Biathlon

Dahlmeiers Goldspiele sind eröffnet

Die Oberbayerin zeigt sich nervenstark und holt ihren ersten Olympiasieg. Frei von jedem Druck kann sie sich nun zum großen Star der Spiele krönen.
  • Ungewohnte Anspannung in der Vorbereitung, gewohnter Ausgang: Laura Dahlmeier schnappte sich erneut eine Goldmedaille – die Serienweltmeisterin sicherte sich auf Anhieb den ersten Triumph bei Olympia. Foto: Michael Kappeler/dpa
Es gibt inzwischen ein Ritual, das Laura Dahlmeier vornimmt, wenn der Journalisten-Pulk nach der Pressekonferenz zur individuellen Fragerunde auf sie zustürmt. Sie lehnt sich auf ihrem Stuhl weit zurück, schließt die Augen und atmet dreimal tief durch. Dann lässt sie den Fragenmarathon, der von rund 30 dicht gedrängten Reportern auf die 24-Jährige einprasselt, über sich ergehen.

Lockerheit hoch halten

„Es war nicht ganz einfach. Die Erwartungen von außen waren sicher genauso hoch wie meine eigenen“, sagte Dahlmeier nach ihrem Sprint-Sieg zum Olympia-Auftakt. „Trotzdem muss ich versuchen, in so einer Situation locker zu bleiben. Das ist ein Schlüssel zum Erfolg bei mir.“ Die Aussage gilt für Laura Dahlmeier im Sport genauso wie für die Öffentlichkeitsarbeit danach. Es war noch nie ihre Lieblingsdisziplin, sich vor großer Kulisse zu ihrem Star-Status zu äußern.

Doch was Laura Dahlmeier da auf der Loipe und dem Schießstand von Pyeongchang abgeliefert hatte, hob die Qualität der Ausnahme-Biathletin noch einmal auf eine neue Stufe. Dass sie mit der 66. Schießzeit insgesamt und der 76. im Stehendschießen Olympiasiegerin wurde, zeigte, wie hart die Partenkirchenerin um das erste Gold ihrer Karriere kämpfen musste. „Ich habe auf der Schlussrunde nochmal richtig Gas gegeben, weil ich genau wusste, dass ich so langsam geschossen hab. Deshalb habe ich so gefightet.“

Dennoch legte sie in eben diesem zweiten Schießen den Grundstein zum Sieg vor Marte Olsbu (1 Fehler/+24,2 Sekunden) und Veronika Vitkova (1/+25,8). „Ich habe versucht, es genauso zu machen wie sonst: Nicht übervorsichtig, aber trotzdem mit Bedacht.“ Das Goldrezept ging auf – und Bundestrainer Gerald Hönig war überwältigt: „Das ist eben Laura“, sagte er sichtlich gerührt. Die 24-Jährige zeigte, welch große Ausnahmesportlerin sie in einem eigentlich noch jungen Biathlon-Alter ist. Wieder hat sie eine schwierige Saison mit einem goldenen Höhepunkt gekrönt. Und das könnte erst der Anfang gewesen sein.

Denn mit einer mentalen und läuferischen Leistung wie im Sprint holt sich die Biathlon-Königin heute in der Verfolgung (19.10 Uhr/11.10 Uhr MEZ) gleich zum zweiten Mal Edelmetall. „Ich habe eine sehr gute Position mit einem guten Vorsprung“, so Dahlmeier. Sorgen macht sie sich höchstens wegen des gestern sehr stürmischen Windes: „Ich hoffe, dass es beherrschbare Bedingungen sein werden.“

Uschi Disl als Vorbild

Doch gelassen, wie sie als erstmalige Olympiasiegerin nun sein kann, bemühte Laura Dahlmeier für die nun folgenden Rennen das Original-Motto von Uschi Disl nach ihrer ersten Goldmedaille bei der WM 2005 in Hochfilzen: „Now can come, what wants“, sagte die erfolgreiche Oberbayerin damals nach dem Sprint – und die ansonsten gut Englisch sprechende Dahlmeier im Scherz nun ebenso. Dabei hat „Gold-Laura“ doch längst ihr eigenes Motto kreiert: „Schaung ma amoi, na seng ma's scho“. Nachdem ihr der erste Gold-Coup gelungen ist, gilt das erst recht.
© Südwest Presse 12.02.2018 07:45
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