Hier schreibt der Leutze Club

2016 und 2018 jähren sich zwei Jubiläen des Malers Emanuel Leutze

  • Das Grab von Emanuel Leutze auf dem Glenwood Cemetery in Washington, D.C. Neben ihm ruht Ida Maria Leutze, verh. Wheeler (1846-1908).
  • Dr. Barbara Wolanin, Kuratorin des Architect of the Capitol, und Heidrun Irre vor dem Wandgemälde Westward the Course of Empire Takes Its Way (Westwärts nimmt der Gang des Imperiums seinen Lauf) (1862).
  • LuLen Walker, Kuratorin der Georgetown University in Washington, D.C., und Heidrun Irre vor dem frühen Selbstbildnis von Leutze. Das Gemälde befindet sich im Magazin der GU Library und zeigt Leutze im Alter von etwa dreißig Jahren.

Große Ereignisse werfen lange Schatten voraus. Auch nach der Landesgartenschau 2014 gibt es Ereignisse, mit denen die Schwäbisch Gmünd punkten kann. 2016 jährt sich der Geburtstag des Historienmalers Emanuel G. Leutze zum 200. Mal. Um darauf hinzuweisen, veranstaltet der LEUTZE Club Schwäbisch Gmünd seit vier Jahren Feste zu Ehren Leutzes. 2018, zwei Jahre später jährt sich sein 150. Todestag.

Leutzes letzte Lebensjahre waren nicht die besten. Finanzielle und gesundheitliche Probleme hemmten seine Kreativität und überschatteten seine berufliche Laufbahn. Am 18. Juli 1868, einem extrem heißen Sommertag, arbeitete er in seinem Washingtoner Atelier. Nach einem Spaziergang brach er zusammen, gegen 16 Uhr wurde er bewusstlos und abends um 9:30 erlag er vermutlich einem Gehirnschlag. Seine ältere Tochter Ida war bei ihm. Zwei Tage später wurde er auf dem idyllischen Glenwood Cemetery bestattet. Ein einfacher Grabstein, der nur seinen Namen und sein Geburts- und Todesjahr trägt, schmückt seine letzte Ruhestätte. Seine Tochter Ida Leutze Wheeler (geb. 1846 in Düsseldorf) wurde 1908, vierzig Jahre später, neben ihm beerdigt.

Leutze hat die Hälfte seines Lebens in Gmünd und Düsseldorf verbracht und die andere Hälfte in den Vereinigten Staaten. Somit ist es schwierig zu entscheiden, ob er nun ein deutscher Amerikaner oder ein amerikanischer Deutscher war. Eigentlich war er ein Symbol deutsch-amerikanischer Beziehung. Dies ist ein weiterer Grund weshalb der LEUTZE Club ihn zum Paten wählte, denn die Leutzeaner möchten die über sechzig-jährige deutsch-amerikanische Freundschaft in Schwäbisch Gmünd weiter pflegen.

Zu den Vorbereitungen im Vorfeld des Bicentennials in Gmünd gehört auch das Knüpfen der Beziehungen zu Institutionen und Museen, die Bezüge zu Leutze aufweisen. Einen ersten Schritt in diese Richtung machten Heidrun Irre, Vorsitzende des LEUTZE Clubs, und ihr Ehemann Peter Irre, die seit Jahren das Leben und Œuvre Leutzes recherchieren. Heidrun Irre erhielt 2012 ein Fellowship (Forschungsstipendium) von der USCHS (United States Capitol Historical Society), um in den Archives des AOC (Architect of the Capitol), der Library of Congress, den National Archives und den Archives of the American Art der Smithsonian Institution zu forschen. Überall nahmen die Eheleute Irre neben dem einhorn Jahrbuch 2011 eine Büttenreproduktion des Geburtshauses, gemalt von der Gmünder Künstlerin Ilse Dörfler, als Souvenir aus der Leutzestadt mit.

