Mamma Mia, ist das schön hier

Kroatien Auf der Insel Vis vor der Küste Dalmatiens ist der zweite Teil des Abba-Kinofilms gedreht worden. Heute können Touristen eine Tour zu den Drehorten buchen.
  • Foto: Carola Faber

Eine ausgediente Fischfabrik in Komiza diente als Maskenraum, Garderobe, Treffpunkt und für das tägliche Catering von etwa 1.500 Mitarbeitern des Filmteams von „Mamma Mia 2“: Verborgen vor der Außenwelt wurde der zweite Teil – fast zehn Jahre nach dem Kinostart des ersten Teils – auf der Insel Vis in Kroatien gedreht. „Wir waren alle sehr aufgeregt. Im Zuge der Dreharbeiten kamen berühmte Schauspieler wie Pierce Brosnan, Colin Firth, Amanda Seyfried, Andy Garcia, Lily James und Jeremy Irvine auf unsere entlegene Insel. Am Anfang war ich skeptisch, aber dann war es großartig. Alle waren so nett. Die Leinwandgrößen sind ganz normale, entspannte Menschen. Dies ist einfach eine tolle Geschichte“, erinnert sich Maria Ilic, Inhaberin der Konoba Vadrica, gern an den Herbst 2017.

Fast täglich genossen die internationalen Gäste ihre landestypischen Gerichte, die in der Konoba am Hafen über dem Holzfeuer zubereitet wurden. Gleich nebenan hat der Drehbuchautor Ol Parker im Hotel San Giorgio gewohnt. „Pierce Brosnan und seine Frau haben während der Filmpausen im Café direkt neben mir gesessen.“, berichtet Guide Josip Pecarevic von seinen Erlebnissen.

Fast ausgebucht für die Crew

Heute führt er Touristen über die Insel vor der Küste Dalmatiens und zeigt ihnen einige Drehorte. „Insgesamt 65 Laster transportierten das gesamte Equipment, 30 Vans waren täglich im Einsatz, um über einen Zeitraum von drei Monaten etwa 1.500 Mitarbeiter zu befördern. Einmal wöchentlich gab es eine große Dinnerparty“, verrät er. Außerdem seien 65 Prozent aller Quartiere auf Vis für das Team gebucht worden. „Pierce Brosnan und seine Frau Keely Shaye Smith genossen es, die Insel zu erkunden. Unser traumhafter Ort hat sie so richtig begeistert“, ist der Einheimische ganz stolz auf das Kleinod in der Adria.

Schon bei der Ankunft im Hafen der fast 90 Quadratkilometer großen Insel mit rund 3.500 Bewohnern wird sofort klar, dass zwei Tage auf Vis viel zu kurz sind. Eingerahmt von einer tief eingeschnittenen, von Hügeln umschlossenen Bucht, reihen sich stattliche alte Häuser an der Palmenpromenade aneinander. Vor den Hausfassaden, die fast bis an das Meer reichen, ankern bescheidene Fischerboote. Auf einer kleinen Halbinsel leuchten im Abendrot in goldenen Farbtönen die Mauern des Franziskanerklosters. Vom Anblick der malerischen Insel, deren Besiedlung auf die Antike zurückzuführen ist, geht ein wunderbarer Zauber aus. Malerische Fischerorte, idyllische Badebuchten, Weinberge und begrünte Hügel, über die der Duft von Thymian, Lavendel und Orangenblüten weht, gehören zur schmucken Ansicht. Viele der winzigen Dörfer befinden sich im Landesinneren, da Vis im Mittelalter regelmäßig von Piraten angegriffen wurde und das Inland der Insel mehr Schutz bot. Heute wird im Zentrum der Insel hauptsächlich Wein angebaut, der meist direkt bei einem der 40 Winzer erstanden werden kann. „Unsere Familie baut auf zwei Hektar Wein an. Außerdem gehören uns noch 360 Olivenbäume“, sagt Josip Pecarevic. Vis ist seit der Antike berühmt für seine köstlichen Weine. Schon die alte Sorte Plavac mali wurde in den griechischen Chroniken erwähnt.

Bis nach Italien blicken

Komiza liegt am Fuß des höchsten Berges, des knapp 600 Meter hohen Hum. Vom Gipfel aus bietet sich ein herrlicher Panoramablick über die Insel – und bei guter Sicht sogar bis nach Italien. In Komiza selbst befindet sich am Eingang des Hafens eine mittelalterliche Zitadelle aus dem späten 16. Jahrhundert. Touristen wie auch Einheimische genießen das Flair von Vis. Morgens mischt sich das Zwitschern der Vögel mit dem Tuckern der Fischerboote und dem Läuten der Glocken. Langsam erwacht der Ort. Ein alter Mann schiebt sein Rad an der Promenade entlang, bleibt dann stehen, um eine Katze auf der Kaimauer zu streicheln. Taxen und Mopeds fahren durch die Straßen, Urlauber suchen sich die schönsten Plätze und Ausflugsziele aus.

Pierce Brosnan und seine Frau haben während der Filmpausen im Café direkt neben mir gesessen.

Josip Pecarevic Guide

Die blaue Grotte fasziniert

Eine Bootstour zur Blauen und Grünen Grotte auf vorgelagerten Inseln lohnt unbedingt. Sie sind nur vom Meer aus mit kleinen Ruderbooten zu erreichen. Den Zugang zur Blauen Grotte bildet ein niedriges, unauffälliges Loch im Felsen. Seit 1884 ist die Höhle für Privatpersonen zugänglich und fast ebenso lange reisen täglich, meist zwischen 11 und 12 Uhr, Gruppen dorthin, um sich von dem blauen Licht im Inneren faszinieren zu lassen.

Diese natürliche Beleuchtung entsteht, wenn an windstillen Tagen die Sonnenstrahlen von der Wasseroberfläche gebrochen und teilweise ins Höhleninnere über den Sandboden reflektiert werden. Eine unterirdische Steinbrücke wird sichtbar und kleine Fischschwärme tanzen im blauen Licht. Die Touristen im Ruderboot sind ganz still. Sie saugen jeden Augenblick der geheimnisvollen Stimmung auf.

„Auf dieser kleinen Insel gab es einst acht Dörfer, von denen heute nur noch vier vorhanden sind und von zehn Menschen bewohnt werden. Der Schulbetrieb wurde 1964 eingestellt. Bei der Grünen Grotte leuchtet das von Steinmassiven umgebene Wasser, das diese Höhle überhaupt erst durch Erosion bildete. Der Zugang zur Grünen Grotte ist etwas höher und so fällt auch mehr Licht in das Innere, was die grünlich schillernde Färbung und die höhere Helligkeit erklärt. Dadurch ist sie vor allem für Taucher interessant, da man hier in tieferen Gefilden noch über eine gute Sicht verfügt.

Wenn abends die Segeljachten ihre Plätze im sicheren Hafen angesteuert haben und fröhliches Lachen über die Wasseroberfläche schallt, dann bestätigt sich: Die Zeit des Aufenthaltes ist hier viel zu kurz.

© Schwäbische Post 06.07.2018 10:38
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