Klimawandel erhöht Gefahr durch Hochwasser im Land

Baden-Württemberg muss deutlich mehr in Schutz vor den Fluten investieren. Der Südwesten ist bundesweit am stärksten betroffen.
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    Diesmal ging es noch glimpflich aus: Die Bundesstraße 37 im Bereich der „Alten Brücke“ in Heidelberg am Dreikönigstag. Foto: dpa
Ohne weiteren Deichausbau, veränderte Baustandards oder auch Siedlungsverlagerungen wird die Zahl der von Hochwasser und Überschwemmungen betroffenen Menschen bis in die 2040er-Jahre erheblich steigen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Für Deutschland könnte sich die Zahl der Menschen, die von den stärksten Hochwasserereignissen betroffen sind, in den kommenden 25 Jahren auf 700 000 versiebenfachen.

Baden-Württemberg verzeichnet dabei das größte Risiko in der ganzen Bundesrepublik mit einem Anstieg um das Vierzehnfache, wenn der Schutz gegen Überschwemmungen nicht erhöht wird. Oder anders gesagt: Im Land muss das Schutzniveau, etwa durch den Ausbau von Deichen, auf das Vierzehnfache gesteigert werden, wenn sich die Zahl der Betroffenen nicht erhöhen soll. Bereits heute sind etwa 90 Prozent der Städte und Gemeinden laut Landesregierung potenziell von Hochwasser betroffen.

„Wir waren überrascht, dass selbst in hoch entwickelten Ländern mit guter Infrastruktur der Anpassungsbedarf so groß ist“, erklärte Mit-Autor Anders Levermann. Die Ergebnisse der Forscher beruhen auf Computersimulationen. Außer in Mitteleuropa sei der Druck in Amerika, Teilen Indiens und Afrikas sowie in Indonesien am größten.

Die Ergebnisse „sollten eine Warnung für die Entscheidungsträger sein“, betont Levermann. Die Probleme zu ignorieren führe zu gravierenden Folgen. „Wir müssen jetzt beides tun: Anpassung an den bereits verursachten Klimawandel und Begrenzung zukünftiger Erwärmung“, fordert der Forscher: „Nichtstun wäre gefährlich.“

Dabei geht es um viel Geld. 2017 stellte die Landesregierung für Hochwasserschutz und Gewässerökologie 2017 rund 90 Millionen Euro bereit. Diesen Betrag müsste man nach Ansicht des Instituts vervielfachen. Die Landesregierung arbeitet bereits an einem Konzept zur Abschätzung der Klimafolgen.
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© VON HAJO ZENKER 11.01.2018 07:45
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