Glücksspiel in Deutschland - verboten oder erlaubt?

  • Foto: © istock.com/sanjeri
  • Foto: © istock.com/cioncabogdana

Auch in Deutschland gibt es inzwischen einige Spieler, die ihr Haupteinkommen mit Online-Poker bestreiten. Allerdings sind virtuelle Casino- und Pokerspiele in Deutschland eigentlich verboten. Doch der Glücksspielstaatsvertrag schert nur wenige und die aktuelle Rechtsprechung der EU Kommission gibt den deutschen Spielern recht.

Glücksspielmarkt in Deutschland boomt

Die Hannoversche Allgemeine berichtet, dass im Jahr 2013 die Bundesbürger beim Glücksspiel rund 70 Milliarden Euro verzockt haben - davon 48 Milliarden in staatlich regulierten Casinos, der Rest wurde im Internet verspielt. Inzwischen gibt es mehr als 800 deutschsprachige Online-Casinos, teilweise mit prominenten Werbeträgern wie Boris Becker. Aber nicht nur berühmte Werbeträger machen auf die Angebote aufmerksam, das Gleiche gilt auch für Gutscheine wie etwa hier, die zum Hineinschnuppern einladen. Doch eigentlich ist Glücksspiel im Internet in Deutschland seit dem Jahr 2008 durch einen Glücksspielstaatsvertrag verboten – doch in der Praxis interessiert das fast niemanden.

Aus diesem Grund möchten Politiker gerne die Zahlungsströme zwischen den Spielern und den Online-Anbietern sperren. Das sogenannte Payment Blocking ist jedoch kaum durchführbar, denn die meisten Spieler zahlen gar nicht per Überweisung oder per Kreditkarte, sondern nutzen eine von inzwischen mehr als 200 möglichen Zahlungsmöglichkeiten per Internet. Außerdem bezweifeln Datenschützer, dass es überhaupt mit dem Gesetz vereinbart werden kann, dass Zahlungen einfach blockiert werden.

Lösung: kontrollierte Zulassung

Die Innenminister der Länder sind zuständig für die Aufsicht im Glücksspielmarkt. Schleswig-Holstein ist im Jahr 2012 ausgeschert und hat auf eigene Faust zeitweilig 48 Glücksspiellizenzen an Anbieter von Sportwetten und Glücksspiel vergeben. Eine Studie ergab: Bislang hat die Lizenzvergabe noch nicht dazu geführt, dass in Schleswig-Holstein mehr Menschen spielsüchtig wurden oder mehr im Internet spielten als im Vergleich zu anderen Bundesländern. Somit wäre eine kontrollierte Zulassung eine gute Lösung.

Hinzu kommt, dass der Gerichtshof der Europäischen Union im Februar 2016 entschieden hat, dass das deutsche Glücksspielrecht gegen die deutsche Rechtslage verstößt und unionrechtswidrig ist. Bereits in der Vergangenheit hatte die Europäische Kommission die Vereinbarkeit und Kohärenz des deutschen Glücksspielstaatsvertrags mit dem EU-Recht angezweifelt. Aus diesem Grund ist damit zu rechnen, dass der deutsche Glücksspielstaatsvertrag künftig überarbeitet wird.

Bild 1: © istock.com/sanjeri
Bildunterschrift: 48 Milliarden € wurden 2013 in Casinos verspielt

Bild 2: © istock.com/cioncabogdana
Bildunterschrift: Online-Poker erfreut sich wachsender Beliebtheit unter den Bundesbürgern

© Schwäbische Post 24.10.2016 13:17
4313 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.