Weihnachten ist immer Reisezeit

Auch 2017 blickt Christa Kelly, die seit über 50 Jahren in Großbritannien lebt, mit Sorge auf die Entwicklungen diesseits und jenseits des Atlantiks. Und freut sich nach 20 Jahren, alte Freunde wiedergefunden zu haben.
  • Christa Kelly lebt seit 50 Jahren in England.

Christa Kelly

Kaum zu glauben, wie schnell das Jahr verging.

Ein aufregendes Jahr, das täglich Stoff für energische Debatten und heftiges Kopfschütteln lieferte. Ob Nachrichten rund um die Welt, Tweets von der anderen Seite des Atlantiks, Politik in Europa oder Großbritanniens Austritt aus der EU, man hatte Mühe, mitzuhalten.

Wir sorgten uns über Entwicklungen in der Politik – in beiden Ländern.

Sorge um die Brexitfolgen

So hoffen wir, dass die Weihnachtszeit ein bisschen Ruhe bietet. Erstens zum Verschaffen, was passiert ist und zweitens zum Nachdenken, was man sich für das kommende Jahr wünscht.

Nach über 50 Jahren im Vereinigten Königreich bereite ich mich vor, einen Bettelantrag zu stellen, damit ich meinem ehelichen Gelübde „for better, for worse“ (in guten und in schlechten Zeiten) nachkommen kann und nicht gezwungen bin, das Land zu verlassen.

Zeit, Weichen zu stellen

Viele Menschen stehen vor ähnlichen Kreuzungen und sind gezwungen, lebenswichtige Entscheidungen zu treffen.

Weihnachten und Sylvester bieten gute Gelegenheit dazu, Bilanz zu ziehen und die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Das Leben ist geprägt von Weichenstellungen und Wendepunkten, von Wahlen und Entscheidungen. Ob wir in der Lage sind, selbst zu entscheiden oder ob andere die Weichen stellen, die Zukunft verlangt neues Denken und Handeln und großen Mut und Zuversicht.

Oft sind wichtige emotionelle Änderunen nötig, um den neuen Weg zu meistern. Und wer uns dabei hilft, bleibt oft ein lebenslanger, treuer, Begleiter.

Weihnachtskarten-Tradition

Hier in England ist es Tradition, Weihnachtskarten zu verschicken. Die jährliche Weihnachtsliste ruft auf, ein kleines Lebenszeichen zu geben.

Man schreibt an die treuen Begleiter und an Leute, die bedeutenden Einfluss in unserem Leben hatten.

Oft ist dies der einzige Kontakt im Jahr, von alten Freunden zu hören. Umso schöner ist es, wenn man dazu die ein oder andere Überraschung bekommt, einen Brief, einen Anruf, eine Mail. Leider geben viele Leute die alte Tradition von Kartenschicken auf und schicken nur noch Mails oder bald gar nichts mehr.

Das Glück alter Freundschaften

Vielleicht hattet Ihr dieses Jahr Glück, alte Freunde wiederzufinden? Wir fanden Freunde, die schon 20 Jahre verschollen waren. Es tut gut, Bekanntschaften aufzufrischen, einander zuzuhören, was das Leben bescherte und einander zu versprechen, den Kontakt aufrecht zu erhalten. Wir alle brauchen Begleiter, in guten und besonders in schlechten Zeiten, um Freud und Leid miteinander zu teilen.

Zeit für einander ist eines der besten Geschenke, die wir machen können. Weihnachten ist oft auch die einzige Gelegenheit für Familientreffen.

Zeit, Versäumtes nachzuholen und an heimatlicher Zuneigung aufzutanken.

Besuch aus der Heimat

So werden unsere Tochter und Schwiegersohn die Katze im Schwabenland daheim lassen und die Nordsee überqueren, um mit uns in England die Feiertage zu feiern. Wir freuen uns schon sehr darauf. Die Zeit wird viel zu schnell vergehen und der Abschied wird wieder eine traurige Geschichte sein.

Aber Weihnachten war schon immer Reisezeit, ob für Maria und Josef, für Anne und Tim oder für Tausende von Schwaben, die an Weihnachten ihre Heimat verließen, Teil der großen Völkerwanderung der Deutschen im Jahre 406.

Wir wünschen Euch allen, Verwandten und Bekannten, ein friedliches Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr!

Bleibt gesund und wartet nicht bis nächstes Jahr, bevor wir von Euch hören. Es würde uns wirklich freuen.

So long ...

Christa Kelly mit Familie

cms.kelly@btinternet.com

© Schwäbische Post 23.12.2017 00:47
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