Schulterschluss der Wirtschaftsminister

Wie Peter Altmaier und Bruno Le Maire einen Handelskrieg vermeiden wollen.
  • Der französische Wirtschaftsminister Bruno Lemaire (links) und Peter Altmaier. Foto: Thibault Camus/AP/dpa
Wirtschaftsministerium, siebter Stock, der Bundeswirtschaftsminister ist zu spät. Ein Nagel hatte sich in den Reifen des Flugzeugs gebohrt, das Peter Altmaier (CDU) nach Frankreich bringen sollte, der Abflug verzögerte sich um 50 Minuten. Drei Polizeimotorräder mussten eine Schneise durch den Pariser Feierabendverkehr schlagen, damit die deutsche Delegation noch zu einer erträglichen Uhrzeit ankommt. Geht ja gut los.

Dabei sollte es doch endlich mal ein entspannter Antrittsbesuch werden. Nach den konfliktbeladenen Gesprächen in Kiew und Washington D.C. freute sich der frankreich-affine Altmaier auf einen harmonischen Besuch bei Freunden. Altmaier und der französische Finanz- und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire kennen sich seit 15 Jahren, man duzt sich, man mag sich.

Mit ihm wollte Altmaier eine Reihe von Wohlfühlthemen besprechen: Die deutsch-französische Kooperation im europäischen Integrationsprozess oder die Gründung eines „Airbus für Künstliche Intelligenz“. Es hätte so schön werden können. Doch dann drängelten sich doch noch unangenehme Themen nach vorne. Das lag vor allem am Nagel im Getriebe der internationalen Politik – und der heißt Donald Trump.

„Wir zielen darauf ab, einen Handelskrieg zu verhindern. Es kann in einem solchen Krieg keine Gewinner geben“, sagt Altmaier. Selbstverständlich auf Französisch, man ist ja bei Freunden. Und die beiden Freunde sind sich zumindest in diesem Punkt einig. Auf die Drohungen aus Washington müsse Europa eine „einheitliche und unumstößliche“ Antwort geben, sagt Le Maire. Nur: Wie diese Antwort aussehen soll, da ist man sich noch uneins.

Donald Trump hat angekündigt, Strafzölle auf Autos aus der EU zu erheben. Die deutsche Wirtschaft würde das härter treffen als die französische. Vorschläge für einen zollfreien Handel von Autos zwischen der EU und den USA sind daher für Deutschland weit attraktiver als für die Franzosen, die wohl befürchten, dass jeder Teilerfolg Trumps Strafzölle auf die für Frankreich so wichtigen Agrarprodukte wahrscheinlicher macht. „Wir werden uns nicht die Pistole auf die Brust setzen lassen“, sagt Le Maire. Es klingt nach Konfrontation. Ende des Monats fliegt Jean-Claude Juncker zu Gesprächen mit Donald Trump. Bis dahin sollte ein konkreter Beschluss auf dem Tisch liegen. Thomas Block
© Südwest Presse 13.07.2018 07:45
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