Lesermeinung

Zum Leserbrief von Günter Kallis „Rente, ein Auslaufmodell“, aus der SchwäPo vom 8. Oktober.

Herr Kallis hat zwar richtig erkannt, dass das Thema Altersarmut in Zukunft zu einem Problem wird, aber er schlägt u. a. immer in die gleichen Kerben: Beamte sollen einzahlen und wir sollen das Modell Österreich bzw. Schweiz übernehmen.
Österreich und die Schweiz haben das eigentliche Problem lediglich um fünf bis zehn Jahre verschoben und dann? Nicht alles, was für andere Länder gut ist, muss auch in Deutschland funktionieren. Und hier liegt der Casus knacksus. Mittlerweile sollte auch der letzte Mensch zur Kenntnis nehmen, dass die öffentlichen Arbeitgeber in regelmäßigen Zeitabständen Gutachten in Auftrag geben, die überprüfen sollen, ob „Rentenversicherungspflichtige Beamte“ den Staat billiger kommen. Ergebnis: die „Nichtrentenversicherungspflichtigen Beamten“ sind billiger und zwar über die gesamte Zeit.
Apropos Herrn Kallis Zauberwort Solidarität. Wussten Sie, dass bei einem „Nichtbeamten“ die nichtberufstätige oder nur auf 450- Euro-Basis arbeitende Ehefrau und jedes seiner Kinder in der Krankenversicherung (KV) kostenlos mitversichert sind. Der Beamte muss aber, bei gleichen Verhältnissen, für seine Ehefrau und jedes seiner Kinder nicht gerade niedrige Beiträge zu einer extra Krankenversicherung bezahlen.
Eine der wichtigsten Säulen hat Herr Kallis vergessen. Die Basissäule, das sind die Löhne und Gehälter, die massiv erhöht werden müssen. Zweitens müssen die Beiträge zur Rentenversicherung erhöht werden. Aber dies könnte man ja auch so machen wie es bei der KV gemacht wurde. Hier gehen alle Erhöhungen zulasten der Arbeitnehmer. Was spricht dagegen, wenn man das bei der RV umgekehrt macht? Und drittens müssen wir in einen sauren Apfel beißen, der Renteneintrittsalter heißt. Das muss in regelmäßigen Abständen überprüft und, wenn notwendig, erhöht werden.

© Schwäbische Post 13.10.2016 22:01
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Kommentare

In my humble opinion

Ein Vergleich von Pension und Rente ist immer schwierig.

Aber vielleicht könnten Sie erklären, warum es dem Gleichheitsgrundsatz entspricht, dass ein Rentner ( auf einen zunehmenden Teil seiner Rente ) Steuern zahlt wie ein Pensionsempfänger, auch Krankenversicherung ( wenn auch nicht so viel wie ein privat versicherter Pensionär, dafür sollen aber auch die Wartezeiten länger sein ), der Rentner aber heute unter 50% seines letzten Einkommens an Brutto-Rente erhält und ein Pensionär 70% seiner letzten Bezüge?

Warum werden "versicherungsfremde" Leistungen aus der Rentenkasse entnommen und nicht aus dem allgemeinen Steuersäckel?