Ausflug in eine besondere Erlebniswelt bei St. Pauli

Schau Im März eröffnete Udo Lindenberg ‘Panik City’ in Hamburg.
  • Ein Power-Trabi und eine Parolen-Gitarre können Besucher der „Panik City“ bestaunen. Foto: Tine Acke

P erspektive: Wann kann man schon mal selber auf der Bühne stehend einem Rockstar in die Augen gucken, sich umdrehen und verzückte Fans am Bühnenrand erblicken, die scheinbar dem unprominenten Betrachter zujubeln? Die Virtual-Reality-Brillen in der Panik City machen genau das möglich. Wer gerne selber Rockstar geworden wäre, es aber nicht geschafft hat, der kann dort mal schauen, wie ein anderes Leben hätte aussehen können.

Panik

Udo Lindenberg wollte früh raus aus seiner Heimatstadt Gronau, und mit 15 hat er es geschafft – erst zum Kellnern nach Düsseldorf, dann zum Trommeln nach Libyen. Im Gronau-Raum der Panik City lässt sich die Panik nachfühlen, die sich womöglich eingestellt hätte, wäre die Flucht nicht geglückt. Unsympathisch wirkt das westfälische Städtchen übrigens nicht. Aber klein. Zu klein jedenfalls für Deutschlands größten Rockstar.

Power

Symbolischer geht’s fast nicht mehr: einen Trabi, die Manifestation der Unterklasse, vergolden! Ein Teil von Lindenbergs Kraft lag immer schon in seinem unerschütterlichen Glauben an seine eigene Weltenbastelei. Ein goldener Trabi also. Die Nachbildung seines Originalgefährts steht im Raum mit DDR-Bezug.

Probe

In der „Panik City kann man Udo Lindenbergs Hit „Mein Ding“ in einer Art Tonstudio-Museum singen und bekommt anschließend das Filmchen als Souvenir. Wer dabei merken sollte, dass ihm selber zum ganz großen Sänger noch was fehlt, der darf sich zumindest über die stilechte Probe freuen.

Phänomen

Heutzutage gilt ja jeder gleich als Phänomen, der mal oben in der Hitparade steht. Aber in der Panik City erlebt man, weshalb Udo Lindenberg tatsächlich eines ist. Zum Beispiel im Likörelle-Raum, wo die Besucher seine Zeichnungen mit dem Finger auf Glas kolorieren dürfen. Dann flugs per E-Mail an sich selber geschickt. Auf sowas muss man erst mal kommen – phänomenal. Auf der Gitarre, die Udo Lindenberg einst Erich Honecker geschenkt hat, steht „Gitarren statt Knarren“.

Gegen diese Parole ist nichts einzuwenden, und der Lauf der Geschichte hat dazu geführt, dass das Instrument nun in der Panik City ausgestellt ist. Parolen haben ja einen schlechten Ruf, Aphorismen jedoch einen. Auf dem Weg vom Hamburger Hauptbahnhof zur Panik City auf der Reeperbahn kann man durchs U-Bahn-Fenster die Elbphilharmonie bestaunen. Dort wird ja auch Musik gemacht – alles eine Frage der Perspektive. Wieder eine Sehenswürdigkeit abgehakt.

Michael Werner

© Schwäbische Post 20.07.2018 16:19
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