Das US Kapitol, die amerikanische Walhalla, beherbergt das größte Werk Leutzes, die Monumentalkomposition Westward the Course of Empire Takes Its Way (Westwärts nimmt der Gang des Imperiums seinen Lauf). Sie ist 609,6 auf 914,4 cm groß und befindet sich im westlichen Treppenaufgang des Repräsentantenhauses. Das Wandgemälde ist nicht so bekannt wie sein Meisterwerk Washington Crossing the Delaware (1851) im Metropolitan Museum of Art in New York, da es für Touristen nicht zugänglich ist. Umso mehr erfreute es Heidrun und Peter Irre, dass sie es aus nächster Nähe betrachten durften.

Der ungewöhnlich lange Titel ist ein Zitat aus einem Gedicht des irischen Philosophen Bishop Berkeley, der 1728 in die Staaten ausgewandert war und die Auffassung vertrat, dass der Fortschritt der Zivilisation nach Westen strebe. Meist wird der Titel mit Westward Ho! abgekürzt. Leutze erhielt den Auftrag im Juli 1861, als in den Staaten der Bürgerkrieg (1861-1865) tobte. Dieser konnte ihn aber nicht davon abhalten, im August 1861 eine Studienreise in die Rocky Mountains zu unternehmen, um vor Ort Skizzen anzufertigen. Einige davon sind erhalten geblieben und in der Library of Congress einsehbar. Er vollendete das Riesengemälde im November 1862. Es stellt das Vordringen der Pioniere Richtung Westendar. Erschöpft aber glücklich erreichen sie den Pazifischen Ozean. Unter dem Hauptgemälde zeigt Leutze ein Panorama des „Goldenen Tores“ (Golden Gate) in der San Francisco Bay. Die allegorische Darstellung der erfolgreichen Besiedlung des weiten Landes sollte den Amerikanern in den schweren Bürgerkriegszeiten Hoffnung machen.

Das Besondere an dem Siedlungsgemälde ist, dass es nicht in der üblichen Technik der Freskenmalerei gefertigt wurde, sondern in einem schwierigen Verfahren, das Leutze in München und Berlin von Wilhelm von Kaulbach gelernt hatte. Es handelt sich um die Stereochromie, bei der sich die speziell präparierten Farben mit der Unterlage zu einer untrennbaren Schicht verbinden und am Ende mit Wasserglas besprüht und versiegelt werden, um eine besondere chromatische Brillanz zu erzielen. Es war das erste Wandgemälde in den Staaten, das in dieser neuen, europäischen Methode gemalt wurde. 1898-99 wurde es unter der Leitung von Dr. Barbara Wolanin, Kuratorin des Amtes Architect of the Capitol, aufwändig gereinigt und konserviert und seitdem erstrahlt es in neuem Glanz.

Das Gemälde liefert auch den Beweis dafür, wie Leutze selbst seinen Vornamen schrieb. Üblicherweise signierte er sowohl seine Gemälde als auch seine Korrespondenz mit „Leutze“ oder „E. Leutze“ oder monogrammierte sie nur mit „E.L.“ Das Gemälde im Kapitol bezeichnete er ausnahmsweise mit seinem vollständigen Namen: „Painted by Emanuel Leutzé. 1862.

Im Besitz der Museen der Smithsonian Institution befinden sich einige Werke Leutzes, so z.B. die zweite der beiden Vorstudien zum Wandgemälde Westward Ho! von 1861. Ein fast unbekannt gebliebenes Selbstporträt durfte Heidrun Irre im Kunstgewölbekeller der Georgetown University Library bewundern. Kuratorin LuLen Walker ist sehr stolz auf dieses frühe Selbstbildnis, das sie als „ein seltenes Juwel“ betrachtet.

Leider wird Leutzes Œuvre auf zwei Gemälde reduziert, das weltberühmte Washington Crossing in New York und das Westward Ho! in der amerikanischen Hauptstadt. Sein malerisches und geistiges Vermächtnis besteht allerdings aus weit mehr als nur diesen beiden Gemälden. Davon zeugt die weltweit größte Sammlung an Ölgemälden im Besitz des Museums im Prediger in seiner Geburtsstadt Gmünd. Davon wird auch die geplante Ausstellung im „Leutzejahr“ 2016 zeugen.

© Leutze Club 25.07.2013 20:23
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