Nur vager Verdacht

Zu „Rottenburg räumt Konflikte ein“ / kath. Seelsorgeeinheit Aalen:
Als ehemaliger Wasseralfinger, der lange in der St.-Stephanus-Kirchengemeinde aktiv war, nun schon 20 Jahre im Schwarzwald arbeitet, aber immer noch das hiesige kirchliche Geschehen interessiert, wundere ich mich über die Affäre um den Weggang von Vikar Hammele und über die Berichterstattung in der SchwäPo.
Die Äußerung des Rottenburger Regens nach dem Weggang von Vikar Hammele lasse „Raum für Spekulationen“, die es „unter den hiesigen Katholiken zu Hauf“ gebe, schreibt Frau Schneider. Hat sie darüber belastbare Informationen gesammelt, etwa in Form einer seriösen Umfrage?
Frau Schneider führt als ihre Quelle „anonyme Briefe, die der Redaktion vorliegen“, ins Feld. Anonyme Briefe, deren Verfasser nicht den Mut haben, sich mit ihrem Namen zu den darin erhobenen Vorwürfen zu bekennen, sollten normalerweise unbeachtet dorthin wandern, wohin sie gehören: in den Papierkorb. Es mag seltene Ausnahmefälle geben, in denen Quellen geschützt werden müssen. Aber Anonymität kann auch missbraucht werden, um Legenden in die Welt zu setzen und hintenherum Konflikte auszutragen oder alte Rechnungen zu begleichen. Deshalb muss in solchen Fällen auch die Gegenseite mit den Vorwürfen konfrontiert und ihr die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben werden. Ich habe zumindest Zweifel, ob das in diesem Falle ausreichend geschehen ist.
Am Ende steht jedenfalls nichts Konkretes, sondern nur ein vager Verdacht. Das ist ein eher schwaches Ergebnis. Die im Abschiedsgottesdienst verlesene Erklärung trifft es auf den Punkt: In anonymen Briefen geäußerte Vermutungen zur Grundlage einer öffentlichen oder privaten Meinungsbildung zu machen, entspricht in keinster Weise einem christlichen Umgang miteinander.
Zuletzt: Die angeblichen Zusammenhänge mit anderen Personalwechseln, die Frau Schneider suggeriert, sind letztlich Spekulation. Tatsache ist lediglich, dass zwischen 2011 und 2016 vier Hauptamtliche und ein Ehrenamtlicher ihre Posten gewechselt haben. Weshalb? Womöglich waren einige der Personen auch schon länger im Amt. Für eines der größten Dekanate der Diözese ist das bei vielleicht nicht so ungewöhnlich – mögliche Konflikte hin oder her.
Patrick Lebrecht, St. Blasien
© Schwäbische Post 15.04.2016 19:48
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