Das neue grüne Lebensgefühl im Haus

Innengestaltung Pflanzwände statt weißer Putz - grüne Wände sind ein neuer Einrichtungstrend und sollen eine beruhigende Wirkung auf die Bewohner haben.
  • Kleinere und günstigere Versionen des Wandgartens wirken wie Bilder im Rahmen. Foto: Optigrün
  • Der Anblick dichter grüner Gärten an einer Wand überrascht viele noch immer Foto: Frank Rumpenhorst
Es wirkt unwirklich: Pflanzen bilden an einer Wand im Haus einen dichten Dschungel. Sie stehen nicht daneben auf dem Boden, sie hängen direkt an der Wand. Diese grünen Wände sind ein neuer Einrichtungstrend.
Für Heinz-Dieter Molitor, der an der Hochschule Geisenheim zu Raumbegrünung forscht, liegt die Begeisterung dafür nahe: „Das sieht fantastisch aus, wenn man in einen Raum mit einer grünen Wand kommt, die meisten staunen einfach.“ Dazu hat das Grün Wirkung auf das Gemüt: Es beruhigt.
Ein weiterer Vorteil ist die Masse an Pflanzen, die an einer Wand Platz finden. Sie werden bei vielen Systemen konstant bewässert, was bedeutet, die Pflanzen können Feuchtigkeit an die Luft abgeben. Damit regulieren sie das Raumklima, wenn es nötig wird. «Wir haben herausgefunden: Sinkt die Luftfeuchtigkeit im Raum, geben die Pflanzen mehr ab», erklärt Molitor. Und andersherum. Topfpflanzen tun das zwar auch, aber erst eine wirklich große Anzahl Pflanzen kann laut dem Wissenschaftler das Raumklima merklich verändern.
Bislang finden sich solche Wandgärten aber vor allem in großen Gewerbegebäuden wie Kaufhäusern. Kann man das auch zu Hause umsetzen? Ja, aber nicht so einfach, sagt Gunter Mann, von der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung. Hinter den Installationen steht eine aufwendige Technik, die meist Profis aufbauen.
Die Pflanzen gedeihen in Modulen oder Topfsystemen oder wachsen in Vliesmatten, Steinwolle oder Schaumstoffen, die auf einer Halterung vor der Zimmerwand sitzen. Im Grunde handelt es sich um eine vorgehängte hinterlüftete Fassade. Über den Abstand zur Zimmerwand ist Luftaustausch möglich, was Schimmel vermeidet. Für den wasserdichten Vorbau sind laut Mann tragende Wände nötig, denn es kommen etwa 30 bis 80 Kilogramm Gewicht extra auf jeden Quadratmeter Fläche.
Solche Konstruktionen sind im ganz normalen Zuhause auch möglich - aber kaum selbst zu bauen und noch dazu teuer. 500 Euro aufwärts pro Quadratmeter sind die Preise, die Experten nennen. Es gibt aber auch noch handlichere und günstigere Versionen: Wie ein Bild im Rahmen wirken Modelle inklusive Bewässerungssystem in Größen bis zu einem Quadratmeter, die man selbst anbringen kann. Allerdings muss man hier noch selbst gießen und zum Beispiel wöchentlich ein Wasserreservoir auffüllen. Und da sind noch freistehende Modelle, die wirken wie Trennwände oder Paravents.
Bei den meisten Systemen sind Strom für extra Beleuchtung und Wasser nötig. Denn die Pflanzen sitzen ja oftmals nicht im direkten Licht der Fenster, erklärt Raumbegrüner Lutz-Peter Kremkau, Mitglied im Fachverband Raumbegrünung und Hydrokultur. Das heißt: Es müssen entweder Pflanzen genommen werden, die mit dunkleren Verhältnissen klarkommen, oder man setzt extra Pflanzenleuchten ein.
© Schwäbische Post 26.08.2016 16:26
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