Mobilfunk

Handynutzer sollen seltener ins Funkloch fallen

Die Netzbetreiber wollen Milliarden investieren, um 99 Prozent der Haushalte zu versorgen. Doch sie stellen Bedingungen.
  • Weniger Flunklöcher: Das haben die Netzbetreiber Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zugesagt. Foto: MOZ/Mathias Hausding
Handynutzer sollen künftig nicht mehr so häufig in Funklöcher geraten und ohne Telefon- und Datenverbindung dastehen. Die drei Betreiber der Mobilfunknetze, die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland (O2), wollen Milliarden investieren, um künftig 99 Prozent der Haushalte in Deutschland zu versorgen. Das sagten sie bei einem „Mobilfunkgipfel“ in Berlin Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zu. Genaue Summen nannten sie allerdings nicht.

Nach den derzeitigen Auflagen müssen die Anbieter Anfang 2020 bundesweit 98 Prozent der Haushalte erreichen. Jetzt wollen sie etwa eine halbe Million Haushalte zusätzlich bedienen. Im Lauf des Jahres 2021 sollen die 99 Prozent auch für jedes einzelne Bundesland gelten. Die letzten Prozentpunkte der Haushalte sind immer schwer abzudecken, da sie in schwach besiedelten Gebieten sind und der Aufwand groß ist.

„Das ist eine Verbesserung zum jetzigen Stand“, freute sich Scheuer. Die Netzbetreiber hätten zugesagt, dass sie sofort 100 Stationen an wichtigen Verkehrspunkten aufbauen sowie 1000, um „weiße Flecken“ zu versorgen. 10 000 weitere Mobilfunkantennen sollen dazukommen.

Flächenmäßig ist die Versorgung schlechter, zumal nicht überall alle drei Netze zur Verfügung stehen. So will die Deutsche Telekom künftig „deutlich über 90 Prozent“ abdecken, versprach ihr Vorstandsvorsitzender Tim Höttges. Derzeit sind es nur 80 Prozent. Allerdings wehrt er sich wie die Manager von Vodafone und Telefónica gegen ein „nationales Roaming“, bei dem die Kunden alle drei Netze nutzen können. Das würde den Anreiz verringern, das eigene Netz auszubauen, so Höttges. 

Das Trio stellte noch weitere Bedingungen: Die Anforderungen für die neuen 5G-Netze sollten für sie möglichst vorteilhaft sein. Derzeit wird die Versteigerung der Frequenzen für die fünfte Generation der Mobilfunknetze vorbereitet, die den Transport von noch größeren Datenmengen ermöglicht. Sie soll im nächsten Frühjahr durch die Bundesnetzagentur erfolgen. Die ersten Frequenzen können vermutlich 2021 genutzt werden, und zwar parallel zu den alten, um eine bessere Versorgung zu ermöglichen.

Die Versteigerung der 3G-Lizenzen, also der dritten Generation, hatte dem Bund im Jahr 2000 noch 50 Mrd. EUR gebracht. Seit 2011 wird das 4G-Netz ausgebaut, bekannt unter dem Kürzel LTE. Eines der Probleme ist, dass es in Deutschland nur noch drei Betreiber von Mobilfunknetzen gibt, seit Telefónica mit dem O2-Netz 2014 E-Plus übernommen hat, und damit weniger Wettbewerb.

Die Netzbetreiber wollen für 5G möglichst wenig zahlen, weil sie sonst zu wenig Geld für die Investitionen hätten, deutete Markus Haas, Chef von Telefónica Deutschland, an. Zudem verhandeln sie mit dem Finanzministerium über günstige Zahlungsbedingungen. Eine hundertprozentige Abdeckung aller Haushalte und Regionen wäre nochmals „extrem viel teuer“ und nicht wirtschaftlich, betonte Höttges. Scheuer will prüfen, ob er ein Förderprogramm auflegt, also den Ausbau mit Steuergeld fördert.

Die Wirtschaft pocht darauf, dass auch sie bei schnellem Mobilfunk und Internet besser versorgt wird. „Bei vielen Unternehmen in ländlichen Regionen wächst die Unruhe über Deutschlands Rückstand“, klagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Achim Dercks, im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE.

Rund 20 000 Gewerbegebiete seien noch nicht ans Glasfasernetz angeschlossen. Es brauche abgestimmte Planungen für den Ausbau von Fest- und Mobilfunknetz, weil die Sendemasten in jedem Fall einen Glasfaseranschluss benötigen. Den wollen die Netzbetreiber mit einer weniger aufwändigen Bauweise ermöglichen.

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© Südwest Presse 13.07.2018 07:45
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