Wählen gehen

Zu: Der frustrierte Bürger, SchwäPo vom 23. Februar:
Konrad Nestles Nicht-Wähler-Initiative zur Rettung der Demokratie halte ich für grundsätzlich falsch. Sie führt zu nichts. Wenn Konrad Nestle eine politische Änderung durch Wahl bewirken möchte, dann gerade nicht durch Wahlverweigerung mit unklarer Aussage.
Ich werde am 13. März zur Wahl gehen, denn das Wahlrecht ist ein elementares, bürgerliches Mitbestimmungsrecht, das in meiner bescheidenen Wahlbeteiligung wahrzunehmen, mir ein Herzensanliegen ist. Auf dieses fundamentales Bürgerrecht verzichte ich nicht freiwillig, auch wenn das Wahlergebnis mich nicht befriedigen würde.
Meines Erachtens verzichten viel zu viele Wahlberechtigte aus Resignation oder Desinteresse auf ihr Wahlrecht, das sie an der (nicht immer erfolgreichen) Mitgestaltung der Demokratie beteiligt, aber sie üben dann lautstarke Kritik an den von ihnen nicht Gewählten.
Wem ich bei der Wahl meine Stimme gebe, das steht auf dem von mir in der Wahlkabine ausgefüllten und unter Aufsicht in die Urne eingeworfenen Stimmzettel.
Wenn ich angesichts der Wahlbewerber zu der Entscheidung käme, dass keiner der Wahlbewerber mir wählbar erscheint, aus welchen Gründen auch immer, dann gehe ich auch zur Wahl und streiche meinen Stimmzettel von oben bis unten durch, denn wenn bei angenommen 86 Prozent Wahlbeteiligung der Anteil der so ungültig gemachten Stimmzettel bei 38 Prozent liegen würde, dann ist dies eine gewichtige Aussage über das Vertrauen, das den Wahlbewerbern in ihrem Wahlkreis entgegengebracht wird: Vor Jahrzehnten, in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, schrieb ein frommer Mann im evangelischen Württemberg (irgendwann zwischen 1919 und 1952) auf seinen Stimmezettel: „Euch zu wählen, ist ein Greuel!“ Hellmut Stroh, Aalen
© Schwäbische Post 28.02.2016 21:06
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