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"Die letzten Tage der Eule" - Lesung mit Nils Opitz, Vorsitzender des AWO-Bezirksverbandes Württemberg

  • Autor Nils Opitz
Gebannt horchten die zahlreichen Besucher der Lesung von Nils Opitz aus seinem 2. Roman auf Einladung des AWO-Ortsvereins Aalen im Limesmuseum seinen Auszügen aus seinem 2. Roman. Nils Opitz "Die letzten Tage der Eule" (kul) Ein ungewöhnlicher Ort für eine Lesung, ein geschichtsträchtiger indes allemal, sammelt sich doch im Aalener Limesmuseum manch römische Historie. Nils Opitz stellt hier seinen neuesten Roman "Die letzten Tage der Eule" vor. Limes und Römer als Staffage sind kein Zufall, denn Opitz führt zurück ins Kaiserreich, nicht zu Trajans Principat, sondern in jene Zeit, in der das römische Imperium zusehends zerbröselte. Eine Welt um 400 nach Christus: Eine Welt am Abgrund, die große Völkerwanderung wird die letzten Überreste römischer Kultur vernichten, die bis dahin dominierende Zivilisation auf Null zurückdrehen. "Der letzte räumt die Erde auf", nennt es Andrew Stanton in seinem gleichnamigen Film. "Als zum Jahreswechsel 406/407 der Winter so eisig wurde, dass der Rhein in seiner Gesamtlänge zufror, stürmten in der Silvesternacht 100000 germanische Krieger die großen Städte entlang des Flusses", berichtet Opitz in seiner Romaneinleitung. Gleich auf einer der ersten Seiten liefert er zur Orientierung eine Landkarte mit allen wichtigen Städten und Schauplätzen, deren einstige Namen den heutigen zugeordnet sind. Unumwunden gesteht Nils Opitz, dass seine Schriftstellerei von Umberto Eco beeinflusst ist. Inspiriert sei er von dessen Roman "Im Namen der Rose"; auch in seinem zweiten Buch geht es um Literatur und Wissenschaft, um den Versuch die Kultur der Antike zu schützen und zu bewahren. Er habe sich beim Schreiben immer von der Frage leiten lassen, was es für einen denkenden Menschen bedeutet haben mag, sehenden Auges den kulturellen Untergang zu erleben. Schrittweise versucht er Antwort zu geben. Die großen Schlachten am Rhein bilden den Auftakt, hieraus spinnt er die Fäden, die seinen Protagonisten Quintus Aurelius quer durch den europäischen Kontinent führen. Doch es geht im Roman "Die letzten Tage der Eule" nicht nur um den Untergang der Antike, sondern auch um die Festigung des frühen Christentums in der bis dahin "heidnischen" Welt. Damit erklärt er, wie die staatlich verordnete Zwangschristianisierung im vierten und fünften Jahrhundert die Reste der römisch-griechischen Hochkultur in einen tausendjährigen Abgrund stürzt. Aus einer mehr oder weniger toleranten Gesellschaft mit vielen Göttern wird eine Monokultur, aus einer Bevölkerung, in der die Mehrheit lesen, schreiben und rechnen kann und die tausende Bibliotheken und Schulen im ganzen Reich ihr eigen nennt, wird ein Heer von Analphabeten, in dem nur noch wenige Geistliche „Heilige Schriften“ hegen und kopieren. Bäder müssen schließen, Wissen, Philosophie und Kunst gehen verloren. Das düstere Mittelalter wird von Kirchenglocken eingeläutet. Quintus Aurelius, Gastwirtssohn aus dem Bären in Vangiones, dem heutigen Worms, wird vom Schicksal in den Strudel dieser Zeit geworfen. Bis ans Ende der damaligen Welt reist er, um seine in die Sklaverei entführte Verlobte an den Rhein zurückzuholen. Dabei aber sammelt er, der noch die klassische Bildung erfahren hat, all die Bücher und Papyri, die unter den neuen Herrschern nicht mehr geduldet werden, um sie für die Nachwelt zu bewahren. Hier setzt Opitz zum erzählerischen Kunstgriff an, in dem er eine zweite Zeitebene einflicht: In der Jetztzeit tauchen die alten Bücher mitsamt der Lebensgeschichte von Quintus Aurelius bei Ausgrabungen in Worms wieder auf. Für alle, die sich ein paar schöne Stunden im Orbis Romanum des fünften Jahrhunderts machen, auf den Heiligen Augustinus, die Philosophin Hypatia und die Nibelungen am Rhein treffen möchten, eignet sich der Roman als unterhaltsame Sommerlektüre. Zumal die Geschichten darin so ganz anders sind als erwartet. das gilt auch für den zweiten Erzählstrang, der nichts weniger als die "Geschichte einer großen Liebe inmitten des Todeskampfes der antiken Welt" erzählt, wie Opitz verspricht. INFO Nils Opitz: Die letzten Tage der Eule (tredition-Verlag Hamburg) Quelle: http://www.aalener-kulturjournal.de/
© AWO-Ortsverein Aalen 26.06.2016 22:55
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