Luftfahrt

Ärger am Boden und in der Luft

Im ersten halben Jahr sind fast 16 000 Flüge in Deutschland ausgefallen. Dazu kommen auch noch Streiks bei Ryanair.
  • Zum Flughafen kommen und dann ist der Flug gestrichen – der Urlaub kann schöner anfangen. Schnell dürfte sich an den vielen Ausfällen in Deutschland nichts ändern. Foto: Peter Kneffel/dpa
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Online-Foren sind mit Vorsicht zu betrachten. Aber beim Portal „Trustpilot“ fallen die Bewertungen für Airlines so negativ aus, dass nicht alles erfunden sein kann. Eurowings etwa finden 85 Prozent der 670 Schreiber „mangelhaft“ und „ungenügend“. Ein „S. Kramer“ schreibt: „Diese inzwischen zur Gewohnheit gewordenen Flugverspätungen oder kurzfristigen Stornierungen sind inakzeptabel!“

Verspätungen, Ausfälle, Probleme bei der Sicherheitskontrolle: Für viele Reisende steht vor dem Urlaub erst mal der Stress. Und das, obwohl die Hauptreisezeit gerade erst beginnt. Wie das Fluggastrechteportal EU-Claim mitteilt, wurden 2018 hierzulande mehr als 15 000 Flüge gestrichen. Fast 3800 weitere Maschinen hoben erst mit einer Verspätung von mehr als drei Stunden ab. In Stuttgart verdoppelte sich die Zahl ausgefallener Starts und Landungen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 auf 1200. Der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr wurde in diesem Jahr 37 Prozent mehr Beschwerden übermittelt als im Vorjahreszeitraum – einsame Spitze sind dabei mit 81 Prozent: Flugreisen.

Was ist los am deutschen Himmel? Die Fluggesellschaften nennen Engpässe bei den Flugsicherungen, Fluglotsenstreiks, Wartezeiten bei den Passagierkontrollen und häufige Unwetter als Gründe. Hinzu kommen die Folgen der Pleite von Air Berlin im vorigen Jahr. Die Lufthansa-Tochter Eurowings und Easyjet haben zwar die meisten Flugzeuge der Berliner übernommen. Doch die Ummeldung auf die neuen Eigentümer und Einbindung der Crews dauert lange.

In einem Brief von Eurowings an die Kunden des Lufthansa-Billigablegers heißt es, die Air-Berlin-Pleite sei vom Markt noch nicht verkraftet worden. „Nie zuvor hat es im europäischen Luftverkehr einen derart gravierenden Marktaustritt gegeben. Die laufende Übergangsphase ist operativ wie logistisch ein enormer Kraftakt, für den es keine Blaupause gibt“, schreibt Eurowings-Chef Thorsten Dirks. Der Lufthansa-Konzern hat seine Kunden ebenfalls um Entschuldigung für die massenhaften Verspätungen und Flugausfälle der vergangenen Monate gebeten: „Unsere Pünktlichkeit ist aufgrund der aktuellen Beschränkungen des europäischen Luftraums auf ein für uns inakzeptables Niveau gesunken“, steht in einem Schreiben.

Doch das dürfte nur die halbe Wahrheit sein. Nach der Pleite von Air Berlin haben sich Airlines um attraktive freiwerdende Zeiten für Starts und Landungen, so genannte Slots, beworben. Sie sind der wahre Schatz der Insolvenzmasse. Aber weil Flugzeuge und das Personal fehlen, können sie diese gar nicht bedienen. Dies liegt wiederum auch daran, dass Airbus mit Lieferschwierigkeiten kämpft, weil Triebwerke eines Zulieferers fehlen.

Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands fordert Konsequenzen. Die Schwierigkeiten dürften sich nicht „zu einem Drama für Verbraucher ausweiten“. Es dränge sich die Frage auf, „ob sich Lufthansa mit der Air-Berlin-Übernahme nicht doch verhoben hat“.

Und als ob das nicht genug wäre, hat auch noch Ryanair dicke Probleme. Dem irischen Billigflieger liefen die Piloten davon, dazu kamen organisatorische Schwierigkeiten, in Zeiten mit vielen Krankheitsausfällen Crews zusammenzubekommen. Es wird gestreikt. Ende Juli müssen sich Kunden auf Arbeitsniederlegungen in mehreren europäischen Ländern einstellen. Die an zehn deutschen Basen stationierten Ryanair-Piloten sollen abstimmen, ob sie für ihre Forderungen nach höherer Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen notfalls in einen unbefristeten Ausstand treten würden. Wegen eines auf 24 Stunden angesetzten Streiks fanden bis zu 30 seiner 290 Flüge an irischen Flughäfen nicht statt. (mit dpa)

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© Südwest Presse 14.07.2018 07:45
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