Hier schreibt die Interessengemeinschaft Streuobst Weiler

Ein schönes Miteinander und Füreinander in Weiler.

  • Mittagessen im Hofcafe
  • Die Freitagsgruppe
  • Afrikanische Tragweise

(von Rudi Übelhör)
Immer am ersten Mittwoch im Monat kommen Interessierte zum geselligen Stammtisch „IG Streuobst Weiler i. d. B. in das Hofcafe nach Herdtlinsweiler. Michael Kortus, ein Gmünder, der schon seit geraumer Zeit die Idee umsetzt, die wertvollen Streuobstwiesen rund um Weiler zu erhalten und zu nutzen, hat die Kartierung sowie die Koordination der MLR-Maßnahmen sowie des LEADER-Projekts übernommen. Bei einem dieser Treffen wurde vor ein paar Tagen die Idee geboren, mit Hilfe von Flüchtlingen aus Gmünd und Aalen bei einer gemeinsamen Aktion auf den Streuobstwiesen rund um Weiler Äpfel zu sammeln und Saft daraus zu pressen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf des Apfelsaftes soll vor allem Kinder aus dem Kriegsland Syrien, die jetzt unter sehr schlechten Bedingungen in Anrainerstaaten (über)-leben, geholfen werden.
So trafen sich dann am Freitag, den 7. November nachmittags am Parkplatz beim Kindergarten ca. 15 Flüchtlinge und einheimische Helfer. Ein großer Einachs-Anhänger mit hohen Seitenwänden stand schon parat, um dann mit dem Sammelobst befüllt zu werden. Maria Kurz und Michael Kortus teilten die Helfer in kleinere Gruppen auf. Die Flüchtlinge, die jetzt mit Eimern und Säcken ausgerüstet zu den nahen Apfelbäumen gingen, kommen aus Pakistan, Afghanistan, Syrien, Eritrea, Nigeria und Ghana. Eine wärmende Nachmittagssonne förderte zusätzlich die schon von Beginn an gute Stimmung unter den Sammlern und rasch füllte sich ein Jutesack nach dem Anderen. Diese wurden dann, ganz nach afrikanischer Manier, auf dem Kopf zum Traktor-Anhänger getragen. Frau Sorg, die das große Grundstück oberhalb des Parkplatzes zum „Äpfelklauben“ zur Verfügung gestellt hatte, war hier mit ihrer fröhlichen Art schnell der Mittelpunkt der jungen afrikanischen Helfer. „Mama Rita“, wie sie gleich liebevoll gerufen wurde, konnte in unnachahmlicher Weise das Sprachgewirr problemlos auf schwäbisch koordinieren und mit einem klaren.....“noi, den Apfel ned, der isch faulig“......wurde somit nur beste Qualität sichergestellt und eingesammelt. Auch Bernd Sattler vom Arbeitskreis Asyl und Pat Mueller mit dem Projekt „die Welt lebt in Gmünd“ konnten mit freundlichen Worten und mit ihrer Erfahrung im Umgang mit teilweise traumatisierten Menschen sehr gut umgehen und damit für eine überaus positive und lockere Stimmung sorgen. Die Freitags-Gruppe schaute sich dann am Schluss des ersten Sammeltages stolz den bereits halbvollen Anhänger an.

Am Samstag-Morgen trafen sich die Helfer wieder am Parkplatz beim Friedhof und mit neu hinzugekommenen Flüchtlingen, vor Allem aus Syrien, konnte Aktionstag 2 gestartet werden. Die erste Frage die gestellt wurde, war,........where is Mama Riitah ?........Somit begann erneut die Sammelaktion sehr gelöst und, wieder durch die warme Sonne unterstützt, mit einer guten Stimmung.

Obstbaumgrundstücke am „Drachenberg“, in der Pfaffenklinge, an der Hohen Reute, in den Halden zur Ölmühle, bei den Steinbacher Höfen und in Herdtlinsweiler erbrachten noch einmal volle Säcke und Eimer und der von Familie Feifel bereitgestellte Anhänger war um 14 Uhr randvoll gefüllt. Ortvorsteher Bernhard Feifel fuhr dann die 2 Tonnen schwere Ladung, bestehend aus den unterschiedlichsten, teilweise alten Apfelsorten, sofort nach Weißenstein zur Firma AUER-Fruchtsäfte, die das Pressen des Saftes zu Gunsten des Flüchtlings-Hilfsprojektes ausführen wird. Mit der Saftmenge können über 1400 Flaschen abgefüllt werden! Diese werden dann beim Weihnachtsmarkt in Weiler, vor dem Modegeschäft Rettenmayer in Gmünd und in den Filialen AUER-Fruchtsäfte ab 29. November zum Verkauf angeboten.
Spontan hat Familie Mangold vom Hofcafe in Herdtlinsweiler die ganze Helferschar am Samstag-Nachmittag zum Abschluss-Mittagessen eingeladen und die „kultur- und religionsgerechten Speisen und Getränke“ wurden begeistert eingenommen.
Während des Sammelns der Äpfel hatten wir „einheimischen Helfer“ immer wieder die Möglichkeit, mit den teils sehr jungen Flüchtlingen zu reden. Vor Allem die Bootsflüchtlinge erzählten, oft stockend, von ihrer dramatischen Flucht, die sich über Monate hinzog. Nachts mussten sie marschieren, um sich dann tagsüber vor kriminellen Banden zu verstecken. Und die furchtbaren Erlebnisse auf den kleinen Booten sind für uns „Wohlstandsbürger“ nicht nachvollziehbar. Viele von ihnen erreichten dann sicheren Boden buchstäblich mit nichts wie ein Hemd und eine Hose. Das wieder auf uns zukommende Weihnachtsfest, das „Fest der Liebe“ wird bei uns Helfern sicher Nachdenklichkeit aufkommen lassen. Aber auch rückblickend auf die Aktion „Streuobst für Syrienhilfe“ wird die Erinnerung an etwas Schönes bei uns zurückkehren.

Weiler hat einmal mehr bewiesen, dass „hier etwas geht“!
Eine hoffnungsvolle Aktion für alle Aktivisten, nachahmenswert und wiederholungswert bei ähnlichen Anlässen. Unser Dank gilt deshalb besonders allen Grundstücksbesitzer sowie den vielen Helfer und Gönner. Einen großen Dank an Michael Kortus, dem Initiator der Streuobstinitiative Weiler und dem Hofcafe für die großzügige Bewirtung.

Unterstützt wurde die Aktion der IG Streuobst Weiler von folgenden Vereinen und Einrichtungen: Ahmadiyya Muslim Jamaat Aalen Arbeitskreis Asyl, AUER Fruchtsäfte, glück u. daemgen Büro für Gestaltung, Hofcafe Mangold, dem Ortschaftsrat Weiler, NEW LIMES u. WIR! 2.0 , Projekt : die Welt lebt in Gmünd, Streuobstzentrum Schwäbisch Gmünd und der Stadt Schwäbisch Gmünd.

© Interessengemeinschaft Streuobst Weiler 10.11.2014 16:54
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