Yoga hat keine Religion

Zum Artikel: „Pfarrer ist gegen Kinderyoga“ vom Samstag, 30. Juli:
Mit großem Befremden habe ich gelesen, dass sich nach Meinung des katholischen Pfarrers von Jagstzell Yoga nicht mit dem christlichen Glauben vereinbaren lasse. Deshalb ist letztlich ein seit sechs Jahren in der katholischen Kindertagesstätte von einer externen Dozentin angebotener Kurs „Kinderyoga“ gestorben. Ist es Weltfremdheit, dass Pfarrer Martin Danner erst jetzt auf Yoga aufmerksam geworden ist und dessen Ursprung via Wikipedia in der indischen Philosophie entdeckt hat? Oder schiere Ignoranz? Würde man das Christentum an seinen mythischen Wurzeln messen, müsste man es Danners Diktum folgend ebenfalls umbenennen, um es für den Katholiken von Heute ohne Gewissensbisse glaubbar zu machen.
Möglicherweise sind aber der Pfarrer und seine „whistleblower“, die ihm die blasphemische Indoktrination gesteckt haben, selbst eher von früher, als ein Papst Franziskus noch nicht vorstellbar war. Haben sie sich überhaupt überlegt, dass sie mit ihrer Intervention Scharen von anderen Gläubigen diskriminieren, die in Yoga-Kursen mit körperlichen Übungen ganz ohne religiösen Hintergrund die Einheit von Leib, Geist und Seele anstreben. Solche Angebote finden seit vielen Jahren u.a. an Volkshochschulen zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer. An der VHS Aalen sind sie der Renner im Gesundheitsangebot.
In der selben SchwäPo-Ausgabe wirbt Pfarrer Danner mit einem Plakat für eine Benefizveranstaltung mit dem Kabarettisten Bernd Kohlhepp. Ich hoffe, man hat ihn zuvor gefragt, wie er es mit der Religion hält. Oder ein Jahr früher Werner Koczwara, der in den 1990er-Jahren mit seinem frechen Programm „Wenn die Keuschheit im Bordell verpufft“ (und vor allem dem Plakat dazu) für einen Skandal gesorgt hat. Er ist damit, wenn ich mich richtig erinnere, auch bei der Volkshochschule Aalen aufgetreten.
So und jetzt muss ich mich richtig dehnen und entspannen, damit Geist und Seele wieder atmen können. Mit der „Kobra“ und der „Muschel“ - Yogaübungen, natürlich. Machen Sie doch mit, Herr Danner.
Wolfgang Nußbaumer
Ellwangen
© Schwäbische Post 02.08.2016 20:18
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Kommentare

Frieder Kohler

Von den Katholiken folgt  sicher ein "Vergelt´s Gott" und von den ev. Christen mindestens ein "Danke" für diese Zeilen, Herr Nußbaumer. LeserInnen, welche mit Papst Franziskus wenig anfangen können. ermuntere ich, folgende Zeilen von Hermann Hesse zu lesen:" Alle Weisen und großen Lehrer, auch Jesus und Buddha, hatten zum Grund ihrer Lehren das Wissen um die Einheit des Lebens und um die Vergänglichkeit und Wandelbarkeit der Masken, unter welchen das Leben sich uns zeigt. Alle wußten, was die Theologen nicht wissen dürfen:daß der Mörder und Wüstling von heute der Heilige von morgen sein kann und der Edle und Priester zum Schädling und Gift werden kann. Goethes Mephisto sagt, er gehöre zu der Kraft, die stets das Böse will und stets daS Gute schafft. Es gibt auch das Gegenteil. Es gibt Unzählige, welche stets das Gute wollen und fast immer Böses tun, dem Leben Gewalt antun, die vielfältige Welt verarmen." Nach der Leltüre für Minuten (Suhrkamp) suche ich die Quelle, aus der das Umfeld des Herrn Pfarrers schöpft!