„Hier ist Leben drin“

Wie die Laubenhartschule Bartholomä gegen Vorurteile kämpft
  • Schülern Laubenhartschule in Bartholomä. (Foto: dav)
Sinkende Schülerzahlen. Leerstehende Klassenzimmer. Sterbende Schulen. Soweit das Klischee über Bildungseinrichtungen im ländlichen Raum. Das muss nicht sein, findet Bernd Pfrommer. Der Schulleiter der Laubenhartschule in Bartholomä ist überzeugt: „Das hier ist kein toter Standort.“Bartholomä. Ein großes Schulgebäude mit vielen Klassenzimmern. Neue Computer. Eine blitzblanke Schulküche. Ein Gymnastikraum. Sogar ein kleines Hallenbad. Bernd Pfrommer weiß: Er kann eigentlich nicht klagen. „Wir haben hier einen absoluten Luxus-Standort“, betont der Rektor der Laubenhartschule. Allerdings wird das nicht so bleiben. Denn in Bartholomä stehen Umbauten und Umzüge an. Die Bücherei zieht vom Dorfhaus in die Schule. Die Verwaltung vom Rathaus ins Dorfhaus. Und das Schulgebäude selbst wird saniert – und verkleinert. Zum Beispiel wird das gesamte Obergeschoss abgerissen. Die großen Klassenzimmer, die Schulküche, all das gehört dann der Vergangenheit an. „Sehr schade, dass so viel am Geld hängt“, meint Bernd Pfrommer. Aber man könne eben nicht alles haben. „Wir machen das Beste aus der Situation.“
Und das sei einiges: Der Schulleiter sagt, er wolle eine Lanze brechen für die Schulen im ländlichen Raum. Er fragt: „Wer kann denn sagen, ob die Schülerzahlen tatsächlich weiter sinken? Das kann auch wieder in die andere Richtung gehen.“ In der Laubenhartschule jedenfalls sei „Leben drin“. Aktuell werden 64 Kinder von sechs Kollegen unterrichtet. Fürs kommenden Schuljahr seien 30 Neuanmeldungen eingegangen. „Das heißt, wir bleiben zweizügig.“ Und: Die Kinder kommen nicht nur aus Bartholomä, sondern aus der Umgebung, zum Beispiel aus Lauterburg. „Wir machen hier also wohl nicht alles falsch.“
Bernd Pfrommer wehrt sich gegen den Eindruck, dass es in Bartholomä schulmäßig nur abwärts geht. „Die weiterführende Schule ist weg, ja. Und die Umbauten müssen halt wohl sein. Trotzdem ist eines ganz klar: Wir befinden uns nicht auf dem absteigenden Ast.“ Ganz im Gegenteil: „Hier herrscht Aufbruchstimmung.“ Beweis gefällig? Pfrommer öffnet eine Klassenzimmertür. Und wird mit großem „Hallo“ begrüßt. „Siiiiiiingen!“, fordern die Schüler und kommen ihrer Aufforderung gleich selbst nach. Auswendig schmettern sie ein Liedchen über den blauen Planeten Erde. Pfrommer lächelt. „Das macht doch einfach Spaß“, sagt er. Seit etwas mehr als zwei Jahren leitet er die Laubenhartschule. „Ein absoluter Traumjob“, meint er.
Das Zauberwort für Pfrommer ist Zusammenarbeit. Mit den anderen Schulen in der Verwaltungsgemeinschaft sowieso. Und mit Vereinen, Institutionen und Organisationen. Etwa der Feuerwehr oder der Polizei. Mit dem Förster. Mit dem Roten Kreuz. Die Laubenhartschule pflege diese Kontakte. Denn: „Gelernt wird nicht in den Klassenzimmern, sondern in den Köpfen.“ Nächste Woche wird der Matheunterricht zum wiederholten Mal in die Raiffeisenbank verlegt, sagt Pfrommer. Dazu kämen der rührige Förderverein der Schule und engagierte Eltern. Der Schulchor und die Theatergruppe seien ein fester Bestandteil bei vielen Veranstaltungen in Bartholomä. Bernd Pfrommer verspricht: „Wir geben Vollgas.“ dav
© Schwäbische Post 14.04.2016 18:36
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