Katar sieht sich auf gutem Weg

Seit der WM-Vergabe Ende 2010 hagelt es Kritik. Es gebe aber Fortschritte, beteuern die Macher.
Es wird geschweißt, betoniert, Stahl verlegt – und es ist brütend heiß. Der Rohbau des WM-Stadions Al Bayt im Norden von Doha ist in Arbeit. Hier sollen bei der umstrittenen Fußball-WM 2022 in Katar Spiele bis ins Halbfinale stattfinden. Rund 2500 Arbeiter sind in Schichten rund um die Uhr im Einsatz. Gespielt wird im Winter, kurz vor Weihnachten. Vorgesehen ist der Zeitraum vom 21. November bis zum 18. Dezember.

Seit der Vergabe des Milliarden-Spektakels ans Emirat am Persischen Golf im Dezember 2010 hagelt es Kritik. Mit dem Termin hat man sich mittlerweile arrangiert, die immer wieder angeprangerte Situation für die vielen Gastarbeiter auf den vielen Baustellen in dem wirtschaftlichen Boomland sorgt internationale Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen dagegen weiter. „Jede Nation, die eine WM ausrichtet, wird mit Kritik konfrontiert. Auch Deutschland 2006“, sagt Hassan Al Thawadi. Wenngleich die Kritik an Katar aggressiv gewesen sei. Der Generalsekretär des Organisationskomitees ist ein wortgewandter Mann. Er stellt sich allen Fragen, auch denen zu den Bedingungen des kleinen Teils der insgesamt etwa 2,2 Millionen Gastarbeiter, der auf den WM-Baustellen arbeitet. In der Summe hat Katar rund 2,4 Millionen Einwohner.

Es könne vielleicht die Geschwindigkeit des Fortschritts kritisiert werden, aber es gebe einen Fortschritt, betont Al Thawadi. Im Dezember erklärte der Arbeitsminister das Ende des sogenannten Kafala-Systems. Dieses stand international in der Kritik, weil es ausländische Arbeitskräfte entrechte.

„Es ist zwar positiv, dass Katar das Problem erkannt hat und auf die Forderung reagiert, das kritisierte Sponsoren-Prinzip abzuschaffen“, sagte René Wildangel, Amnesty-International-Experte für den Nahen und Mittleren Osten. „Das neue Gesetz bietet aber kaum konkrete Verbesserungen und keinen ausreichenden Schutz. Arbeitsmigrantinnen und -migranten in Katar sind weiterhin von Ausbeutung und Zwangsarbeit bedroht.“ Die Kritik wird so schnell nicht abebben. Und: Bis 2022 ist es noch lang. dpa
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© DPA 11.01.2017 07:46
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