Familienweihnachten in South Carolina

Die selbstgebackenen Plätzchen von Oma Friede haben es von Bopfingen bis nach Greenville geschafft. Kerzenlicht und Räucherstäbchen bescheren Susi Gentner und ihrer Familie in der Ferne heimatliche Weihnachtsgefühle.
  • Susi Gentner lebt mit ihrer Familie in Greenville, South Carolina.

Susi Gentner

30 Jahre lief an Weihnachten alles gleich ab – plötzlich muss es anders funktionieren. Schon als Jugendliche träumte ich davon, einmal im Ausland zu leben. Ich erinnere mich noch genau, als mir mein Mann Anfang 2016 erzählte, dass er ein Gespräch bezüglich eines Jobwechsels in die USA hatte.

Wir haben nicht lange gezögert und uns entschlossen, uns mit unseren Kindern Leonard (5) und Mariella (3) auf den Weg zu einem riesengroßen Abenteuer zu begeben. Die Wochen bis zur Abreise vergingen wie im Flug. Da blieb keine Zeit darüber nachzudenken, ob es richtig oder falsch ist, diesen Schritt zu gehen. Erst als wir im Flugzeug in die USA saßen, habe ich mir das erste Mal gedacht „meine Güte, das ist schon ziemlich verrückt, was wir da machen.“

Die richtige Entscheidung

Heute, nachdem wir über eineinhalb Jahre hier in Greenville, South Carolina, leben, kann ich völlig überzeugt sagen: Es war die richtige Entscheidung. Wir sind als Familie durch die Herausforderungen und außergewöhnlichen Situationen noch weiter zusammengerückt und zu einem richtig tollen Team geworden! Alleine deshalb hat es sich gelohnt!

Vor Weihnachten im letzten Jahr hat es mir ein wenig gegraust. Uns wurde in Bezug auf die Eingewöhnung der Kinder von erfahrenen Familien abgeraten, nach nur sechs Monaten den ersten Heimaturlaub zu machen. Dabei war ich mir bis dahin so sicher, Weihnachten zu Hause in Bopfingen zu feiern. Nach Überlegungen, Weihnachten als Familie alleine oder mit Freunden von hier zu feiern oder in den Urlaub zu fahren, haben wir uns doch entschieden, die Familien zu Hause zu fragen, ob sie nicht zu uns kommen möchten. Ich war nervös, als wir meine Schwiegereltern anriefen – und unglaublich erleichtert, als mein Schwiegervater innerhalb von Sekunden sagte: „Ja klar, wir kommen.“

Wir feiern auch in South Carolina Weihnachten nach deutschem Brauch. Den Kindern haben wir erzählt, dass sie sich keine Sorgen machen müssen und uns das Christkind auch in den USA findet. Wie ich es von meinem Papa gelernt habe, ist an Heiligabend kein elektrisches Licht an. Es brennen viele Kerzen, es spielen Weihnachtslieder von einer Panflöte und es duftet leicht nach Räucherstäbchen. Einen echten Tannenbaum gönnen wir uns auch, alleine wegen des Duftes. Echte Baum-Kerzen gibt es hier nicht zu kaufen. Stattdessen zieren mehrere hundert kleine Lichtlein einer Lichterkette den Baum.

Plätzchen von Oma Friede

Die riesige Auswahl der selbstgebackenen Plätzchen von Oma Friede haben es auch bis nach Greenville geschafft. Danke dafür! Auch das ist etwas, was uns hier in der Ferne etwas Heimat schenkt. Gegessen wird, wenn die Kinder sich – wenigstens für eine kurze Zeit – von den Geschenken loslösen können. Wir freuen uns riesig, dass Oma Moni und Opa Charly auch dieses Jahr wieder mit uns Weihnachten feiern. Für sie ist es auch ein besonderes Erlebnis, die vielen kunterbunt geschmückten und beleuchteten Häuser zu bestaunen. Einige fangen bereits Ende September an, die Häuser für Weihnachten vorzubereiten.

Auch wenn sich alles sehr positiv anhört, fehlen Familie und Freunde in dieser Zeit besonders, wie auch der jahrelange routinierte Ablauf an Weihnachten. So kam mir die Idee, unseren Familien, Freunden, Arbeitskollegen und Bekannten diesen unangekündigten Weihnachtsgruß zu senden.

Allerliebste Grüße gehen vor allem an meine Mama und meinen Papa, an Sarah, Alex und Martin jeweils mit Familien, an alle Omas, Opas, Tanten und Onkel mit Familien und an unsere Freunde. Wir wünschen allen frohe Weihnachten, besinnliche Feiertage und einen guten Start in ein glückliches und gesundes Jahr 2018.

Wir freuen uns riesig, wenn wir euch im Juli zur Ipfmess’ dann persönlich wiedersehen.

Susi, Christian, Leonard und

Mariella Gentner

© Schwäbische Post 23.12.2017 00:39
522 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.