gläser Punsch im Hof meines Ladens zu verkaufen“, erzählt er. Ein Jahr später hat der Nachbar das dann auch gemacht.

Catwalk und andere Rätsel

Die Norderstraße ist nicht nur eine beliebte Einkaufs- und Flanierstraße, sie birgt auch zwei gut gehütete Geheimnisse. Zum einen das Rätsel der hängenden Schuhe: An Drahtseilen zwischen den Hauswänden baumeln dort Hunderte von Schuhen an ihren Schnürsenkeln. Keiner weiß genau, wie es dazu kam.

Mittlerweile gehören die Schuhe fest zum Flensburger Stadtbild, genauso wie - etliche Meter tiefer - die Graffiti-Katzen auf den Hauswänden. Auch in diesem Fall weiß keiner, wie es dazu kam, wer sie gemalt hat und wann das geschehen ist. Rund zehn Miezen schmücken mittlerweile die Hauseingänge der alten Kaufmannshöfe. Die Touristen freut’s, die Flensburger sowieso, denn die Hunde hält es davon ab, dort ihr Bein zu heben. Annette Schwesig

© Schwäbische Post 29.06.2018 15:49
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