Stationärer versus Online-Handel - wie sieht die Zukunft aus?

Der Onlinehandel boomt ungebremst - in den vergangenen Jahren hat die Branche ihre Umsätze jährlich um etwa 10 Prozent gesteigert.

Doch das bedeutet nicht, dass die Einkaufsstraßen in der Innenstadt aussterben. Das Verhalten der Konsumenten ist vielschichtig, der Einzelhandel längst nicht vom Aussterben bedroht, wie manche es prophezeien. Ganz im Gegenteil: Den Onlinehandel zieht es mehr und mehr in die Städte zurück.

Der Umsatz im Online- und Versandhandel ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. 2017 wurde in Deutschland ein Umsatz von 62,15 Milliarden Euro erzielt. Damit wuchs der Onlinehandel um 11 Prozent. Experten prognostizieren auch für die Zukunft ein jährliches Wachstum von circa 10 Prozent. Der Grund dafür ist offensichtlich: Es gibt kaum etwas, das man nicht online erwerben kann. Selbst medizinische Produkte wie Medikamente und Waren wie Brillen, für die man in der Regel eine Beratung sucht, bevor man sie kauft, werden mittlerweile wie selbstverständlich über das Internet bezogen. Fand der Brillenkauf früher fast ausschließlich über den Optiker statt, hat sich der Kaufort für Sehhilfen und Kontaktlinsen in den vergangenen Jahren mehr und mehr ins Internet verlagert.

2014 kauften gerade einmal 0,8 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung Sehhilfen online, 2017 waren es mit 1,5 Prozent fast doppelt so viele. Die Vorteile scheinen auf der Hand zu liegen: Seriöse Onlinehändler bieten ein breiteres Sortiment, darunter auch Mode- und Sonnenbrillen. Anprobieren, testen, alles das kann man nach der Bestellung bequem zu Hause erledigen. Und gefällt das Produkt nicht, wird es - meist kostenfrei - einfach wieder zurückgeschickt. Der Trend geht eindeutig in Richtung Internetshopping - möchte man meinen. Doch die Situation ist komplexer.

Zum einen ist der Onlinehandel vor Problemen nicht gefeit. So zeigt sich der Postweg längst nicht immer sehr kundenfreundlich: Vermisste Paketsendungen, lange Lieferzeiten oder kundenunfreundliche Öffnungszeiten des Paketshops sind nur einige Beispiele, die Internetkäufer verärgern. Das System ist noch lange nicht optimal. Ein Grund, weshalb es den stationären Handel vor Ort noch sehr lange geben wird. Darüber hinaus sind Käufer vielschichtiger, was ihr Kaufverhalten betrifft. Viele Konsumenten legen immer noch großen Wert auf die haptische Erfahrung. Sie möchten flanieren, die Ware genau ansehen, anfassen und testen, bevor sie sie kaufen. Wieder andere möchten Zeit und Geld sparen - ein Kriterium, bei dem nicht mehr ausschließlich der Onlinehandel punktet. Immer mehr Geschäfte vor Ort bieten attraktive Angebote zu besonderen Anlässen. Das ist unter anderem aufgrund moderner technischer Innovationen möglich geworden. Intelligente IT- und Softwarelösungen erlauben es vielen Händlern, in besonderem Maß auf die Bedürfnisse der Kundschaft einzugehen. Eine weit verbreitete Maßnahme ist das Omni-Channeling, das immer mehr stationäre Läden betreiben.

Viele Händler nutzen nicht mehr nur einen Kanal, um ihre Kunden zu erreichen. Omni-Channel ist Programm. Händler integrieren dabei mehrere Absatzwege: Stationäre Ladengeschäfte runden ihr Produktportfolio beispielsweise über Onlineshops und die Teilnahme an Marktplätzen wie Amazon oder Zalando ab. Das Konzept soll dem Kunden nutzen und gleichzeitig den Absatz der Händler steigern. Im Rahmen des Omni-Channel-Handels offerieren die Läden außerdem diverse Services, zum Beispiel Click & Collect, Instore Order, Instore Return oder die kostenlose Zusendung der Waren.

Die Studie "Click and Collect" zeigt, dass viele Kunden das Angebot, mehrere Shopping-Kanäle zu kombinieren, bereits in Anspruch nehmen. Die Studie merkt allerdings auch kritisch an, dass vielen gar nicht klar ist, welche Services das jeweilige Geschäft eigentlich anbietet. Experten sehen in diesem Bereich Handlungsbedarf: Wird der Kunde besser über mögliche Cross-Channel-Varianten informiert, kann sich der stationäre Handel noch deutlicher gegenüber dem Onlinehandel durchsetzen - oder mit ihm. Denn Kunden werden in den kommenden Jahren eine immer intensivere Verschmelzung von stationärem und Onlinehandel erleben. Vom Aussterben bedroht ist der stationäre Handel demnach nicht, er verändert sich nur.

 

Bildrechte: Flickr Online shopping Robbert Noordzij CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Ob vor Ort oder per Klick über das Internet einkaufen - in Zukunft wird beides noch mehr miteinander verschmelzen.

© Schwäbische Post 13.02.2018 10:38
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