Über 1000 Jahre gelebte Tradition

Der Kalte Markt gilt als das wichtigste Fest im Ellwanger Jahreskalender. Entstanden aus einem Viehmarkt wird bis heute der landwirtschaftliche Ursprung betont. Doch nicht nur Pferdefreunde kommen auf ihre Kosten.
  • Ein Höhepunkt des Kalten Markts ist der große Festzug durch die Innenstadt am Sonntag. Foto: rat
  • Zur Eröffnung der Technikmesse am Sonntag verteilt jedes Jahr die Ellwanger Trachtengruppe Gratis-Kutteln. Foto: AK

Ellwangen. „Heiß geht’s her auf dem Kalten Markt in Ellwangen. Da ist die ganze Stadt auf den Beinen,“ sagt Thomas Steidle vom Ordnungsamt Ellwangen. Das Organisationsteam rund um seine Person freut sich jedes Jahr auf das historische Stadtfest und sorgt gerne für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Der Kalte Markt ist fest im Ellwanger Leben verwurzelt – mit einer über 1000-jährigen, ungebrochenen Tradition.

Gelungenes Gesamtpaket

Der Besuch des Kalten Marktes in Ellwangen ist ein Muss für Jung und Alt, für Familien und alle aus der Umgebung. „Da muss man hin, jeder fiebert dem Eröffnungstag entgegen. Das Einzugsgebiet beträgt locker 50 Kilometer,“ bestätigt Steidles Kollegin Verena Kiedaisch, Wirtschaftsbeauftragte und City-Managerin der Stadt. Beide sind sich einig, dass mit dem Programm ein gelungenes Gesamtpaket geschnürt wird, das wie eine bunte Farbpalette alle Teilbereiche zu Höhepunkten werden lässt. „Die Atmosphäre spürt man bis in die Kneipen hinein, spätestens aber beim traditionellen Saure Kutteln essen,“ erklärt Steidle die Wirkung des Kalten Markts auf die Stadt und ihre Besucher.

Planung beginnt im Oktober

Anfang Oktober beginnt die heiße Phase der Organisation. Eigentlich gilt das ganze Jahr über „nach dem Markt ist vor dem Markt“. Doch dann müssen Stände geplant sowie unter den Ausstellern aufgeteilt werden, die Öffentlichkeitsarbeit nimmt Fahrt auf und in Verbindung mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten erfolgt die verkehrstechnische Planung.

Das Hauptamt kümmert sich um den Umzug, das Ordnungsamt um den Krämermarkt, das Stadtmarketing um Gesundheits- und Seniorentag sowie den verkaufsoffenen Sonntag, die Kämmerei bereitet die Prämierungen vor, die Firma JWS baut die Messezelte auf. Die Nachfrage ist riesig, von Norddeutschland bis Österreich stehen potentielle Teilnehmer auf der Warteliste. „Zum Jahresbeginn sind wir ein guter Wirtschaftsbarometer für das kommende Jahr,“ weiß Steidle.

Tradition und Moderne

Auch wenn es keinen Pferde-, Tauben- und Rinderhandel mehr gibt, haben die Organisatoren den Spagat zwischen Tradition und Moderne erfolgreich bewältigt. Sie bewahren mit ihren Ideen Gutes und bringen Neues ein. Trotzdem liegt der Schwerpunkt weiterhin auf der Landwirtschaft, eben gespickt mit neuzeitlichen Themen wie Energie oder Ernährung. Davon überzeugen sich täglich über 20.000 Besucher.

Da muss man hin, jeder fiebert dem Eröffnungstag entgegen.

Verena Kiedaisch, Citymanagerin

Der Kalte Markt beginnt traditionell mit dem „Grünen Ball der Landjugend“ am Samstagabend. Sonntags eröffnen die Ausstellung „Haus, Garten, Landwirtschaft“ sowie die Ellwanger Technikmesse auf dem Schießwasen, begleitet von jährlich wechselnden Aktionstagen. In diesem Jahr steht die Schweinezucht im Fokus.

Die große Technikmesse

Auf der Technikmesse präsentieren sich vor allem Ellwanger Unternehmen, aber auch Firmen aus ganz Süddeutschland und dem benachbarten Ausland aus den Bereichen Industrie, Handwerk, Garten, Landwirtschaft und Dienstleistungen in vier Messehallen und auf dem Außengelände. Außerdem gibt es einen verkaufsoffenen Sonntag, eine Offroad-Ausstellung und einen Flohmarkt.

Bei der festlichen Reitermesse in der Basilika St. Vitus treffen sich Abordnungen zum feierlichen Gottesdienst, musikalisch umrahmt von den Jagdhornbläsern.

Am Montag bildet die Prämierung von bis zu 400 Stuten ab drei Jahren und circa 60 Gespannen einen weiteren Höhepunkt. Danach folgt der anderthalbstündige Festumzug mit ungefähr 500 bis 600 Pferden sowie ihren Reitern und Gespannen. Der Dienstag steht für die landwirtschaftliche Verkaufsbörse und den Gebrauchtgerätemarkt sowie den Gesundheits- und Seniorentag.

Am Mittwoch steht die Bauernkundgebung auf dem Plan, in diesem Jahr mit der Rednerin Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, die über das Thema „Keine Zukunft ohne Landwirtschaft“ referieren wird. Abschließend locken der Krämer- und Ökomarkt in die Innenstadt mit rund 180 Ausstellern. freu

© Schwäbische Post 05.01.2018 00:38
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