Grietin zu Weihnachten

Alyssa Schubert fühlt sich in ihrer litauischen Gastfamilie sehr wohl und kommt bestens mit den dortigen Lebensumständen zurecht. Die Feiertage erwartet sie mit Spannung.
  • Die 16-jährige Alyssa Schubert aus Unterschneidheim ist begeistert von Litauen und freut sich auf Weihnachten. Foto: privat

Alyssa Schubert

Ich bin mittlerweile seit fast vier Monaten in Litauen. Ein wunderbares Land am Rande Europas. Viele sagen hier Alice zu mir, wie Alice im Wunderland. Ich hatte die Wochen und Monate davor große Vorfreude, für ein Jahr ins Ausland zu gehen.

Am Flughafen war ich sehr nervös, da ich noch nie geflogen bin. Als ich in Litauen ankam, haben uns ehemalige YFU (Youth for Understanding)-Austauschschüler begrüßt. Wir waren anschließend in einem dreitägigen Camp zur Vorbereitung. Am dritten Tag habe ich zum ersten Mal meine Gastfamilie getroffen. Ich habe drei Mädchen als Geschwister (4, 9 und 12 Jahre alt).

Ich verbringe mein Austauschjahr in Klaipeda und kann so oft ich will zum wunderschönen Meer. Es ist atemberaubend, vor allem die Sonnenuntergänge. Am Strand gibt es einen deutschen Bunker, den ich schon besichtigt habe. Ich war jetzt schon in einigen Orten und jeder ist wirklich schöner als der andere. Da ich sehr gerne fotografiere, ist es perfekt. Es gibt hier auch außergewöhnlich tolle Landschaften. Die Hauptstadt Vilnius hat eine schöne Altstadt mit vielen Sehenswürdigkeiten. Klaipeda ist die drittgrößte Stadt Litauens und hat den größten Hafen.

Wenn man nach Litauen kommt, sollte man zwei Dinge mögen: Knoblauch und Grietin. Diese Grietin essen sie zu fast jedem Gericht. Aber auch Kartoffeln. Bis jetzt habe ich schon ein paar traditionelle Gerichte probiert wie Cepelinai und Kugelis. Cepelinai erinnern an Kartoffelknödel mit Fleisch gefüllt. Kugelis sind aus Kartoffelteig mit Fleisch- und Speckstücken darin.

In Litauen werden viele Feste und Traditionen gefeiert. Zum Beispiel der erste Schultag am 1. September. Jeder Schüler gibt seinem Lehrer eine Blume. Dank einer separaten Schule kann ich meinem Hobby, dem Fotografieren, nachgehen. Ich besuche zusätzlich einen Floristikkurs.

Wer Basketball liebt, sollte auf jeden Fall nach Litauen gehen. Denn hier ist jeder so sehr Basketballfan, wie wir Deutsche Fußball lieben. Die Schule in Deutschland ist um einiges strikter. Die Noten in Litauen gehen von 1 bis 10 (10 ist das Beste). Ich habe mit Abstand den besten Stundenplan der Schule, da ich auch sehr oft ,,Langas“ habe, was so viel bedeutet wie Freistunde. Hier gehen die meisten ins Gymnasium. Wenn man im Unterricht etwas sagen möchte, kann man es einfach sagen ohne sich vorher zu melden. In den Klassen dürfen Handys benutzt werden. Diese Chance nutzen so manche Schüler zum Schummeln. Oft ist auch so, dass der Lehrer mitten in der Arbeit raus geht oder die Schüler miteinander reden. Auch hören manche Schüler im Unterricht Musik.

Hier sprechen sehr viele Russisch, ich leider nicht. Aber es gibt ein paar Leute, die Deutsch können. Litauisch ist eine schwere Sprache. Jedes Wort hat sieben verschiedene Endungen, je nach Situation.

Das Wetter ist eher regnerisch und windig, vor allem am Meer. Einmal war es so windig, dass ich schräg laufen musste. Auch bekomme ich öfters diverse Nachrichten, dass man aufpassen solle, da es zu sehr stürmt. Die Feuerwehr gibt Windstärkewarnungen aus. Einmal war ich bei starkem Wind im Meer schwimmen. Aber es war so schön, mit den Wellen zu schwimmen. Wahrscheinlich wird es dieses Jahr keinen Schnee hier geben.

Meine Gastfamilie freut sich immer, wenn ich ihnen etwas Traditionelles aus Deutschland koche. Sie essen sehr gerne meine selbstgemachten Spätzle. Mein Gastgeschenk war unter anderem eine Spätzlespresse.

Ich wünsche jedem ,,Frohe Weihnachten‘‘ und liebe Grüße aus Litauen. Eure Alyssa

© Schwäbische Post 23.12.2017 00:43
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