Wo der kauzige Kluftinger ermittelt

Allgäu Mordsspannend kann die Region sein. Zumindest, wenn man sich auf den Spuren des aus der Krimireihe bekannten Kommissars durch die liebliche Voralpengegend bewegt.
  • Foto: ARD Degeto/BR/Hagen Keller

Gartengeräte hatte der Sensenmann wohl kaum dabei, das Wesen vor ihm allerdings schon. Und dazu ein Holzkreuz, dessen Ende über den Waldboden schleifte. Beherzt trat er einen Schritt vor und dann schrie Kluftinger.“ Dieser Textauszug stammt aus dem zehnten und aktuellsten Allgäu-Krimi des Memminger Autorenduos Kobr und Klüpfel, der kurz und bündig „Kluftinger“ heißt. Darin muss der kauzige Kemptener Kommissar – der die montäglichen Kässpatzen seiner Frau genauso liebt, wie er die anschließenden Musikproben mit der Trommel hasst – in eigener Sache ermitteln. Dabei führt ihn die Spur auch ins Totenwäldchen nach Gschnaidt. Zu der im Wald oberhalb von Altusried gelegenen Wallfahrtskapelle bringen Angehörige die provisorischen Holzkreuze ihrer Verstorbenen, wenn die endgültigen Grabsteine auf die Gräber kommen.

Das Totenwäldchen gibt es

Als Klufti nachts im Nieselregen dort ermittelt, stolpert er förmlich über ein Holzkreuz, das seinen Namen trägt. Was im Buch Teil einer fiktiven Handlung ist, ist in der Realität eine Etappe der Führungen auf den Spuren von Klufti. Die Wallfahrtskapelle mit den rund 1500 Holzkreuzen im Wald gibt es wirklich. Und auch bei Tag und in Begleitung der Fremdenführerin hat der Ort seine ganz spezielle Atmosphäre. „Bereits in ‚Erntedank’, dem zweiten Fall von Kluftinger, hat das Totenwäldchen eine Rolle gespielt“, erzählt Simone Zehnpfennig vom Allgäuer Tourismusverband, bevor sie die entsprechende Textstelle vorliest.

Mörderisch spannendes Allgäu

Das Allgäu mal anders: mit dem Buch in der Tasche die Verknüpfung von Fiktion und Realität entdecken. Der Tourismusverband hat nicht nur Bustouren für Kleingruppen in Kluftis Allgäuer Welt im Programm, er hat auch eine Karte herausgegeben. Darin enthalten: alle Orte, an denen die Krimis spielen, die Drehorte der bisherigen fünf Verfilmungen, kurze Inhaltsangaben der einzelnen Bände, außerdem Kontaktadressen. Für Individualisten ist die Karte ausreichend, um auf Kluftis Spuren ein „mörderisch spannendes Allgäu“ zu entdecken. Wer auf Geschichten aus dem Nähkästchen steht, sollte die Führungen buchen. In Memmingen zeigt Simone Zehnpfennig den Kluftinger-Fans beispielsweise die Realschule, an der Michael Kobr unterrichtete, bevor er Krimiautor wurde. „Die Schule liegt genau neben dem Amtsgericht, da kommt die Inspiration für Krimis quasi von alleine“, erklärt Zehnpfennig und schildert dann, wie die Schule für Dreharbeiten zur Polizeiwache umgestaltet wurde. In Kempten führt Zehnpfennig zur Kripo. In den Krimis wie in der Realität liegt diese genau gegenüber einem „Etablissement“. Die wasserstoffblonde Uschi mit der roten Korsage, die dort arbeitet, bringt Klufti bereits beim ersten Blick aus dem Fenster des neuen Büros kräftig in Verlegenheit, als sie ihm über die Straße zuruft: „Verrat es den Kollegen nicht, dass du hier Sonderkonditionen hast.“ Sie meint den Parkplatz im Hof.

Die Schule liegt genau neben dem Amts- gericht.

Simone Zehnpfennig Führerin

In der Kartause Buxheim ist das holzgeschnitzte Chorgestühl aus dem 17. Jahrhundert sehenswert. Im Klufti-Krimi „Erntedank“ spielt der bußfertige Sünder, der gleich rechts neben dem Eingang in den Chorraum das Chorgestühl ziert, eine zentrale Rolle. Von Oberstdorf aus geht es mit dem E-Bike ins Oytal Richtung Himmelhorn. Im gleichnamigen Krimi findet Kluftinger am Himmelhorn drei Leichen, während er sich erstmals auf dem E-Bike versucht: „Panisch zog Kluftinger am Bremshebel und drückte den Knopf, mit dem man den Elektromotor ausschaltete, doch der gab weiterhin Schub. In seiner Verzweiflung versuchte er es mit der Rücktrittbremse, doch die Pedale drehten ins Leere.“ Dank der ausführlichen Einweisung der Oberstdorfer E-Bike-Verleiherin Monika Echtermeyer gestaltet sich die Ausfahrt ins autofreie Oytal für die Touristen deutlich entspannter.

Das Gruseln am Alatsee

Dafür kann einem am Alatsee durchaus das Gruseln kommen, wenn Erih Glößler während ihrer Führung rund um den „Blutenden See“ aus dem Krimi „Seegrund“ vorliest und über die Besonderheiten dieses Sees erzählt. In 15 Meter Tiefe befänden sich purpurfarbene Schwefelbakterien, die ab und an den See „bluten lassen, wenn sie nach oben steigen“, erzählt Glößler. Der See war bis Ende der 50er Jahre Sperrgelände, weil dort während des Zweiten Weltkriegs Torpedoversuche gemacht und Holzflugzeuge getestet wurden. Das macht den Alatsee nicht nur für Krimiautoren interessant, sondern auch für die Touristen, die sich dort auf Kluftis Spuren führen lassen und dabei einiges aus der geheimnisvollen Geschichte erfahren.

© Schwäbische Post 06.07.2018 14:04
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