Protest mit Todesanzeigen

Der geplante Bau eines Pumpspeicherkraftwerks im Schwarzwald ruft Umweltschützer auf den Plan.
Mit überdimensionalen Todesanzeigen für seltene und geschützte Tier- und Pflanzenarten standen Natur- und Umweltschützer des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gestern Morgen vor der Seebodenhalle in Wehr (Kreis Waldshut). Mit ihrer Aktion wollten sie deutlich machen, welch massiver Eingriff der Bau des geplanten Pumpspeicherkraftwerks Atdorf im Südschwarzwald wäre.

Noch ist nicht klar, ob das gigantische und noch immer umstrittene Projekt umgesetzt werden kann. In der Seebodenhalle hat gestern der Erörterungstermin zum Planfeststellungsverfahren begonnen. Bis zum 28. Januar werden die mehr als 1300 Einwendungen gegen das Projekt durchgearbeitet. Auch der BUND habe eine „umfangreiche Stellungnahme“ dazu abgegeben, sagt Franz Pöter, Energie-Experte des Bund. Darin werde dem Vorhaben „eine klare Absage“ erteilt.

Nach fast sieben Jahren Planungszeit nähert sich der Bauherr, die Schluchseewerk AG, dem Ziel: der Baugenehmigung für das Pumpspeicherkraftwerk. In ihm soll der Strom, den Windkraft- und Solaranlagen produzieren, gespeichert werden. Das Kraftwerk soll gewaltige Ausmaße annehmen. 180 Hektar Fläche sollen dafür verbraucht werden. 21 Gemeinden sind betroffen. Für das obere Becken müsste ein Berg abgetragen, für das untere ein Tal aufgefüllt werden. 1111 Quellen oberhalb von Bad Säckingen seien von dem Projekt betroffen, sagt Franz Pöter. Werde es umgesetzt, sei zu befürchten, dass viele der Quellen trocken fallen. Säckingen müsste um das Prädikat „Bad“ bangen.

Nicht nur Quellen sind bedroht. Auch seltene und streng geschützte Tier- und Pflanzenarten würden dem Bau zum Opfer fallen. Deshalb haben die Naturschützer diese Tiere und Pflanzen mit Todesanzeigen symbolisch zu Grabe getragen. Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des Bund, war gestern in Wehr. „Der erste Tag der Anhörung zeigt: Die zunächst wohlwollende Beurteilung des Projekts hat sich zu einer grundsätzlichen Ablehnung gewandelt.“ Dass sich der BUND, die Gemeinden Herrischried, Bad Säckingen und Rickenbach sowie der Schwarzwaldverein, die Bürgerinitiative Atdorf und viele mehr dagegen aussprechen, sei ein „deutliches Signal“. Der BUND habe das Landratsamt aufgefordert, die Genehmigung nicht zu erteilen. Petra Walheim
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© PETRA WALHEIM 11.01.2017 07:46
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