Späte Erntefreuden genießen

Garten Einlagern heißt es jetzt für Äpfel, Kohl und Kartoffeln. Mit ein paar Tricks kann man dafür sorgen, dass sich der Vorrat im Keller lange hält. Von Helga Schneller
  • Rote Bete, Kartoffeln, Äpfel – wichtig ist jetzt, die reiche Ernte gut einzulagern. Dann hat man auch im Winter noch etwas davon. Fotos: Helga Schneller und Barbara Eckholdt / pixelio.de
Oktober ist die Zeit des Rückblicks auf das Gartenjahr. Auf das, was unter den eigenen Händen gewachsen ist, unverhofft üppig oder auch enttäuschend mickrig. Und es ist die Zeit der Dankbarkeit für die Schätze der Erde, im Erntedankfest immer wieder neu zelebriert. Zum Ende der Saison ist das Füllhorn noch einmal prallvoll mit Obst und Gemüse.
Während Herbst-Himbeeren wie „Autumn Bliss“ am besten frisch von der Hand in den Mund wandern und späte Zwetschgen auf dem Datschi zur süßen Hochform auflaufen, können Spätsorten von Äpfeln und Birnen für den Vorrat eingelagert werden. Entscheidend für Geschmack und Haltbarkeit ist der richtige Erntezeitpunkt, der gekommen ist, wenn sich die Frucht beim leichten Drehen mit Stiel vom Zweig löst. Richtig gelagert, halten sich späte Birnensorten wie „Alexander Lucas“ oder „Conference“ oft bis Jahresende.
Ab Oktober füllen Winteräpfel wie „Glockenapfel“, „Holsteiner Cox“ oder „Boskoop“ die Erntekörbe. Ihr volles Aroma, die sogenannte Genussreife, entwickeln diese Apfelsorten erst Wochen nach der Ernte. Sie halten meist bis zum nächsten Frühjahr – sofern sie nicht schon vorher zu köstlichen Winter-Apfelkuchen verbacken werden. In luftigen Holzstellagen, mit dem Stiel nach oben, sind Äpfel und Birnen gut aufgehoben. Äpfel schrumpeln übrigens weniger schnell, wenn sie einlagig in Gefrierbeuteln, mit einem Luftloch versehen, gelagert werden.

16. Oktober im Blick haben
Auch im Gemüsegarten wartet noch reicher Erntesegen. Salate wie Zuckerhut oder Endivien, späte Möhren, Sellerie und Rote Bete, Kohl, Porree, Zwiebeln und Kartoffeln können für den winterlichen Vorrat eingelagert werden. „An St. Gall ernte die Rüben all“, empfiehlt eine alte Gärtnerregel zum Namenstag des heiligen Gallus am 16. Oktober. Ist dieser Tag zufällig sonnig-trocken, nichts wie ran an die Grabegabel.
Mit dem Gartenwerkzeug sollte man allerdings vorsichtig sein, um dem Gemüse keine Schrammen zuzufügen. Die anhaftende Erdkruste bleibt an Knollen und Wurzeln dran, sie schützt vor dem Austrocknen. Zwiebeln haben Erntereife, wenn etwa zwei Drittel des Laubes eingetrocknet sind. Nach dem Ernten lässt man die Knollen am besten noch einige Zeit in einem Schuppen nachtrocknen. Bevor man sie frostfrei verstaut, lose in Holzkisten oder zum Zopf geflochten, entfernt man die losen, vertrockneten Schalen.
Kartoffeln aus dem eigenen Garten sind in Zeiten immer kleiner werdender Grundstücke fast schon ein Luxusgut. Wer ein Kartoffelbeet über den Sommer gehegt und gepflegt hat, freut sich ganz besonders auf die Ernte. Wird das Kartoffelkraut welk und dürr, ist es Zeit, den Kartoffelschatz zu heben.
Eine alte Bauernregel empfiehlt allerdings, sich noch weitere drei Wochen zu gedulden. So sind die Erdäpfel richtig ausgereift und auch länger lagerfähig. Für den Wintervorrat eignen sich mittelspäte und späte Sorten wie „Agria“, „Aula“, „Laura“ oder „Ackersegen“. Zu Tage befördert man die Knollen am besten mit der Kartoffelhacke, nachdem das Erdreich rund um die Pflanzen vorsichtig gelockert wurde.
Makellose Kartoffeln bleiben zum Nachtrocknen noch auf dem Beet liegen, solche mit Schrammen oder Flecken sind nicht lange haltbar und wandern am besten gleich in den Kochtopf.
Die Frage nach dem optimalen Lagerraum bereitet manchmal Kopfzerbrechen. Es sei denn, man besitzt einen 4 bis 6 Grad Celsius kühlen, dunklen und luftfeuchten gemauerten Hauskeller wie zu Omas Zeiten, der ideale Bedingungen für den Obst- und Gemüsevorrat bietet. Da dies heute eher selten ist, muss meist im (zu warmen) Hauskeller eingelagert werden.

Tipps für Lagerung im Keller
Mit ein paar Tricks wird auch ein solcher Keller lagerfreundlich. Wer kann, sollte einen Raum möglichst weit entfernt vom Heizungskeller wählen. An kühlen Tagen und nachts wird gelüftet, um die Temperatur abzusenken. Auf Betonboden kann eine Lage Ziegelsteine in Sand verlegt und regelmäßig angefeuchtet werden. Wurzelgemüse wie Karotten lagert optimal in Kisten mit feuchtem Sand, um es vor dem Austrocknen zu schützen. Kohlköpfe, Chinakohl und Wirsing legt man in Zeitungspapier eingewickelt auf Holzregale, Kartoffeln kommen ebenfalls in luftige Stellagen.
Mit Zeitungspapier abgedeckt, verdunsten die Knollen weniger Wasser und bilden nicht so schnell die gefürchteten grünen Stellen mit gesundheitsschädlichem Solanin. Ein Tipp zum Ausprobieren: Pfefferminz- oder Lavendelzweige, auf die Knollen gelegt, sollen Kartoffeln am vorzeitigen Keimen hindern und vor Krankheiten schützen. Obst und Gemüse beziehen am besten getrennte Vorratsräume. Denn Früchte verströmen das Reifegas Ethylen, das unter anderem Kartoffeln rascher altern lässt. Beim regelmäßigen Kontrollgang werden alle verdorbenen Früchte sogleich aussortiert.

Lichtschacht zum Lager umfunktionieren

Mit Stroh auskleiden So wird auch ein Neubaukeller zum nützlichen Vorratslager: den sauberen Lichtschacht mit Stroh auskleiden. Gemüse wie Lauch oder Chinakohl in Zeitungspapier wickeln und in sand- oder erdegefüllten Kistchen in den Lichtschacht stellen. Als Regenschutz kommt noch ein Brett auf den Schacht. Kleinere Erntemengen lassen sich auf diese Weise einige Wochen frisch halten.
© Schwäbische Post 30.09.2016 12:55
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