Telemedizin: Beratung und Hilfe für Herzinsuffizienz-Patienten

Bei Anruf medizinische Beratung: Der Telemedizin-Dienst mecor steht Herzinsuffizienz-Patienten nach einem Klinikaufenthalt helfend zur Seite. Fachkräfte beantworten am Telefon die Fragen der im Schnitt 75 Jahre alten Patienten und sollen sie dabei unterstützen, nachteilige Verhaltensweisen zu ändern und ihre Herzgesundheit zu fördern.

Kombination auf Telefonberatung und Erfassung der Gesundheitsdaten

Der mecor-Dienst umfasst nicht nur die telefonische Betreuung von Erkrankten, die Patienten werden zusätzlich mit spezieller Hardware ausgestattet: einem Telemedizin-Gerät und einer Waage. Auf der Waage wiegen sich die Patienten jeden Morgen, damit etwaige Wassereinlagerungen frühzeitig erkannt werden. Die Daten überträgt die Waage an das Telemedizin-Gerät, auf dem die Erkrankten jeden Tag einige Standradfragen zu ihrem Gesundheitszustand per Tastendruck beantworten. Sämtliche Gesundheitsdaten werden automatisch an ein Datenzentrum gesendet und dort ausgewertet – dieses Verfahren nennt sich Telemonitoring.

Sind auffällige Veränderungen feststellbar, geht eine Warnmeldung an die zuständigen mecor-Fachkräfte. Diese nehmen dann Kontakt mit dem Patienten auf und organisieren gegebenenfalls einen Termin beim behandelnden Hausarzt oder Kardiologen. Im Idealfall reicht dann eine ambulante Behandlung – zu den Zielen des mecor-Dienstes gehört es, die Zahl der Krankhausaufenthalte für die Patienten zu reduzieren.

Startschuss für mecor ist Ende 2017 gefallen

Der mecor-Dienst wird von der Health Care Systems GmbH (HCSG) in Pullach bei München betrieben. Das Projekt ist eine Kooperation des Arzneimittelhersteller Novartis und der Krankenversicherung Knappschaft. Das Angebot für Patienten, die bereits wegen chronischer Herzinsuffizienz im Krankenhaus behandelt wurden, ging im Dezember 2017 an den Start. Die Betreiber rechnen mit rund 1.000 Teilnehmern bis Ende Februar 2018.

Neue Therapiemöglichkeiten bei chronischer Herzschwäche

Herzkrankheiten wie Herzinsuffizienz und die koronare Herzkrankheit sind Todesursache Nummer eins in Deutschland. Bei Herzinsuffizienz ist die Pumpfunktion des Herzmuskels eingeschränkt. Der Körper inklusive wichtiger Organe wird unzureichend durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Wer unter chronischer Herzschwäche leidet, plagt sich in der Regel seit längerer Zeit mit rascher Erschöpfung im Alltag. Durch die eingeschränkte Pumpfunktion des Herzens kann es zu einem Rückstau des Blutes in die Lunge und in die Venen kommen – Atemnot entsteht. Zudem kommt es häufig zu Wassereinlagerungen, die sich bis zur Lunge ausweiten können. Das Atmen fällt immer schwerer.


Hierzulande leiden knapp zwei Millionen Menschen unter chronischer Herzschwäche. Übergewicht, Bewegungsmangel sowie eine ungesunde Ernährungsweise begünstigen die Erkrankung. Die Therapiemöglichkeiten und damit die Überlebenschancen bei chronischer Herzinsuffizienz haben sich deutlich verbessert. ACE-Hemmer werden zur Blutdrucksenkung eingesetzt, Betablocker gegen Flüssigkeitseinlagerungen. Zudem kommt die neuartige Wirkstoffkombination Sacubitril/Valsartan zum Einsatz, wenn die Therapie mit ACE-Hemmer nicht ausreichend Wirkung zeigt.

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© Schwäbische Post 14.02.2018 08:41
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