Dopfersteine, Kunst und ein Kurort

Aufmerksamen Besuchern fallen im größten Aalener Stadtbezirk drei Dinge auf: Viele Gebäude sind aus einem besonderen Sandstein gebaut, reichlich bunte Kunst sticht hervor und es gibt sogar ein Ortsschild mit dem Titel „Luftkurort“.
  • Blick über Wasseralfingen. Am linken Bildrand ist die katholische Kirche St. Stephanus zu erkennen, in der Mitte die evangelische Magdalenenkirche. Rechts oben auf dem Braunenberg thront der charakteristische Fernsehturm des Südwestrundfunks. Foto: Alexander Schäffer

Aalen-Wasseralfingen. „Aalen bei Wasseralfingen“ – diese Lagebeschreibung für Aalen ist, so erzählt man sich, vor allem im Stuttgarter Raum im 19. Jahrhundert angegeben worden. In der Tat wurde im Jahr 1861 die Remsbahn von Cannstatt bis nach Wasseralfingen eröffnet – der Endpunkt war also nicht etwa Aalen, wie manch einer vermuten mag. Doch wie kam es zu dieser erstaunlichen Geschichte?

Blütezeit im 19. Jahrhundert

Während der Zeit des Königreichs Württemberg im 19. Jahrhundert erlebte der Ort am Rande der Schwäbischen Alb eine wahre Blütezeit. Die Einwohnerzahlen von Wasseralfingen stiegen von 465 Einwohnern im Jahre 1803 auf 2.015 Einwohner im Jahre 1843 an. Dieser Anstieg hing nicht zuletzt auch mit der großen Weltpolitik zusammen: Napoleons „Flurbereinigung“ auf der politischen Landkarte hatte die Säkularisierung zur Folge, woraufhin die Ortschaft zunächst der Fürstpropstei Ellwangen, später dann der Freien Reichsstadt Aalen zugeordnet wurde.

Das Königreich Württemberg erkannte den großen wirtschaftlichen Nutzen der bereits seit Jahrhunderten hier abgebauten Eisenerzvorkommen und deren Verhüttung. Wasseralfingen wurde zum Zentrum der württembergischen Schwerindustrie. Der Bau der Eisenbahn 1861 beschleunigte noch zusätzlich den wirtschaftlichen Aufschwung.

Ein besonderer Baustoff

Der Wasseralfinger Maurermeister Franz Dopfer arbeitete zu dieser Zeit an der Herstellung eines besonders beständigen Baumaterials. Er hatte die Idee, einen Abfallstoff aus der Wasseralfinger Eisenindustrie zu verarbeiten: die Schlacke aus den Hochöfen mischte er unter seine Kalk- und Sandsteine. Nachdem der Hochofen 1925 stillgelegt worden war und somit keine Schlacke mehr anfiel, wurde auch die Herstellung der Dopfersteine eingestellt. Doch der Stein aus diesen Zutaten erwies sich als außerordentlich hart und wetterbeständig. So prägen zahlreiche aus diesem Baustoff hergestellte Gebäude bis heute das Ortsbild Wasseralfingens.

Darunter fallen zum Beispiel die 1883 fertiggestellte katholische Stephanuskirche, die evangelische Magdalenenkirche von 1894 sowie das Rathaus von 1901, die Geburtsstätte von Künstlerpfarrer Sieger Köder; das Rathaus ist übrigens nun über einen neuen Aufzug barrierefrei erreichbar.

„Sieger Köder“, erklärt Wasseralfingens Ortsvorsteherin Andrea Hatam, „zählt zu den bedeutendsten Malern christlicher Kunst unserer Zeit.“ Köder wurde 1925 in Wasseralfingen geboren, dort sind heute noch zahlreiche Kunstwerke seines Schaffens zu bewundern. So wurden beispielsweise die Fenster der Magdalenenkirche von ihm gestaltet. Auch in der Stephanuskirche, im Rathaus und im Museum im Bürgerhaus sind Kunstwerke von Sieger Köder, der vor drei Jahren im Alter von 90 Jahren verstarb, ausgestellt.

Die Sanierung des Freibads im Spiesel ist machbar.

Andrea Hatam, Ortsvorsteherin

Vielfältige Kultur

„Wasseralfingen ist kulturell sehr gut und vielfältig aufgestellt. Neben der Stadtbücherei und den zahlreichen Vereinen ist hier auch das Freibad Spiesel zu nennen, das auf jeden Fall erhalten bleibt. Die Sanierung des Freibads ist machbar“, berichtet Andrea Hatam stolz. Wasseralfingen sei laut Hatam auch deshalb ein sehr beliebter und nachgefragter Wohnort, weil hier alle Güter des täglichen Bedarfs zentrumsnah erhältlich sind. Wasseralfingen kann auch mit vielen Ärzten aufwarten. Zudem ist der Ort in Sachen Bildung gut versorgt, vom Kindergarten bis zum Gymnasium ist alles da.

Teilort Röthardt ist Kurort

Der „Tiefe Stollen“, in dem vor über 100 Jahren das eingangs erwähnte Erz abgebaut wurde, ist heute ein beliebtes Ausflugsziel. Er verhalf dem Teilort Röthardt, der ebenfalls auf der Gemarkung Wasseralfingens liegt, Dank einer offiziell anerkannten Asthmatherapie zum Titel „staatlich anerkannter Luftkurort“. Dorthin lässt es sich im Sommer auf dem seit Mai 2017 neu eingerichteten „Arbeiterweg“ von Fachsenfeld aus herrlich wandern. Auch sonst laden interessante Wanderwege und zahlreiche Gasthöfe am Braunenberg zu einem Ausflug ein.

Doch welche Ziele hat die Gemeindeverwaltung noch, wenn es fast schon alles gibt?

„Auch wenn Wasseralfingen selbst gut da steht, muss in den Teilorten die Infrastruktur ausgebaut werden, vor allem der Breitbandausbau muss dort verbessert werden. In Treppach-West ist ein kleineres Neubaugebiet in der Planungsphase. Ähnliches trifft in Wasseralfingen auf die Maiergasse zu, wo ab kommendem Jahr neue Wohnungen entstehen sollen, das Gebiet wird derzeit erschlossen. Und auch das lange brach liegende Areal beim ehemaligen Schnepf, neben der Stephanuskirche, soll in Bälde neu bebaut werden. Dem Eigentümer liegt die Baugenehmigung von Seiten der Stadt bereits vor, er kann eigentlich jederzeit loslegen“, gibt Andrea Hatam einen Ausblick auf die Zukunftspläne in Wasseralfingen. als

© Schwäbische Post 06.09.2018 16:50
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