Enthusiasmus in einem lebenswerten Dorf

Die Bürger von Neuler sind bekannt für Veranstaltungen, zu denen bisweilen mehr Besucher strömen als der Ort Einwohner hat. Die kleine Gemeinde hat jedoch weitaus mehr zu bieten als Fasching und Rockkonzerte. Neuler trumpft für seine Größe mit einer guten Infrastruktur auf.
  • Die Kirche im Ortsteil Ramsenstrut. Foto: Alexander Schäffer
  • Der weitläufige Blick von Ramsenstrut über die Landschaft zeigt die idyllisch in die Natur eingebettete Ortschaft Neuler. An den Bäumen im Vordergrund senkt sich das Schlierbachtal hinab, dessen gleichnamiger Bach bei Niederalfingen in den Kocher mündet. Foto: als
  • Der Skulpturen-Wanderweg führt durch das Schlierbachtal von Neuler nach Niederalfingen. Foto: Gemeinde Neuler

Neuler. Fasching, Rocknacht und Erholung – das sind wahrscheinlich die Schlagworte, die den meisten zur Gemeinde Neuler auf Anhieb einfallen dürften. Doch der Ort, der auf einer Anhöhe zwischen Kocher und Jagst ziemlich genau in der Mitte zwischen den großen Kreisstädten Aalen und Ellwangen liegt, hat noch viel mehr zu bieten.

Mit der Ansiedlung des „Netto“-Supermarktes im letzten Jahr gibt es in der rund 3.100 Einwohner zählenden Gemeinde endlich auch eine adäquate Einkaufsmöglichkeit, die von den Bürgerinnen und Bürgern lange gewünscht wurde. Auch sonst bietet die immer noch ländlich geprägte Ortschaft ein besonders ausgewogenes Lebensgefühl, die ihresgleichen sucht, merkt Bürgermeisterin Sabine Heidrich an.

Mehr als Bier und Fasching

Überregional bekannt ist Neuler zweifelsohne durch die ortsansässige Brauerei Ladenburger sowie den alljährlich stattfindenden großen Faschingsumzug am Faschingssonntag und das Festival „Gruabarock“.

Überhaupt fragt man sich als Zuschauer, woher dieses kleine Dorf all den Enthusiasmus für diese Veranstaltungen hernehmen mag. Bei näherer Betrachtung wundert das allerdings nicht mehr, denn die Veranstaltungen geben das wieder, was die Neulermer das ganze Jahr über sind: offen für ausgefallene Ideen, enthusiastisch in der Umsetzung von eigentlich unmöglichen Einfällen und geprägt von einem geselligen Vereinsleben.   

Man mag es kaum glauben, aber Neuler bietet für eine Ortschaft seiner Größe ein ausgesprochen vielfältiges Vereinsleben. So gibt es neben den bereits genannten Faschingsvereinen auch Gesangs- und Musikvereine, Reit- und Fahrvereine, Turn- und Sportvereine, den Kulturverein Farrenstall, den Handels- und Gewerbeverein, den Rock’n’Roll-Club sowie den FC Bayern-Fanclub und sogar Modellflugfreunde. So kann in Neuler jeder seinem Hobby frönen.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort Neuler im Jahr 1113. In der Zeit des Mittelalters war die Ortschaft der Fürstpropstei Ellwangen unterstellt, 1803 fiel Neuler an das Königreich Württemberg.

Noch bis in die 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein war Neuler eine typische, von der Landwirtschaft und kleinen Handwerksbetrieben geprägte ländliche Gemeinde. Inzwischen haben sich in dem Ort auch einige mittelständische Industriebetriebe angesiedelt, sodass Neuler zu einer Arbeiterwohngemeinde geworden ist.

Raum für Erholung

Angrenzend an viele landschaftlich reizvolle Täler sowie dem idyllischen Naturschutzgebiet im Tal der „Blinden Rot“ findet sich in der Gegend um Neuler viel Raum zur Erholung und Entspannung.

Für Kinder sehr interessant und mit zahlreichen Puzzles und Spielmöglichkeit ausgestattet ist der „Wald-Wunder-Weg“. Startpunkt ist in den Feldern etwa 500 Meter östlich der Neulermer Schule. Einen Ausflug wert ist auch der „Skulpturenweg“ im Schlierbachtal von Neuler nach Niederalfingen. 83 in Handarbeit erstellte Skulpturen warten hier auf die Entdeckung durch freudige Wanderer. An Motiven sind zahlreiche Märchenfiguren dargestellt, aber auch regional verwurzelte Ideen wie etwa die Hüttlinger „Muffigel“ wurden umgesetzt.   

Der neueste Wanderweg in Neuler ist der „Bruder-Klaus-Weg“ nach Ramsenstrut. Die Rundstrecke durch das herrliche Schlierbachtal bringt Wanderern und Radfahrern das Leben und Wirken von Bruder Klaus, einem christlichen Pilgerer des 15. Jahrhunderts, näher.

Die Gemeinde beabsichtigt eine behutsame Weiterentwicklung. Auf der Agenda steht vor allem der Breitbandausbau. So soll sichergestellt werden, dass die lebenswerte Wohnqualität erhalten bleibt und die Dörfer so lebendig bleiben, wie sie heute sind. als

© Schwäbische Post 05.09.2018 16:46
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