Wechselwillige Passagiere im Flieger

Flugreise Manchmal würde man sich im Flugzeug gerne spontan umsetzen. Doch ist das überhaupt erlaubt? Wir erklären, wie man ohne Ärger auf einen besseren Sitzplatz kommt.
  • Foto: Victor zastol’skly/Adobe Stock

Darf man den Platz wechseln? Wer im Flugzeug einfach nur einen Sitz weiterrutschen will, zum Beispiel vom Mittel- auf den leeren Gangplatz, der kann das im Regelfall problemlos tun. Auch in eine leere, nahe gelegene Reihe zu wechseln, ist meist unproblematisch möglich. Im Zweifelsfall, so ein Lufthansa-Sprecher, spricht man sich mit dem Flugbegleiter ab. Wichtig ist dabei, dass sich der Sitz in derselben Buchungsklasse befindet, sonst handelt es sich um ein Upgrade, das die Flugbegleitung genehmigen muss. Besonders attraktive Sitze werden bei den meisten Airlines meist als XL-Seats verkauft. Sie kosten auch mehr Geld. Wenn so ein Platz frei bleibt, kann man natürlich versuchen, dorthin zu wechseln. Meist wird es der Flugbegleiter aber ebenfalls wie ein Upgrade ansehen. Für Sitze an den Türen und am Notausgang gelten zudem besondere Regeln: Mindestalter zwölf Jahre, keine körperlichen Einschränkungen, nachweislich nicht schwanger.

Bei halb leeren Langstreckenflügen sind die ersten Passagiere bereits in Sprintstellung und schießen wie ein Ferrari aus der Boxengasse in Richtung freier Sitzreihen, sobald die Türen geschlossen werden. Denn jetzt kann ja kein Passagier mehr kommen. In der Praxis funktioniert das oft auch, obwohl ein British-Airways-Sprecher fordert: „Bis zum Erreichen der Reisehöhe sollte jeder Passagier auf seinem Platz bleiben. Keinesfalls erlaubt sind Sitzplatzwechsel direkt nach dem Start, solange die Anschnallzeichen nicht erloschen sind.“

Wann geht es nicht?

Zunächst einmal gibt es bei jeder Airline eine Passagierliste und meist auch einen Sitzplan, auf dem jedem Passagier ein Platz zugewiesen ist. Dieser Sitzplatz ist erst mal verbindlich. Auf diese Liste greift das Personal zu, wenn zum Beispiel ein Arzt an Bord gesucht wird oder die Person, die das vegetarisch-glutenfreie Menü bestellt hat. Deshalb haben die Flugbegleiter prinzipiell das Recht, jede eigenmächtige Sitzplatz-Rochade zu untersagen. „Status“ bei einigen Airlines ist der Anspruch auf einen leeren Nebensitz – in solchen Fällen wird der Umsetzversuch in der Regel scheitern. Dazu kommt das Gleichgewicht: Die Gewichtsverteilung im Flieger darf nicht durcheinanderkommen. Bereits zwei oder drei Passagiere, die sich in einem kleinen Flieger von links nach rechts setzen oder von ganz hinten nach ganz vorn, stören die Balance. Dann greift gegebenenfalls sogar der Flugkapitän ein.

Wie ist es bei Billigfliegern?

Bis zum Erreichen der Reisehöhe sollte jeder Passagier auf seinem Platz bleiben.

British-Airways-Sprecher

Low-Cost-Airlines haben ihre eigene Sitzplatz-Methode: Wer nicht kostenpflichtig vorab einen Platz reserviert, der muss nehmen, was übrig bleibt. Die freie Platzwahl von früher ist einem Extragebühr-System gewichen.

Ryanair ist da besonders strikt. Wer nicht für einen besseren Sitzplatz zahlt, der bekommt in der Regel einen der ungeliebten Mittelplätze zugewiesen. Die Flugbegleiter sind angewiesen, auf diesen „zufällig zugewiesenen“ Sitzplatzzuordnungen zu bestehen.

Wer dort also auf den leeren Gangplatz neben sich wechselt, wird wohl vom Flugbegleiter zurechtgewiesen werden und muss zurück auf Anfang.

© Schwäbische Post 06.07.2018 10:38
1876 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.