Vollversorgung durch Sonnenenergie

Die Unabhängigkeit von fossilien Brennstoffen ist schon lange technisch möglich. Mit einem sogenannten Sonnenhaus kann der komplette Energiebedarf durch die Sonne gedeckt werden. Für die Umsetzung sind Erfahrung und Wissen gefragt.
  • Komplett unabhängig von fossilen Energiequellen: Sonne und zwei bis drei Meter Holz im Jahr. Ein Sonnenhaus, das die Firma becker realisiert hat. Foto: becker

Aalen. „Die Wärmeerzeugung verursacht mit Abstand den größten Energiebedarf in einem Privathaus und somit die höchsten laufenden Kosten“, betonen Martin Becker und Bernd Masur, Geschäftsführer bei der becker GmbH und Co. KG. Etwa ein Drittel der Vorräte an Erdöl, Erdgas und Kohle werden letztlich in Wärme umgewandelt. Davon wird der größte Teil für Raumheizung und Warmwasser verwendet.

Unterschätzte Energiequelle

Beim Sonnenhaus-Institut, mit dem die Aalener Solar-Experten zusammenarbeiten und bei dem man schon lange Mitglied ist, ist man davon überzeugt, dass der Klimawandel und die Importabhängigkeit von den fossilen Energieträgern, deren Vorräte in wenigen Jahrzehnten zur Neige gehen, ein konsequentes Handeln erforderlich machen.

„Die Solarthermie, also die Wärmegewinnung aus Sonnenenergie ist die meist unterschätzte Energiequelle“, unterstreicht Masur. Weitgehend solarbeheizte Wohnhäuser zeigen bereits heute, wie die Versorgung privater Haushalte – ohne Verlust an Lebensqualität – gemeistert werden kann. Die Firma becker hat in den vergangenen Jahren schon mehrere sogenannte Sonnenhäuser realisiert. Es gilt aber, nicht nur im Neubau solche Standards zu setzen, sondern auch die Energieverbräuche im Gebäudebestand drastisch zu reduzieren. Durch wirklich sinnvolle Sanierungsmaßnahmen und eine große thermische Solaranlage lässt sich der Wärmeverbrauch auf ein Drittel senken, also um zwei Drittel reduzieren. Und das bei einem enormen Gewinn an Wohnqualität.

Unabhängige Energieversorgung

Ein steil nach Süden geneigtes Solardach (Solarthermie, gegebenenfalls ergänzt durch Photovoltaik) und ein großer, im Gebäude integrierter Wassertank ergänzt durch einen wasserführenden Holzofen sind die prägenden Merkmale der klassischen Sonnenhaus-Architektur.

Über diese Symbole für eine weitgehend unabhängige Energieversorgung hinaus hat das Sonnenhaus aber auch ökologische Fakten vorzuweisen: Sein Jahres-Primärenergiebedarf pro Quadratmeter Gebäudenutzfläche liegt bei nur etwa 5 bis 15 kWh und unterschreitet damit den Mindeststandard nach EnEV um das Fünffache und den eines Passivhauses mit Wärmepumpenheizung um das Drei- bis Vierfache. Um dies umzusetzen, so Becker, bedürfe es aber speziellem Fachwissen: „Das geht deutlich über den klassischen Heizungsbau hinaus.“ wom

© Schwäbische Post 20.04.2018 15:09
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