Order aus Mailänder Gefängnis

Der Boss sitzt hinter Gittern, aber er gibt die Strategie vor. Seine Familie baut eine kriminelle Holding auf.
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    Hubschrauber-Einsatz bei der Razzia: Die Polizei geht gegen die Ndrangheta vor. Foto: Carabinieri/dpa
Im Rahmen der größten Verhaftungswelle gegen die kalabrische Mafia seit 23 Jahren haben deutsche und italienische Ermittler den Ndrangheta-Clan Farao-Marincola zerschlagen. In Deutschland wurden elf Verdächtige verhaftet. In der Clan-Heimatprovinz Crotone in Kalabrien gingen den Ermittlern mehr als 150 Verdächtige ins Netz. Ihnen werden schwere Straftaten wie Erpressung, Geldwäsche und Korruption vorgeworfen. Die in Deutschland gefassten Verdächtigen sollen so schnell wie möglich nach Italien überstellt werden, sagte gestern ein Sprecher der Carabinieri im süditalienischen Crotone.

Der 71-jährige Ndrangheta-Boss Giuseppe Farao gab laut Ermittlern aus dem Gefängnis in Mailand die Order aus, sich weniger auf Gewaltverbrechen zu konzentrieren. Sie sollten vielmehr illegale Profite in legale Geschäfte aller Art investieren. Über Abhängigkeiten von Investitionen schuf der Clan eine „kriminelle Holding“. Darüber wurden Restaurants in Deutschland gezwungen, Pizzateig und Wein aus Cirò, dem Heimatort des Clans, zu überhöhten Preisen zu kaufen. Mehrere Kellereien des bekanntesten Weins hatte der Clan zuvor ebenso unter seine Kontrolle gebracht wie zwei Häfen, ein Aufnahmezentrum für minderjährige Flüchtlinge und die örtliche Produktion von Halbfertigprodukten für Pizza.

Das Beziehungsnetz war den Angaben zufolge so eng, dass die in Deutschland ansässigen Mitglieder sich zur Beilegung von Konflikten untereinander an die Clan-Chefs in Kalabrien wandten.

In manchen Dörfern der Clan-Region holen kalabrische Mütter ihre Kinder mittags mit Autos von der Schule ab, die deutsche Nummernschilder tragen. Das sei eine Frage des Prestiges, sagt der vom Innenministerium eingesetzte Bürgermeister von San Luca, Salvatore Gullì. Der Ort steht derzeit bereits zum dritten Mal wegen Unterwanderung des Stadtrats durch die Ndrangheta unter kommissarischer Verwaltung. Bettina Gabbe
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© BETTINA GABBE 11.01.2018 07:45
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