Friedensmann?

Zu: Was wollte Abdeslam?, SchwäPo vom 22. März:
Liebe Redaktion, mir hat es heute Morgen schon vor dem Frühstück fast den Magen umgedreht, als ich den in diesen Tagen immer wieder in Radionachrichten gehörten, in lateinischer Umschrift verstümmelten Namen „Abdeslam“ gedruckt sah. Dazu ein paar Bemerkungen:
Christliche Theologen lernen seit dem Beginn der Neuzeit zum besseren Lesen und Verstehen überlieferter Texte des Neuen Testaments und der Kirchengeschichte die Sprachen Lateinisch und Griechisch, Lehrinhalte des altsprachlichen Gymnasiums. Diese Sprachen sind für uns verhältnismäßig leicht zu lernen, weil die Strukturen dieser Sprachen unserer Sprache verwandt sind. Für das Alte Testament ist Hebräisch und für einige Teile des Alten Testaments auch Aramäisch (zwei untereinander verwandte orientalische Sprachen) erforderlich. Das Erlernen des Hebräischen hat deshalb zu meiner Ausbildung als Theologe gehört. Hätte ich mich als Alttestamentler oder Orientalist spezialisiert, so hätte ich auch Aramäisch lernen müssen.
Zu den mit dem Hebräischen/Aramäischen verwandten Sprachen gehört auch die arabische Sprachenfamilie. Deshalb fallen dem Theologen Beziehungen zwischen diesen Sprachen sofort auf. Hebräische Wörter bestehen in der Regel aus drei Konsonanten (s-l-m oder sch-l-m = salam (arabisch) - schalom (hebräisch). Vokale werden nicht geschrieben, ergeben sich aber für den Kundigen aus dem Zusammenhang. s-l-m (= salam - arabische Sprachfamilie) hat als sch-l-m seine Verwandtschaft im Hebräischen und bedeutet „Friede“, einen freundlichen, angenehmen Zustand der Ruhe und der Ausgeglichenheit, auch im religiösen Sinn.
„Abdeslam“ enthält die Wortwurzel a-b-d. Hier steht der Vokal „a“ nur für den Anlaut, nicht den Klang des Vokals. Die Wortfamilie a-b-d bezeichnet eine unter- oder nachgeordnete Tätigkeit eines Dieners oder Knechts (vom königlichen Hof bis zum bäuerlichen Ackerknecht).
Die Wortkombination A-b-d-e-s-l-m bedeutet also Diener (oder Knecht) des Friedens. Als Nominalsatz (ohne Verb) kann sie übersetzt werden: „Er ist ein Diener des Friedens.“ Im Blick auf den „Islamischen Staat“ ist das ein fast unerträglicher Zynismus. Hellmut Stroh, Aalen
© Schwäbische Post 28.03.2016 21:22
1552 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy