Flexiblere Arbeitszeiten - die Arbeit muss zum Leben passen

Verschiedene Arbeitsmodelle und was Unternehmen bei der Umsetzung beachten müssen
Aalen. Die Prioritäten von Arbeitnehmern haben sich innerhalb der letzten Jahre verschoben. Urlaubsgeld und Firmenwagen sind zwar schön, aber längst nicht alles. Stattdessen wünschen sich immer mehr Arbeitnehmer flexiblere Arbeitszeiten. Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Flexibilität bei den Arbeitszeitenregelungen einräumen, sichern sich einen Wettbewerbsvorteil im Rennen um begehrte Fachkräfte. Denn ob Sabbatjahr, Teilzeit oder Gleitzeit -aus der Sicht der Arbeitnehmer soll sich das Leben nicht länger dem Beruf anpassen.

Diese Meinung teilt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil von der SPD. Er kündigte eine Initiative für flexiblere Arbeitszeiten an. Arbeitgeber sollen nicht rund um die Uhr für den Job verfügbar sein, sondern sich Ruhepausen gönnen dürfen. Gerade Eltern benötigten Zeit, um sich um die Familie zu kümmern. Die Deutschen selbst sehen laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage als Grund für die niedrige Geburtenrate hierzulande unter anderem die Schwierigkeit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Gleitzeit und Sabbatjahr

Unternehmen können die verschiedensten Arbeitszeitmodelle anbieten - eine Übersicht findet man zum Beispiel hier (pdf).

Beim Gleitzeitmodell haben Angestellte innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens die Möglichkeit, sich ihre Arbeitszeit selbst einzuteilen. Um den Überblick zu behalten, legen Geschäftsführer jedoch Kernarbeitszeiten fest, in denen eine grundsätzliche Anwesenheitspflicht besteht. So ist es beispielsweise möglich, dass Mitarbeiter zwischen 8 und 10 Uhr mit der Arbeit beginnen und zwischen 17 und 19 Uhr nach Hause gehen. Die Kernarbeitszeit läge dann zwischen 10 und 17 Uhr und die Gleitzeit zwischen 8 und 10 Uhr sowie zwischen 17 und 19 Uhr.

Bei einem Sabbatjahr nimmt sich der Angestellte eine längere Auszeit vom Beruf. Der Zeitraum kann sich auf mehrere Monate oder ein Jahr belaufen; manchmal ist es sogar möglich, die Auszeit länger als ein Jahr lang in Anspruch zu nehmen. In der Umsetzung setzen die meisten Unternehmen auf das "umgekehrte" Teilzeitmodell. Dabei erhält der jeweilige Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum bei Vollbeschäftigung nur die halbe Vergütung. Ab dem Zeitpunkt der Freistellung bekommt er dann das "gesparte" Teilgehalt monatlich ausgezahlt. So hat er auch während des Sabbaticals ein regelmäßiges Einkommen.

Gesetzliche Einschränkungen bei flexiblen Arbeitszeiten

Ob Home Office, Gleitzeit oder Vertrauensarbeitszeit - bei der Umsetzung müssen Arbeitnehmer darauf achten Gesetze einzuhalten. So darf eine maximale Arbeitszeit von acht Stunden am Tag nicht überschritten werden. Weiterhin müssen Pausenzeiten von mindestens 30 Minuten eingehalten werden. Die Herausforderung für Personaler besteht nicht zuletzt darin, diesbezüglich den Überblick zu behalten. Dabei können digitale Softwarelösungen wie Personio helfen. Mitarbeiter erfassen hier selbstständig ihre Stunden - ganz gleich, für welches Arbeitszeitenmodell sie sich entschieden haben.

Unabhängig davon, welche Arbeitszeitmodelle Unternehmen anbieten, gilt: Bevor Firmen versuchen, Arbeitskräfte mit Benefits wie Sabbatjahr und Home Office zu locken, sollten sie sicherstellen, dass diese Angebote im Unternehmen tatsächlich umsetzbar sind. Denn letztendlich scheitern solche Vorhaben oft daran, dass das Unternehmen nicht ausreichend auf solche Modelle vorbereitet ist - zum Beispiel, weil im entsprechenden Zeitraum zu wenig Personal eingestellt ist.


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© Schwäbische Post 04.06.2018 10:12
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